Ohne Glanz und Gloria – Die K&K Monarchen im Fokus

Ohne Glanz und Gloria – Die K&K Monarchen im Fokus

Zum vierten Mal in dieser Saison sollte das kreative Zentrum im "Fokus" stehen. Kaiser und Kimmich hatten gegen Heidenheim einen exzellenten Eindruck hinterlassen, konnten aber – wie die gesamte Mannschaft – nicht in dieser Form gegen Regensburg glänzen.

Konstanz hält Einzug ins Leipziger Mittelfeld, mit Ernst, Kaiser und Kimmich scheint Zorniger seinen derzeitigen Stamm gefunden zu haben. Auch die letzten Ergebnisse lesen sich gut, mit den Siegen gegen Regensburg und Nordhausen haben unsere Leipziger vier 2:0 Siege in Folge gefeiert. War der Auftritt im Pokalderby noch von glanzloser Kontrolle geprägt, so ging auch diese gegen Regensburg teilweise flöten. Das lag nicht zuletzt am fehlenden Zugriff im Mittelfeld, wo Kaiser und Kimmich kaum Ruhe ins Spiel bringen konnten und die Bayern unser (ausbaufähiges) Pressing gekonnt ins Leere laufen ließen. So verwundert es nicht, dass die Mittelfeldspieler ihre guten Leistungsdaten aus den vorhergehenden Spielen (namentlich Stuttgart II und Heidenheim) nicht bestätigen konnten. Besonders auffällig war Kaisers fehlende Anbindung ans Spiel, wohingegen Kimmich zwar sehr aktiv, dafür aber häufiger als Kaiser glücklos agierte.

Ballberührungen
Es war eines der schlechteren Spiele Kaisers, was die Anzahl seiner Ballberührungen anbelangt, zieht man die Ecken und Freistöße ab, so waren es weniger als 40, durch die Standards kam er insgesamt auf 43. Hier zeigt sich sehr gut, das eher unbewegliche Spiel und die von Zorniger im Nachhinein kritisierte Lauffäule des Teams. Ganz anders Kimmich, der Juniorennationalspieler war läuferisch einer der besten im Team und bestritt viele Zweikämpfe, zusammen mit Schulz kam die zweite 8er-Position auf 61 Ballberührungen (56/5, der höchste beobachte Wert im Zentrum diese Saison (gemessen an Lok, Stuttgart II und Duisburg)), was ein beachtlicher Unterschied zum sonst so umtriebigen Kaiser ist. Immerhin lässt dies hoffen, dass wir mit Kaiser und Kimmich (wenngleich körperlich eher klein gewachsen) in Normalform ein sehr ballsicheres und dominantes Duo aufbieten können. Gegen Regensburg fehlte dazu aber der letzte Einsatz (Kaiser) bzw. die Abgeklärtheit (Kimmich).

Pässe
Im Passspiel zeigte sich, warum Kaiser trotz der eher unauffälligen Leistung eine gute Figur machte. Denn im Gegensatz zu den Fehlpassorgien einiger Mitspieler war Kaiser sehr passsicher und brachte 85,7% seiner 35 Pässe an den Mann. Kimmich hingegen hatte zwar absolut 10 Pässe mehr zu bieten, die gingen statistisch gesehen jedoch alle in die Hose, denn er hatte auch zehn Fehlpässe mehr als Kaiser (jener aber mit mehr Sicherheitspässen) – 66,7%. Dies spiegelt sehr gut eine weitere Hauptproblematik des Spiels wieder, durch die hohe Anzahl von Ballverlusten, war an gutes Aufbauspiel und Chancengenerierung nicht zu denken. Zwei weitere Auffälligkeiten sind zu nennen: Kimmich mit ungewohnt vielen Fehlern im Bereich Kurzpass (75,7%), gegen Lok war dies noch gänzlich anders, dort glänzte er (bei ähnlicher Passanzahl) mit 94,1% Quote. Dazu kam Kimmich zu vielen Kopfbällen, trotz etwa gleicher Statur, war Kaiser kaum mit dem Kopf tätig (6/1 Versuche), dies kann als Beleg für Kimmichs Lauffreudigkeit gelten. Schulz brachte das Kunststück zustande mit seiner ersten Ballberührung an der Einleitung des 2:0 (Pass auf Poulsen) beteiligt zu sein. Sonst eher unauffällig in der schwachen Schlussphase. Im Einzelnen:
Kaiser: Sicherheitspässe (8/0), Kurzpässe (17/3), Langpässe (4/2), Kopfpässe (1/0) – Quote: 85,7%
Kimmich: Sicherheitspässe (6/0), Kurzpässe (22/9), Langpässe (0/2), Kopfpässe (2/4) – Quote: 66,7%
Schulz: Sicherheitspässe (0/0), Kurzpässe (3/2), Langpässe (0/0), Kopfpässe (0/0) – Quote: 60%

Zweikämpfe
Durch seinen Einsatz hatte Kimmich hier die Nase vorn. Auch wenn 53,6% sicher keine Fabelquote sind, bewegen sie sich im Saisonverlauf doch im Rahmen. Ganz anders Kaiser, zwar ging er eher mit dem Ball am Fuß in den Zweikampf, er war diesmal ungewohnt zweikampfschwach und erreichte lediglich 38,9%. Hauptsächlich lag dies an einigen verlorenen Offensivduellen und an seinen drei Fouls. So holte sich unser Mittelfeldfürst auch seine dritte Gelbe ab. Schulz fügte sich ein und erreichte solide 50% Zweikampfquote. Kimmich war in Sachen Zweikämpfe sehr umtriebig (28, Bestwert der beobachteten Spiele der ZM) und einer der wenigen auf dem Feld, die läuferisch- und vom Einsatz her eine gute Einstellung mitbrachten. Leider ging er einige Defensivduelle zu ungestüm an und verlor so leicht den ein- oder anderen Zweikampf, der überlegter geführt, zu seinen Gunsten ausgefallen wäre. Mit nicht ganz 50% Gesamtquote der ZM passt die Zweikampfstatistik aber ins Mittel (53,4%) der beobachteten Spiele. Im Einzelnen:
Kaiser: offensiv (2/5), defensiv (4/3), Kopf (0/0), gefoult/Fouls (1/3) – Quote: 38,9%
Kimmich: offensiv (1/3), defensiv (9/7), Kopf (1/0), gefoult/Fouls (4/3) – Quote: 53,6%
Schulz: offensiv (0/0), defensiv (2/1), Kopf (0/0), gefoult/Fouls (0/1) – Quote: 50%

Torschüsse
Kaiser war der einzige der drei beobachteten Spieler, der selbst aufs Tor schoss. Wobei zwei Versuche direkte Freistöße waren. Pech hatte er besonders in der 38. Spielminute, als sein schön getretener Freistoß aus dem Lattenkreuz heraussprang. In der zweiten Halbzeit hatte er nach einer Vorlage von Kimmich (seine einzige Torschussvorlage) nochmals eine Chance, verfehlte jedoch den Kasten von Wiegers. Insgesamt waren die Standards gegen Regensburg nicht ohne, neben Heidingers Tor hätte es durchaus noch häufiger klingeln können. Darauf kann man aufbauen.

Fazit
Kaiser hat sicher schon einige bessere Spiele im RB Dress abgeliefert. Am Ball war er zwar mit einigen Abstrichen gewohnt souverän, er kam jedoch nicht zu den ersehnten Spielanteilen. Dass Kaiser es besser kann, zeigte er zuletzt eindrucksvoll gegen Stuttgart und in Heidenheim. Insgesamt fehlte uns im Mittelfeld die Ruhe und Präsenz, um Regensburg am kombinieren zu hindern. Dies lag aber auch an der läuferisch eher schwachen Vorstellung der gesamten Mannschaft. Immerhin wurde trotz der ausbaufähigen Leistung unseres Mittelfeldmotors gewonnen, dies war zuvor nicht oft der Fall, wenn Kaiser schwächelte.

Für Schulz dürften trotz der soliden Leistung in den letzten Minuten (die aber auch die druckvollsten der Gäste waren) schwere Zeiten anbrechen. Kimmich zeigt derzeit, dass er ins Team gehört und hat nach seiner Verletzung erstaunlich schnell Anschluss gefunden. Auch wenn er gegen den Jahn ein paar Schwächen offenbarte (Zweikampfführung), so ließ sich leicht erkennen, dass sein Einsatz und sein Stellungsspiel zu den besten im Team zählen. EIn absoluter Gewinn für unsere Mannschaft.

Ansehnlich war es nicht am Samstag, dafür fuhren die Roten Bullen trotzdem einigermaßen souverän die drei Punkte ein. Die Stimmung Zornigers nach dem Spiel lässt hoffen, dass die nötigen Konsequenzen folgen werden, um bei den angezählten Chemnitzern wieder an die Leistungen anzuknüpfen, die uns Heidenheim besiegen ließen.

Rumpelstilzchen

Bild: JayneSabbath