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Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 17:22
von Roter Brauser
Ja, ich weiß: Wir befinden uns in einem Fußballforum und da hat Politik nix zu suchen.
Aber wenn wir hier im Offtopic-Forum mal in politische Diskussionen abgleiten (siehe die Threads zu Wulff oder Guttenberg), dann wird da jedenfalls von einigen engagiert mitdiskutiert.

Deshalb will ich hier mal alles tages/wochen/monatspolitisches Blabla sammeln (auch weil ich keine Lust habe mir bei Spiegel-online oder tagesschau.de einen Account anzulegen).
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Heute habe ich einen interessanten Kommentar zur FDP-Haltung bei der gescheiterten Schlecker-Transfergesellschaft gelesen.
http://www.tagesschau.de/multimedia/pol ... 86238.html" onclick="window.open(this.href);return false;

Und da muss ich dem Kommentator einfach mal Recht geben: FDP-Bashing ist mittlerweile Volkssport geworden, aber wenn mal eine (meiner Meinung nach) richtige Entscheidung getroffen wird, dann wird die auch noch zerredet...

Meinungen?

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 17:49
von Wuppertaler
Das ist ja so die Frage, ob eine Auffanggesellschaft nicht doch die bessere Lösung gewesen wäre. Nicht weil sie dort besser für andere Stellen qualifiziert werden würden oder schneller wieder in Arbeit kommen, sondern weil die Abwicklung von Schlecker besser funktioniert hätte, ohne Kündigungschutzklagen etc.

Und was natürlich unstrittig ist, dass die FDP hier nicht aus Prinzipentreue gehandelt hat, sondern um a) ihr Profil auf Kosten der Schlecker-Frauen zu schärfen, b) der rot-grünen Regierung in B-W eins reinzudrücken. Anders ist es ja nicht zu begründen, weshalb der FDP-Minister Zeil in Bayern zwar Hilfe für Schlecker ablehnt, aber für Müller-Brot befürwortet.

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 17:57
von AceFace
Ich sehe das als keine gute Entscheidung der FDP, damit werden die 13.000 noch nicht gekündigten Schleckerarbeitzplätze stark gefährdet und letztendlich muss der Stadt über die Sozialversicherungsssteme noch drauf zahlen.

Parteitaktisch war es jedoch nicht dumm. Mitziehen hilft der FDP nicht, da muss man Kante und eigene Positionen zeigen. Jedoch fraglich ob man das auf dem Rücken der Steuerzahler und Schleckermitarbeiter machen sollte.

Die brennende Frage ist vielmehr, ob die anderen (rot / grünen) Bundesländer die Tranfergesellschaft nicht alleine hätten durchziehen können. Wobei es dagegen auch genug finanzielle und vor allem politische Gründe gab. (PS: Gut, anscheindend gibt es hier auch europäische Bestimmungen, die den Spielraum für einzelne Läder eingrenzen.)

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 18:04
von Greif
AceFace hat geschrieben:Die brennende Frage ist vielmehr, ob die anderen (rot / grünen) Bundesländer die Tranfergesellschaft nicht alleine hätten durchziehen können. Wobei es dagegen auch genug finanzielle und vor allem politische Gründe gab.
Dagegen sprechen zunächst einmal rechtliche Gegebenheiten, wie Carstensen und Beck auf der PK der Ministerpräsidentenkonferenz glaubhaft dalegen konnten ;)

Was zudem verstörend ist, dass alle 16 Finanzminister kein Problem mit der Transfergesellschaft gehabt hätten - 75 Mio. Bürgschaften sind ja nun auch wirklich nicht die Welt, aber 3 (drei!!!) FDP-Wirtschaftsminister dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen (können) :?

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 18:10
von crank
Leider fehlen mir alle Informationen. Was soll denn so eine Transfergesellschaft leisten? Wie lange wissen denn Mitarbeiter dort, dass sie Arbeitslos werden. Und was ist mit Kündigungsschutz?

So als Uninformierter trifft es wohl der FAZ Kommentar ganz gut:
Es wird nicht leicht sein, der zum Symbol gewordenen „Schlecker-Frau“ begreiflich zu machen, dass eine Bürgschaft in zweistelliger Millionenhöhe für eine Transfergesellschaft zu teuer ist, dreistellige Milliardenbeträge für die europäische Solidarität aber recht und billig sind. Es macht die Sache nicht leichter, dass das Unternehmen, um das es geht, bis vor kurzem noch im Ruch des Frühkapitalismus stand, dass es gewerkschaftlich domestiziert werden musste und die Verkäuferinnen deshalb als die Schützlinge einer gegen neoliberale Kälte gerichteten Fürsorge behandelt werden.[...]

FAZ
Die kopierte Passage ist halt auch das, was mir dabei erstmal durch den Kopf geht. Ich denke mal, dass es am Bewertungsmaßstab liegt. Ökonomisch (alles richtig) und Moralisch (soziale Kälte). Das ist so mein Eindruck von dem ganzen.

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 18:10
von Mölkau
Roter Brauser hat geschrieben:: FDP-Bashing ist mittlerweile Volkssport geworden, aber wenn mal eine (meiner Meinung nach) richtige Entscheidung getroffen wird, dann wird die auch noch zerredet...

Meinungen?

Seh das genauso. Ganz ehrlich, es ist schade um die vielen MA, die jetzt ihren Job verlassen müssen auf Grund von grossenteils individuellem Missmanagement der Chefetage. Aber, wenn wir jetzt anfangen jede Firma zu retten, welche sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten als nicht mehr konkurrenzfaehig zeigt, dann können wir auch gleich alles verstaatlichen. Paradox find ich das, wenn Griechenland mit Bürgschaften unterstützt, Banken mit Schirmen gerettet werden, dann sagt ein grossteil der Steuerzahler ... HILFE meine STEUERN! Wenn hingegen der Staat sich raushält spricht man von sozialer Kälte. Unverständlich

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 18:12
von f.k.
für mich ist schon jetzt das unwort des jahres gekürt:

"schlecker-frauen" - klingt wie trümmer-frauen...

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 18:50
von FutureMan
Wenn wirklich keine andere Variante als ne Transfergesellschaft im Gespräch war geht das schon in Ordnung würd ich meinen. Für den einzelnen vielleicht blöd, aber solche übergangsdinger schaden fast mehr als sie helfen.

Ich kenn das damals von quelle, da konnten die mitarbeiter wählen ob transfer oder abfindung.
Die meisten die ich kenne die da abfindung genommen haben hatten relativ schnell nen neuen job. Der Rest hatte dann nichtmehr soo grosse Auswahl.

Klar verteilen sich die Schlecker Leute mehr über D als das bei Quelle der Fall war, aber trotzdem halte ich von Transfergesellschafen allgemein nicht besonders viel.

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 19:12
von Roter Brauser
AceFace hat geschrieben:Ich sehe das als keine gute Entscheidung der FDP, damit werden die 13.000 noch nicht gekündigten Schleckerarbeitzplätze stark gefährdet und letztendlich muss der Stadt über die Sozialversicherungsssteme noch drauf zahlen.
Warum werden die auch noch gefährdet?
Wenn die Filialen Gewinn abwerfen, werden diese auch weiterbestehen. Es ist halt nur die Frage, ob der Eigentümer dann Schlecker, Rossmann oder xy heißt.

Re: Politik-Stammtisch

Verfasst: Fr 30. Mär 2012, 20:28
von AgainstAllAuthority
Misswirtschaft des Schleckermanagements sollte nicht belohnt werden. Mir tut es auch Leid für die MA, aber geht eine Dachdeckerfirma pleite, weil die Auftraggeber Zahlungen aus den übelsten Gründen verweigern, interessiert es auch keinen. Das sind die selben Schicksale, nur das eine wird in den Medien breitgetreten und das andere nicht. Die FDP für eine konsequente Entscheidung als "Verantwortlichen" hinzustellen, ist simples rot - grünes Gesülze, die Nahles benutzt die Schicksale der "Schleckerfrauen" für ihren Populismus um gegen die FDP in aller Öffentlichkeit Stimmung zu machen, anstatt eine Lösung für die Zukunft der betroffenen Person zu erörtern.

Dies soll kein Loblied auf die FDP sein, ich wähle diese Partei auch nicht.

Solche Rettungsaktionen kann man machen, wenn man nicht der Hauptsponsor der EU wäre.