Politik-Stammtisch

Hier kann alles rein, was sonst nirgends passt

Politik im Fußballforum - Soll der Thread bis auf weiteres geschlossen werden?

Umfrage endete am Sa 26. Nov 2016, 09:18

Nein - alles so lassen
19
43%
Mir egal - ich schaue hier eh selten rein
9
20%
Ja - Politik und Fußball vertragen sich nicht
16
36%
 
Abstimmungen insgesamt: 44

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Cicerico
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Cicerico » Mo 2. Apr 2012, 17:36

Ich wähle notorisch sozialdemokratisch, aber die Geschichte mit der Schlecker-Transfergesellschaft geht einfach zu weit, da brauch man auch nicht die Brücken zu "Leuchtturmprojekten" zu schlagen. So entwaffnend ist dieses Argument nämlich nicht.

Das Unternehmen konnte sich schon seit einigen Jahren nicht mehr gegen DM und Rossmann durchsetzen. Und das hat auch weniger mit Boykotten oder schlechtem Image zu tun, man brauch sich doch nur mal die Geschäfte (größer, optisch ansprechender), das Angebot (vielfältiger, preiswerter) und die Mitarbeiter (zahlreicher, offensichtlich zufriedener) anschauen. Demzufolge wurde doch bereits vor einiger Zeit zahlreiche Filialen geschlossen, hat sich nur kaum jemand drum geschert. Das kann der Staat auch nicht leisten. Und überhaupt: Was is das für ne soziale Gerechtigkeit, wenn 1.000 Unternehmen mit jeweils 11 Angestellten einfach fallengelassen werden und ein Unternehmen mit 11.000 nicht?

Greif
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Greif » Mo 2. Apr 2012, 19:30

Ich wiederhole mich hier gerne: Es ging nicht darum die Anton Schlecker e.K. zu retten, sondern darum den Mitarbeiter/innen sechs Monatsgehälter (anstatt drei über die Arge) zu garantieren und Fortbildungen zu finanzieren. Dafür waren 75 Millionen Euro Bürgschaften der 16 Länder nötig. ALLE 16 Finanzminister waren dafür. Nur drei FDP-Wirtschaftsminister haben sich dagegen gestreubt - was soll der Schwachsinn :?: Da kann JohnL noch so oft Dahrendorf bemühen und auf liberale Standpunkte hinweisen und die kumilierte Inflation bemühen, das ändert absolut nichts an der Tatsache, dass es eine parteitaktische Entscheidung der Bundesspitze dieser 2%-Partei war.

"Die Befreiung des Liberalismus aus seiner Klassengebundenheit und damit vom Kapitalismus ist die Voraussetzung seiner Zukunft." Das Zitat ist schon etwas älter sollte aber vielleicht mal wieder ins (liberale) Gedächtnis gerufen werden, wenn man Banken rettet, aber 11.000 einfache Arbeiter/innen im Regen stehen lässt ;)

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Cicerico
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Cicerico » Mo 2. Apr 2012, 19:44

Das ändert doch aber nichts an der Tatsache, dass in anderen Fällen auch keine Transfergesellschaften gegründet werden. Und dass der Staat das auch niemals leisten kann, dürfte klar sein, sodass man vielmehr hier von einer populistischen Maßnahme sprechen kann.

Und wie lächerlich wäre es bitte von der FDP, die weniger Eingriffe des Staates fordert, gewesen, wenn sie dem zugestimmt hätte? - Man kann auch sachlich mit dem "politischen Gegner" umgehen.

Greif
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Greif » Mo 2. Apr 2012, 20:24

"Transfergesellschaften können rechtlich mittlerweile unabhängig von der Betriebsgröße und der Zahl der betroffenen Mitarbeiter dann installiert werden, wenn (drohende) Massenentlassungen (§ 17 KSchG) vorliegen." (Quelle: wikipedia)

Soviel erstma dazu.

Desweiteren sind mir eine handvoll (regionale) Fälle bekannt, bei denen eine solche TG installiert wurden und das jeweilige Bundesland die Bürgschaften natürlich übernommen haben. So habe ich übrigens auch den pfälzischen Dampfplauderer (Beck) und den holsteinischen MP (Carstensen) verstanden, die in ihren jeweiligen Bundesländern für solche TGs ebenfalls regelmäßig bürgen, egal wie groß der Betrieb ist. Nur interessiert das bundespolitisch niemanden, da es sich wie beschrieben zumeist um regionale Unternehmen handelt. Schlecker ist nunmal ein Unternehmen welches deutschlandweit Mitarbeiter beschäftigt und somit auch eine ganz andere mediale Aufmerksamkeit erzeugt, wenn es Insolvenz beantragt.


P.S.: Q-Cells beantragt morgen ebenfalls die Insolvenz - man darf gespannt sein, wie es dort läuft (2000 Beschäftigte) :|

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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Jupp » Mo 2. Apr 2012, 22:12

Warum soll für ein Unternehmen wie Schlecker eine Ausnahme gemacht werden? Für mich wäre dies einfach nur populistisch, da dies sonst bei keinem anderen Unternehmen gemacht wird. Schlecker hat sich seit Jahren durch eine schlechte Mitarbeiterführung hervorgetan. Dazu die absolute nicht mehr moderne Warenpräsentation, die veralteten Immobilien und die teuren Preise. Für die Mitarbeiter finde ich es Schade, für das Unternehmen freut es mich, dass der Kunde ein Gespür dafür hat.
Bei einem anderem Unternehmen kann man über Ausnahmeregelungen evtl. noch diskutieren, aber hier nicht. Ich sehe für Schlecker auch keine wirkliche Zukunft.
Die Wahrnehmung der Bürger ist halt bei größeren Unternehmen besonders groß. Deswegen stellen diese noch lange nicht die meisten Arbeitsplätze in Deutschland. Wenn hier jetzt eingegriffen wird, wäre dies diesen Unternehmen mehr als unfair gegenüber.

Bevor Fragen aufkommen: Nein, ich bin definitiv kein FDP-Wähler.
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Wuppertaler » Mo 2. Apr 2012, 23:23

@Jupp: liesst du auch was über deinem Beitrag steht? Greif schreibt doch deutlich, dass regionale Transfergesellschaften nicht ungewöhnlich sind, sondern bei umfangreichen Kündigungen größerer Unternehmen sehr häufig eingesetzt werden (z.b. BenQ, Agfa, Pfaff, Qimonda). Nur betrifft dies in der Regel keine Handwerksbetriebe, da einen Transfergesellschaft für 5 Leute keine Sinn macht und zudem die Gründung einer TG in der Regel zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung ausgehandelt wird. Und einen BR gibt es in Kleinstunternehmen nicht. Und es betrifft auch eher selten ein Unternehmen mit 31.000 Beschäftigten, der aber nach der Rechtsform eines Kioskes betrieben wurde und daher viel zu spät erst Insolvenz angemeldet hat.

Zudem ist die Größe von 11.000 Leute ist sehr ungewöhnlich und sehr hoch und diese Größe zusammen mit der viel zu späten Insolvenzanmeldung sorgt dafür, dass Schlecker das auch nicht mehr aus eigener Kraft stemmen konnte, sondern einen Kredit der KfW brauchte, die durch Landesbürgschaften gesichert werden sollte. Dieser Kredit sollte nach Umschuldung zurückgezahlt werden. Die eigentlichen Kosten einer Transfergesellschaft sind auch nicht die 71 Mio. Kreditbürgschaften sondern die Zuschüsse die die Bundesanstalt für Arbeit an die Transfergesellschaft überweist. Aber das wiederum ist kein Schlecker-Phänomen sondern in Deutschland gang und gäbe.

Und im übrigen geht es eben nicht darum ein marodes, den Zeitgeist überlebtes, Firmenkonzept krampfhaft am Leben zu erhalten. Vll. sollte ihr euch mal mit den Aufgaben, den Vorteilen und aber auch den Nachteilen einer Transfergesellschaft, losgelöst vom Fall Schlecker, beschäftige, bevor hier einiges durcheinander gehauen wird.
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von AgainstAllAuthority » Di 10. Apr 2012, 16:37

http://www.stern.de/politik/deutschland ... 11422.html" onclick="window.open(this.href);return false;

den grünen rennen die "großpolitsch gebildeten" wähler (viele erstwähler) weg ....... und zwar zu den piraten :rofl:
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Wuppertaler » Di 10. Apr 2012, 16:50

AgainstAllAuthority hat geschrieben:http://www.stern.de/politik/deutschland ... 11422.html

den grünen rennen die "großpolitsch gebildeten" wähler (viele erstwähler) weg ....... und zwar zu den piraten :rofl:
was ist den großpolitisch gebildet? Und die Piraten werden sich noch selbst entzaubern. Wenig bis keine Positionen bei den meisten Themen, wenig politisch talentiertes Personal und in absehbarer Zeit ähnlichen Flügelmachtkämpfe wie in anderen Parteien. Mal schauen bei wieviel Prozent die Piraten in zwei Jahren liegen.
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von Imperator » Di 10. Apr 2012, 17:03

Muss ich Dir mal Recht geben. ;)
Ist für mich auch eher nur eine andere Art einer "Protestpartei".
Wobei viele da wohl nur hinrennen, weil sie sich auch weiterhin straffrei die neusten Hollywoodfilme und Alben von allen möglichen Künstern auf die Platte ziehen wollen.
Quasi, ... die "nur-für-mich-gemacht-und-selbstverständlich-kostenlos" Fraktion.

Wo die "ihr-geht-für-mich-arbeiten-und-ich-hab-anrecht-auf-5000-Mark-im-Monat" Parteien hin sind, ist ja auch inzwischen klar.
Alexander Zorniger:
"In anderen Vereinen werden die Spieler auch mit Geld bezahlt und nicht mit ehemaligen Meisterwimpeln."


"Wer die Wahrheit sagt, sollte sein Pferd gesattelt lassen."
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Re: Politik-Stammtisch

Beitrag von AgainstAllAuthority » Di 10. Apr 2012, 17:11

nicht das der eindruck entstanden ist, dass ich die piraten hier hochleben lasse, aber was ich schon immer gespürt habe, tritt ein.

viele wählen ja die grünen, weil sie zu viel geld haben und überzeugter naturfreak sind. alles kein problem diese herrschaften muss es ja auch geben. (gruppe 1)

aber viele wählen ebend auch die grünen, weil sie sich kurzfristig mit irgendwelchen themen breitschlagen lassen (S21 ATOM) und / oder die freundin wusste nicht was sie wählen soll, hat sie grün gewählt, da wähle ich auch grün.... (gruppe 2 die großpolitisch gebildeten)

und diese rennen jetzt zur piratenpartei, weil da auch geile parties gefeiert werden ^^

http://www.youtube.com/watch?v=Nj-NAK-bAaM" onclick="window.open(this.href);return false; ab 1:04min für die die nicht wissen, was großpolitisch gebildet bedeutet ^^
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