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Problemzone Abwehr

Während für die aktuellen Probleme ein multidimensionaler Ansatz zu bevorzugen ist, so liegt der Teufel dennoch auch immer im Detail. Heute soll die derzeitige Innenverteidigung unter die Lupe genommen werden.

Wie bereits in einem anderen Artikel angedeutet, führten die Umstellungen in Bezug auf Spielsystem und Personal unter Beierlorzer zu einer Erhöhung der Anzahl gegnerischer Torschüsse. Gerade die letzten fünf Partien stehen quasi exemplarisch für diesen Trend, dessen Folgen bisher vor allem durch einen glänzend aufgelegten Coltorti kaschiert wurden.

In den letzten fünf Spielen musste der Schweizer fünf Mal hinter sich greifen, zwei Mal rettete der Pfosten und 23 Bälle parierte er selbst, insgesamt ergingen also 30 Torschüsse auf seinen Kasten. In den elf Spielen davor waren es 37 und in den zehn Ligaspielen mit Bellot im Tor 36 gegnerische Torschüsse. Neben der offensiveren Ausrichtung des Teams, bilden die durch Verletzungen und Sperren bedingten Umstellungen in der Abwehr die Hauptursache für diesen Trend. Darüber hinaus ist es Rodnei und Klostermann bisher nicht gelungen, an die Leistungen Comppers und Sebastians im Spielaufbau und in Bezug auf die Zweikampfwerte anzuknüpfen.

Sicher steht mit Klostermann ein schneller, polyvalenter, junger und entwicklungsfähiger Verteidiger zur Verfügung, der auch gern mit einem wohlwollenderen Auge betrachtet wird, das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Abgeklärtheit noch fehlt. Dazu musste mit Rodnei ein Verteidiger der alten Schule ins kalte Wasser geworfen werden, dem es an Qualität in der Spieleröffnung und der Fähigkeit das Spiel auch kurzzeitig zu beruhigen, fast gänzlich mangelt, auch wenn er möglicherweise die besten Grätschen des Teams anbringen kann. Umso mehr muss es dann doch erstaunen, dass Hoheneder so geflissentlich übergangen wird, gleichwohl er auch nach seiner Verletzung schon solide Einsätze zeigte und immerhin fit genug für die Bank ist.

Ein Blick auf die harten Daten, offenbart dann auch die IV bedingten Gründe, für die derzeitigen Defensivschwächen (auch wenn es mit den eher pressingunaffinen Neustürmern, taktischen Umstellungen und Sprachproblemen sicher noch andere Puzzleteile gibt). So spielt das Duo Rodnei/Klostermann im Vergleich zu Compper/Sebastian weniger als halb so viele Pässe pro Minute (0,33 vs. 0,73), die Zweikampfquote ist um über 10% eingebrochen (46,1% vs. 57,8%, wenngleich es Klostermann gelungen ist in Heidenheim die zweitbeste Zweikampfquote der Innenverteidigung unter Beierlorzer einzufahren) und für die Passquote gilt dies ebenso (77,8% vs. 86,8%). Dabei ist gerade der Anteil von erfolgreichen Pässen in die Tiefe deutlich zurückgegangen (5,9% vs. 11,4% ; absolut sogar 12 vs. 39). Dagegen ist der Anteil an Pässen ins Mittelfeld bzw. zum gegenüberliegenden Außenverteidiger gestiegen, zum Nebenaußenverteidiger und zum Nebenmann bzw. Tor leicht gesunken.

Sicher spiegelt sich hier auch das schnellere Vertikalspiel, gerade über einen oder wie zuletzt zwei Sechser als Umschaltstationen wieder bzw. der allgemeine Rückgang der langen Bälle in die Sturmspitze. Jedoch sollte gerade der gleichzeitige Einbruch der Passquote Anlass zur Sorge geben, denn insgesamt bedeutet dies verstärkt durch die sinkende Zweikampfquote deutlich mehr Ballverluste in Tornähe. Insofern kann hier die Frage aufgeworfen werden, ob RB Leipzig gerade in der derzeitigen Verfassung und Besetzung überhaupt schon reif für diesen veränderten Spielansatz ist. Die sinkende Anzahl eigener und die steigende Anzahl gegnerischer Torschüsse lassen eher daran zweifeln.

Aktuell fehlt es der Innenverteidigungsbesetzung an Abgeklärtheit und Eingespieltheit. Gut, dass Sebastian bereits wieder ins Training eingestiegen ist und Compper gegen Nürnberg wohl wieder ins Team stößt. Insgesamt wird es jedoch für das gesamte Team noch ein weiter weg sein, das präzise und schnelle flache Vertikalspiel zu verinnerlichen (auch gut zu sehen an teils haarsträubenden Pässen der Außenverteidigung), gerade deshalb wird jedoch eine besser stehende Innenverteidigung benötigt, um wie in den letzten Auswärtsspielen nicht gänzlich ins Chaos zu verfallen, dass selbst die bis dahin guten Compper und Sebastian damit durchaus Probleme haben, zeigte das Spiel in Braunschweig.

Rumpelstilzchen

Daten: bundesliga.de