IM FOKUS: JUDT UND KOCIN - DOMINANZ OHNE GLANZ

Leipzig - (08.04.2013) Da Müller immer noch angeschlagen war und daher gestern ein gutes Spiel bei der U23 machte, durften gegen Plauen Judt und Kocin erneut die Außenbahnen beackern. Trotz großen Spielanteilen blieb vieles Stückwerk, auch wenn Kocins langer Ball den Punktgewinn einläutete.


Die Taktische Maßgabe für die Außen(verteidiger) ließ sich sehr früh erkennen. Beide (Judt noch etwas mehr als Kocin) sollten bei eigenem Ballbesitz sehr hoch agieren, als Anspielstationen dienen und so auch den Defensivblock der Plauener auseinander ziehen. Dies gelang ihnen nur bedingt, zum einen weil die Vogtländer trotzdem sehr kompakt standen und sich nicht so leicht aus der Reserve locken ließen und zum anderen, weil beiden die Fähigkeit zur Grundlinie durchzubrechen fast vollständig abging. So waren beide zu einer Vielzahl von Halbfeldflanken und teilweise auch zu hohen Steilpässen gezwungen, deren Effektivität arg begrenzt war, da dafür in der Mitte oft die Abnehmer fehlten bzw. sie auch nicht übermäßig präzise geschlagen waren.
Ballberührungen
Wie unglaublich dominant wir eigentlich gegen Plauen auftraten zeigen die Ballberührungen der beiden Außenverteidiger. Kamen Judt und Müller im Spitzenspiel gegen den FCC gemeinsam auf 78 Berührungen, so waren es gestern 90 für Kocin und 93 für Judt – da glühte der Notizblock. Wobei nicht vergessen werden darf, dass darin ganze 32 Einwürfe enthalten waren, 14 von Kocin und 18 von Judt. Letztlich liegt in dem Zählbaren, was aus dieser Anzahl generiert wurde auch die Crux des Spiels.
Pässe
75 (Kocin) bzw. 83 (Judt) Pässe schlugen die Außen und kamen dabei auf eine Passquote von 70,6% bzw. 77,1%. Auf den ersten Blick sind dies recht gute Werte, wobei die hohe Anzahl an Einwürfen (meist als Sicherheitspässe geführt) natürlich die Bilanz schönt. Trotzdem versuchten es beide häufig mit langen Bällen in die Spitze bzw. mit Halbfeldflanken, die naturgemäß eine schlechtere Quote aufweisen. Diese Passart (Steilpässe, Flanken, Freistöße, Ecken, sowie ein langer Einwurf) machte beiderseits insgesamt 45 Pässe aus, von denen 18 ihr Ziel erreichten (40%). Hier war Kocin mit 11 weiten Bällen erfolgreicher, versuchte es jedoch auch häufiger. Wie oben bereits geschrieben, fehlte es trotzdem oft an Präzision bzw. kompetenten Abnehmern. Im Einzelnen:
Kocin: Sicherheitspässe (23/0), Kurzpässe (17/5), Langpässe (11/15), Kopfpässe (2/2).
Judt: Sicherheitspässe (23/0), Kurzpässe (27/6), Langpässe (7/12), Kopfpässe (7/1).
Zweikämpfe
Hier war Judt trotz seiner höheren Spielanlage führend. Während Kocin 16 Duelle führte (62,5%), waren es bei Judt 25 (64%). In der Rückwärtsbewegung schien er stimmiger, war aber auch nicht immer glücklich (siehe Plauener Führungstreffer). Beiden eigen war jedoch, dass sie kaum in Offensivzweikämpfe kamen bzw. meist (bei Kocin bildete der Durchbruch in der 17. Spielminute quasi die einzige Ausnahme) dort den Plauenern unterlagen. Defensiv kamen beide auf 66% Quote, also nur geringfügig besser als der Gesamtwert, was gemeinsam mit der hohen Verteidigung und den defensiven Abstimmungsproblemen (wenn es bei Plauen mal schnell ging) ein Grund für das schwache Spiel war. Im Einzelnen:
Kocin: defensiv (4/2), Kopf (3/1), offensiv (2/2), gefoult/Fouls (1/1).
Judt: defensiv (6/3), Kopf (4/2), offensiv (3/4), gefoult/Fouls (3/0).
Torschüsse
Hier war durch die tiefe Plauener defensive kaum etwas möglich und wie bereist zuletzt fiel auf, dass die Rasenballer sowieso nur noch selten zu Schüssen aus der zweiten Reihe greifen. Was ggf. überdacht werden sollte. Während Judt einmal aus dem Spiel neben das Tor schoss, versuchte es Kocin bei drei ruhenden Bällen, die jedoch allesamt keine Gefahr für Person darstellten.
Fazit Das Schaulaufen für die Position neben Müller in der Außenverteidigung endete unentschieden. Während Judt etwas mehr Spielanteile hatte und besonders defensiv aufmerksamer schien, so konnte sich Kocin mit dem weiten Ball vor dem Ausgleich in letzter Minute beweisen und hatte offensiv mit der Vorbereitung von Röttgers Torschuss, als er zwei Plauener aussteigen ließ (17. Min.), die schönste Offensivaktion der beiden. Sonst war jedoch viel Stückwerk. Während Judt mit dem Ruf des ehemaligen Bundesligaspielers zu kämpfen hat und daher immer etwas kritischer gesehen wird, lebt Kocin auch eher in der Vergangenheit der präzisen Seitenwechsel und der gefährlichen Freistöße (Kapfenberg), sollte jedoch noch den Verletzungsbonus haben, der es ihm erst jetzt erlaubt wirklich anzugreifen. Gute Doppelpässe, Hinterlaufen, Grundliniendurchbrüche, als dies fehlt derzeit in beider Spiel, zeichnet aber den modernen dynamischen AV aus, der für die gestrige Spielanlage eher gebraucht worden wäre. Trotzdem sollte Zorniger auf der Position des linken Außenverteidigers langsam seinen Wunschkandidaten finden, so könnte es nämlich auch durchaus sein, dass beide in die Röhre schauen und Franke (der sich gestern in Sachen Vertikalpässe deutlich verbessert zeigte, bezechnenderweise Kocin teilweise jedoch zu ignorieren schien) wieder auf diese Position rutscht und Sebastian dafür zurück in die Viererkette kommt. Es steht also noch einiges an Arbeit ins Haus.
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