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oligei
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Beitrag von oligei » So 18. Feb 2018, 14:37

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Bibbernde Zuschauer – Eisige Temperaturen – alias Sibirische Kältekeule?


Willkommen Väterchen Frost sollte man nun sagen, denn das ‚En Gro‘ der Wettermodelle rechnet eine High-Over-Low-Lage, die sich immer mehr manifestiert und uns ungewohnt tiefe Temperaturen bescheren soll. Nichts Außergewöhnliches mögen Liebhaber der kalten Temperaturen zum Winterzeitraum antworten und gerade der Kernmonat Februar hält doch so ein paar markante Überraschungen hierfür parat.


Nach der doch sehr rekordverdächtigen milden Vorgeschichte in den Wintermonaten Dezember und Januar, folgt nun ein gewisser Ausgleich der Atmosphäre mittels Anomalien zumindest etwas gegenzusteuern. Lag der Dezember 2017 noch mit +1,7 °C und der Januar 2018 sogar mit +4,2 °C über dem langjährigen Mittel (Durchschnitt), so bekommt nun der Februar langsam die Kurve Richtung winterliches Wetter und liegt aktuell bei -0,4 °C leicht unter dem Durchschnitt.

Anomalien sind nichts ungewöhnliches, erfährt man sie ebenfalls im Fussballgeschäft, wie auch überall im Leben. Und so hat man immer mal wieder mit Hoch und Tiefs im Wechselspiel zu kämpfen – denn nur so lernt man aus den ‚Fehlern‘. Gleiches gilt auch für die atmosphärischen Strömungen, die aufgrund physikalischer Gesetze und logistischer Zusammenhänge ihre Kreise über unsere Köpfe ziehen; und in diesem Sinne die für sie einfachste Antwort parat hält, physikalisch sich den Umständen anzupassen. Für die einen mag es unberechenbares Chaos sein, für die anderen ein zu kalkülisierendes Indiz.

Ein markantes Merkmal als Vorreiter einer späteren Kältewelle ist meist eine starke Westwindphase, die uns vor allem im Monat Januar jahreszeitlich rekordverdächtige warme Temperaturen bescherte. Es erinnerte eher an ein Herbstwetter, geprägt durch starken Wind. Genauer gesagt befanden wir uns unter dem Jet-Stream, ein Starkwindband - einer Höhenströmung, die die Grenze zwischen nördlichen und südlichen Luftmassen bildet und dort der Druckgradient am stärksten ist. Die Isobaren in den Wetterkarten sind hier besonders eng strukturiert und offenbarten ein klares zonales Muster, indem die Luftmassen nur leicht fluktuierend wellen und parallel zur Frontalzone verlaufen.


Für uns Fans und Zuschauer heißt es nun ,sich besonders warm anziehen‘

Es war in gewisser Weise für uns Zuschauer in letzter Zeit noch recht passabel und annehmbar bei Temperaturen leicht unter Null und leicht über Null Grad Celsius unserer Mannschaft beim Spiel beizuwohnen. Was bisher fehlte in diesem Winterzeitraum ist eine richtige Kältewelle, die es eigentlich in jedem Winter mal mehr und mal weniger gab. Die Klatschpresse mag nun schnell schreiben: „Die Russlandpeitsche kommt“ – „Sibirische Kältekeule beschert uns Dauerfrost“ – „Väterchen Frost hält Deutschland in Atem“, um den Leser direkt zu erreichen und die Klickzahl zu erhöhen. Vielleicht mag es dann auch ein Grund sein, warum in den Stadien die Zuschauerzahl sinke. Um es aber sachlich zu betrachten, rechnen die führendsten Wettermodelle ab der kommenden zweiten Wochenhälfte Dauerfrost, so dass zumindest in den Amateurligen auf knochenharten Bodenverhältnissen kaum ein Fussballspiel stattfinden könnte.

Vorausgegangen ist einmal ein Polarwirbelsplit, in dem in den höchsten stratosphärischen Schichten parallel ein ‚Minor bis Major Warming‘ einherging und dabei die nordhemisphärische Zirkulation mächtig zum Straucheln bringt. Hierbei wandern Temperaturen mit bis über 60 Grad Celsius Unterschied von oben nach unten und umgedreht - Es entstehen folgerichtig Austauschprozesse und hierbei Blockinglagen und die West-Ost-Zirkulation wird umgeleitet über andere Bahnen bzw. massiv gestört. Waren es noch zuvor die naheliegenden Tiefs über dem Nord- und Nordostatlantik bis zur Ostsee, die entgegen dem Uhrzeigersinn sich drehen und dabei die warmen und äquatornahen Luftmassen nach Mitteleuropa advehierten (heranführen), so entsteht nun über dem Ostatlantik und Nordostatlantik ein quasi-stationäres und blockierendes Hochdrucksystem, welches eine Verbindung zu den anderen Hochdruckgebieten über dem Nordmeer, Nordpol bis nach Alaska eingeht. Hochdruckgebiete drehen sich im Gegensatz zu den Tiefdruckgebieten im Uhrzeigersinn und genau dieses Hochdruckgebiet über dem Nordmeer soll dann dabei sein, die sehr kalten sibirischen Luftmassen anzuzapfen und dabei unaufhörlich nach Mitteleuropa zu transportieren.



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Quelle: http://www.wetterzentrale.de/" onclick="window.open(this.href);return false; – EZ ENSMittel 00z zum Folgetag 7

Blockinglage in 500 hPa: links der stationär sich nach Süden ausweitende Langwellentrog über dem Atlantik – rechts der Langwellentrog über Osteuropa. In der Mitte der blockierende Hochdruckkeil Richtung Nordmeer, der vorderseitig und im Uhrzeigersinn die kalten sibirischen Luftmassen nach Mitteleuropa transportiert


Was in Höhe von 500 hPa bei ca. 5,5 km als Voraussetzung dient, wird auch sukzessive übertragen in den unteren Schichten. Hier hilft der Blick in 850 hPa (ca. 1,5 km Höhe), deren Temperaturkarte schon aussagekräftiger für uns ist. Meist war zuletzt die 0-Grad-Isotherme im Januar unser Wegbegleiter, teils auch die Minus -5°C in 1,5 km Höhe, weshalb das Bergland sich bisher über fehlendes Winterwetter nicht beschweren konnte, zumal die einhergehenden Fronten der Tiefs für reichlich Niederschläge und nasses Wetter sorgte (im Bergland in fester Form). Fürs Flachland heißt das jedoch nur Schmuddelwetter, da die bodennahen Schichten in 925 bis 1000 hPa meist noch 10 K wärmer sind.

Nun aber soll sich nach den einheitlichen Modellrechnungen der Wind in ein paar Tagen aufgrund der High-Over-Low-Lage auf Ost drehen und dabei würden bodennah die kalten Temperaturen einfließen. High-Over-Low bedeutet, dass sich über dem Nordmeer und Nordeuropa Hochdruck befindet und südlich davon tieferer Druck. Meist kommt es dann noch in der Höhe zu einem komplexen Abschnürvorgang eines Langwellentroges, so dass über Neapel im Kernbereich sich in der Folge ein umfangreiches Tiefdrucksystem über dem Mittelmeer etablieren soll, dabei die Wetterlage weiterhin stützt und die kalte Ostwindzirkulation untermauern würde.

Ja die Blockinglage ist eine meridional geprägte Wetterlage, indem die Frontalzone extrem stark mäandriert und die polaren Luftmassen dabei von Nord nach Süd rutschen, bzw. die subtropischen Luftmassen vom Äquator nach Nord. Die bodennah einfließenden kalten Luftmassen sibirischen Ursprungs werden bei uns Kahlfrost verursachen. Weit und breit ist keine Front ersichtlich, da die Tiefs weit im Norden umgeleitet werden, somit auch kein Schneefall. Es ist überhaupt die Voraussetzung hierfür dass sich späterer Schneefall auch auf dem Boden festsetzen kann, denn aktuell ist der Boden noch viel zu warm dafür gewesen.

Kalte Luftmassen sind schwerer und befinden sich in der untersten Schicht. Sie schieben sich unter die wärmeren Schichten und es kommt vor allem in den Niederungen zur Inversion. Bei sternenklaren Nächten strahlt der Boden dann seine letzte Wärme ab, die in die Höhe aufsteigt und er gefriert. Sicherlich gibt es auch Noppenschuhe, so dass man u.a. beim Amateurfussball sich den Begleitumständen anpassen würde. Jedoch ist das Geläuf gegebenenfalls auf holprigen Untergrund alles andere als gesundheitsfördernd. Hier haben die Profiligen aufgrund der Auflagen eine Rasenheizung zu besitzen den klaren Vorteil, den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können. Für uns Zuschauer und Fans heißt es hingegen noch enger Zusammenrücken oder sich diesbezüglich wärmer anzuziehen, als wie bisher schon geschehen. Für einen richtigen Fan gibt es keine Ausrede, der Mannschaft bei eisiger Kälte fernzubleiben. Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache mit Vor- und Nachbereitung sich der Kälte stundenlang auszusetzen und so könnte man auch den einen oder anderen Zuschauer dadurch verlieren. Für Hartgesottene sollte das aber kein Problem sein *Smile*


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Quelle: http://www.wetterzentrale.de/" onclick="window.open(this.href);return false; – EZ ENSMittel 00z zum Folgetag 8

High-Over-Low-Lage / Blockinglage in 850 hPa: Sibirische Kaltluftzunge – die kalten Luftmassen sibirischen Ursprungs werden durch den Nordmeer-Hochdruck an dessen Ost- und Südflanke unaufhörlich nach Mitteleuropa transportiert. Es entsteht ein kalter Ostwind.


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Quelle: http://www.meteociel.fr/modeles/ecmwfens.php?carte=1" onclick="window.open(this.href);return false;

EZ ENSMittel 00z Temperaturen in 850 hPaAb der zweiten Wochenhälfte sinkt das ENS-Mittel auf und unter minus -10 Grad Celsius in 1,5 km Höhe bis in den März hinein, was bodennah auch mittels der Ostanströmung für das Flachland Dauerfrost tagsüber bedeuten und bei Nacht zweistellige Minusgrade mit sich ziehen würde


Wie lange die Blockinglage Bestand hat ist eine gewisse Unbekannte, jedoch dürften mindestens zwei Wochen vergehen, ehe sich atlantische Tiefs wieder nähern sollten. Vorab treffen sie dann sowieso auf die vorhanden kalten Luftmassen und bringen Schneefall mit sich, der auch liegen bliebe. Je nach Nähe der Tiefs hänge auch die Durchmischung wärmerer Luftmassen bis in die tiefen Schichten ab. Vorab gelte jedoch dieser Umstand in den Modellrechnungen bis 14 Tage im Voraus nicht, so dass wir uns darauf einstellen dürfen, den einen oder anderen Glühwein, Grog oder heißen Tee im Stadion mehr trinken zu dürfen.

In diesem Sinne werfen auch Russland und die WM erste Vorreiter und Grüße nach Deutschland. Meist hat ein kalter Februar einen warmen WM-Sommer zur Folge. Und wer weiß, vielleicht auch ein erneutes Sommermärchen… mit Timo Werner in unseren Reihen.

alias Ostern... es ist ja noch eine Weile hin ;)

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Lassen wir uns überraschen :idea:

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