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8. Spieltag 1. Bundesliga
Samstag, 19.10.2019, 15:30 Uhr
Ort: Red Bull Arena Leipzig
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IM SOLL MIT ABZÜGEN IN DER B-NOTE

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Leipzig - (15.10.2019) Mit zwei Punkten pro Spiel ist Leipzig nach zehn Pflichtspielen unter Neu-Coach Nagelsmann im Soll. Die Transformation hin zu mehr Ballbesitz ist im vollen Gange. Dabei gibt es aber auch den einen oder anderen Rückschlag. Unser Fazit zum Saisonstart.

Nach zehn Pflichtspielen ist es Zeit eine erste Bilanz zu ziehen. Nagelsmann kam mit einem großen Bund voller Vorschusslorbeeren und trat in die nicht gerade kleinen Fußstapfen Rangnicks. Der Altmeister hat sich indes in Richtung Red Bull verabschiedet und ist in tagesaktuellen Themen rund um RBL kaum mehr wahrzunehmen. Sein Amt als Sportdirektor hat nun Krösche inne und bisher hat der Ex-Paderborner die Aufgaben ruhig und kompetent über die Bühne gebracht.


Punktetechnisch im Soll

Mit 14 Punkten aus sieben Bundesligaspielen bewegt sich Nagelsmann derzeit auf der magischen zwei Punkte Marke. Eine Punktlandung, zumal RBL bereits die Bayern und den aktuellen Tabellenführer aus Gladbach hinter sich hat. Mit den gut gestarteten Wolfsburgern und Freiburgern sowie später mit dem BVB warten indes noch genügend schwere Aufgaben. Allesamt in englischen Wochen.

Den Blick auf die bisherigen Spiele trübt vor allem die letzte Woche vor der Länderspielpause, in der RBL erst von Schalke und dann von Lyon daheim bezwungen wurde und nach einem halben Dutzend vergebener Großchancen in Leverkusen nur einen Punkt mitnahm.


Auf allen drei Hochzeiten tanzend

Nach dem holprigen Pflichtspielauftakt im Pokal in Osnabrück, bei dem kämpferische Kerntugenden gefragt waren, konnte RBL mit dem Sieg in Lissabon gut in die Champions League Saison starten. Durch die vermeidbare Niederlage gegen Lyon verspielte man aber diese gute Ausgangslage und muss nun gegen Zenit punkten. Im dritten Anlauf soll es nun klappen die Gruppenphase zu überstehen. Zumal dieses Kunststück RBL international und auch finanziell einen großen Schritt weiterbringen würde.

Im Pokal kommt es Ende des Monats erneut zum ewigen RBL Pokalduell gegen die Wölfe. Diesmal allerdings in Wolfsburg. Die Auswärtstickets gehen aktuell weg wie warme Semmeln, RBL musste bereits nachordern, über 3.000 Leipziger werden unser Team in der Autostadt unterstützen.


Taktisch prasselt derzeit einiges auf die Spieler ein.


Der Schritt zur Ballbesitzmannschaft

Das Hauptziel Nagelsmann war und ist es dem rangnickschen Gegenpressing ein neues Element hinzuzufügen und den Kickern auch im Ballbesitz Möglichkeiten an die Hand zu geben, gegnerische Abwerreihen zu knacken. Dieser Umbau ist im vollen Gange, wie man auch an den Spieldaten ablesen kann. Zwar ist momentan der Ballbesitzanteil nicht höher als zum Ende der letzten Saison (49,5%), die Gegnerschaft war aber überproportional stark und hatte so einen höheren Ballbesitzanteil als es beim Schnitt aller 17 Bundesligagegner zu erwarten wäre.

Durch den Versuch sich eher spielerisch vor den gegnerischen Strafraum zu kombinieren, haben sich die Zonen, in denen RBL vornehmlich spielt verschoben. So agiert die Nagelsmann-Elf nun tiefer und hat mehr Spielanteile in der eigenen Hälfte. Das mag vornehmlich auch der Umsetzung der Regeländerung geschuldet sein, die es den Torhütern erlaubt nun mehr Spielaufbau zu betreiben. Allerdings beraubt dies RBL auch einer jahrelang erprobten Option, nämlich der des langen Balls auf Poulsen. Die niedrigere Zahl von langen und hohen Bällen schlägt sich auch in einer sinkenden Zahl von Kopfballduellen nieder. War RBL zuvor eines der kopfballstärksten Teams der Liga, gewinnen momentan alle bis auf den BVB und Bayer mehr Kopfbälle pro Spiel.

Am auffälligsten ist wohl die gestiegene Passquote (von 75,3% auf 80,5%), die die Änderungen Nagelsmanns wohl am besten widerspiegelt, aber zum Teil auch durch die tiefere Spielanlage begründet ist.


Was kommt am Ende rum?

In Sachen Abschlüsse hat sich nicht sehr viel getan. Grundsätzlich schießt RBL momentan etwas seltener aufs Tor, hat aber trotz des Chancenwuchers in letzter Zeit sogar noch weniger Tore erzielt, als zu erwarten wäre (dies war aber auch letzte Saison der Fall). Die Anteile der Schusszonen (5-Meterraum, 16er, außerhalb) sind fast identisch mit der letzten Saison. Was RBL in den letzten Spielen besonders gefehlt hat, war ein abgebrühter Goalgetter. Werner im Formtief, Cunha zu verspielt und Poulsen mit den Auswirkungen der Vaterschaft.

Auffällig zudem die etwas gestiegene Anzahl von Gegentoren, die laut understat auch noch etwas zu niedrig ausgefallen ist (wobei dies auch schon letzte Saison der Fall war, nach dem xG-Werten wären damals 39 statt 29 Gegentore zu erwarten gewesen). Auch aktuell wären statt 7 etwas mehr als 9 erwartbar. Mit zwei Gegentoren aus Kontern hat RBL nun schon die Hälfte der letztjährigen Kontergegentore gefangen und auch bei Standards ist man auf einem „guten“ Weg, da sind es momentan 2, letzte Saison waren es insgesamt 5. Hier ist RBL die defensive Stabilität und etwas auch das Matchglück der letzten Saison abhandengekommen. Nicht zuletzt bedingt durch die Umstellungen hin zur Dreierkette sowie den höheren Ballbesitzanteil und daraus resultierende Konter der Gegner.


Schaut wie das Gros der Kicker aus den letzten drei Transferperioden noch oft in die Röhre: Cunha.


Fazit

Mit einem Zweipunkteschnitt befindet sich RBL im Soll, zumal mit Tyler Adams, Kevin Kampl und Hannes Wolf drei wichtige Spieler fast komplett fehlten und auch die Neuzugänge noch Entwicklungspotenzial haben. Man hat über die Hälfte der Spitzengruppe bereits bespielt und tanzt noch auf allen Hochzeiten. Zudem hat Nagelsmann damit begonnen, seine Änderungen und Impulse dem Team mitzugeben. Was das Matchglück angelangt, so hatte RBL in einigen Spielen Glück (Bayern, Gladbach), in anderen Pech (Schalke, Leverkusen), so dass es sich momentan noch die Waage hält.

Richtungsweisend werden wie so oft die kommenden Wochen werden. Mit Wolfsburg hat man ein Team vor der Brust, dass bisher ungeschlagen ist, auch wenn das Gros der Gegnerschaft aus der unteren Tabellenhälfte stammte. Danach kommen die starken Freiburger, die sich nur Köln geschlagen geben mussten und dem BVB ein Unentschieden abtrotzten. Dazwischen kommt der Doppelheader gegen Zenit und obendrauf das Pokalspiel in Wolfsburg.

Wenn Leipzig so stark agiert wie gegen Leverkusen in Halbzeit 1 und dies mit dem Abschlussglück paart, welches Werner und Poulsen am Wochenende in der Nationalmannschaft an den Tag legten, stünde weiteren Erfolgen wohl nichts im Wege. Auf der anderen Seite kann es ganz schnell gehen, dass RBL sich einige Plätze weiter unten wiederfindet.

Rumpelstilzchen


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XXL-FAN-INTERVIEW MIT JULIAN NAGELSMANN – TEIL 3

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Leipzig - (10.10.2019) Der Beginn einer neuen Ära. Wir haben uns mit unserem neuen Chefcoach getroffen und Julian Nagelsmann vor der englischen Woche am Cottaweg mit Fragen gelöchert. Der letzte Teil der Serie dreht sich um Fragen rund um die Fanszene, Hatespeech, Stadion und Nachwuchs.

Vor der englischen Woche trafen sich unsere Redakteure Rumpelstilzchen und Justgroovy am Cottaweg zu einem Interview mit unserem Neutrainer Julian Nagelsmann. In drei Teilen wurden persönliche Fragen genauso gestellt wie Fragen zur Taktik, Spielsystem und den Neuzugängen. Auch Themen wie Fanszene, Stadion und Nachwuchs kamen zur Sprache. Im ersten Teil unserer dreiteiligen Reihe ging es privat zu, während der zweite Teil ganz taktischen Fragen gewidmet war, stand Nagelsmann uns im Finale Rede und Antwort was Fanszene, Stadion und Nachwuchs betrifft.


Du sprachst zu Beginn davon, was es alles braucht, um eine große Gruppe zu führen. Eine große Gruppe ist natürlich ein schönes Stichwort, wenn wir von der Leipziger Fanszene reden. Was sind denn deine Erwartungen an die RBL Fans?

Die plakativste Erwartung ist natürlich, dass ich mir wünsche, dass das Stadion ausverkauft ist. Es ist einfach schöner, wenn du in einem ausverkauften Stadion spielen kannst. Auf jeden Fall gefällt mir die familiäre Art im Stadion, insbesondere mit den vielen Kindern. Ich finde, dass wir als ganzer Verein ein sehr gutes und positives Bild abgeben und viel Zuspruch erfahren. Und dahingehend spielen unsere Fans natürlich auch eine große und wichtige Rolle.

Was ich mir auch wünsche, dass es weiterhin keine Aggressivität gegen andere Klubs gibt. Wir bekommen selbst hin und wieder noch von einigen wenigen Fans Aggressivität zu spüren bzw. müssen sie lesen. Aber ich finde es eigentlich sehr sympathisch, wenn man sowas von sich abprallen lässt und über den Dingen steht.

Da erwarte ich von unseren Fans nach wie vor, dass wir derartige Aggressivität nicht zeigen und wenn die Gegenseite „Bullenschweine“ ruft, wir nicht mit irgendwelchen Schimpfwörtern kontern, sondern stattdessen wie auch zuletzt gegen Schalke ebenfalls „Bullenschweine“ singen. Wir konzentrieren uns auf uns und die anderen sollen machen, was sie wollen, um ihre Mannschaft zu unterstützen.

Diese Aggressivität ist grundsätzlich einfach furchtbar in unserer Gesellschaft. Neben der Umweltthematik halte ich diese Entwicklung aktuell für am gefährlichsten. Gerade wenn wir jetzt schon im Sport damit anfangen uns verbal oder im Netz zu beleidigen.

Was man da teilweise erlebt, da gehst du an der Haupttribüne vorbei und ein Familienvater, vor sich die zwei Kinder, wirft dir erstmal ein paar „Nettigkeiten“ an den Kopf. Und da fragt man sich dann schon, in was für einer Welt leben wir eigentlich. Der Mann hat noch nie ein Wort mit mir gewechselt, der weiß nichts von mir, wie gehe ich mit Menschen um, wie gehe ich mit meinem Kind um, oder mit meiner Frau, aber er stellt sich hin und schreit Dinge, die ganz weit unter die Gürtellinie gehen. Und das ist, was ich von unseren Fans erwarte, dass solche Dinge weiterhin nicht vorkommen.

Das ist beispielsweise auch das Schöne am amerikanischen Sport, der Fußball ist natürlich nicht zu vergleichen mit Europa, aber wenn du da bist, da siehst du vor dem Spiel die Fans wie sie zusammen auf dem Parkplatz grillen. Ganz entspannt, die Fans von Chicago neben denen von Dallas, machen ein Barbecue, dann geht man rein und alle genießen das Event, genießen ihr Leben, ganz egal ob Basketball, Baseball, Football oder Eishockey, das wird in keinster Weise dazu verwendet seinen Aggressionen freien Lauf zu lassen.

Alle die solche Aggressionen in sich tragen, sollten lieber 20 Minuten durch den Wald joggen gehen, dann haben sie die auf konstruktive Art abgebaut, oder sollten sich mit Dingen beschäftigen die sie begeistern und nicht ins Stadion um Leute zu beleidigen.


Im Internet ist das ja teilweise noch schlimmer, liest du da eigentlich mit?

Ich bin in den sozialen Netzwerken ja nicht vertreten. Meine Schwester schickt mir da teilweise etwas, aber das musste ich ihr mittlerweile verbieten, weil es mich traurig gemacht hat.

Ich habe schon den Anspruch ein anständiger Mensch zu sein und ich glaube, dass ich mit meinen Mitmenschen auch anständig umgehe. Ich habe kein Problem damit, wenn mich jemand kennenlernt und sagt, mit dem komme ich nicht klar, das geht mir ja teilweise auch so. Aber das was man im Internet so zu lesen bekommt, das macht einen schon nachdenklich.

Ich glaube, dass ich ein Mensch bin, der freundlich mit seinen Mitmenschen umgeht und wenn man dann sieht, was auf einen einprasselt, weil man vielleicht in einer PK gesagt hat, dass man nicht auf Silvester steht. Die Leute urteilen dann über dich, aber wenn sie mal durchlesen würden, was sie über dich schreiben, dann würden einige vielleicht merken, wie sehr so etwas auf sie zurückfällt. Deswegen ist es besser, das gar nicht erst zu lesen.


Oder man liest nur vernünftige Artikel. Deswegen die Frage, hast du schon mal einen Artikel auf RB-Fans.de gelesen?

Das habe ich natürlich, keine Frage. Ich habe auf der Seite schon den einen oder anderen Artikel gelesen. Du kannst dich natürlich nicht komplett freimachen, etwas zu lesen, aber die Anonymität im Internet hat mehr Gefahren als Chancen und es wird einfach auch sehr viel Mist geschrieben.


Zur Fanszene noch eine Frage. Es gab die Idee nach dem Spiel zuerst in die Kabine zu gehen, das wurde bisher sehr zur Freude der Fans nicht so praktiziert. Gab es da ein Umdenken, oder wie kam das?

Wir entscheiden das relativ spontan. Ich halte nichts davon eine Sache vorzugeben und dann Leute zu enttäuschen. Ich stelle lieber diesen Vorschlag in den Raum und die Vorteile für uns als Team. Ich kann aber auch die Fanseite total verstehen, dass ihnen das dann zu lange dauert. Aber meine Kabinenansprachen sind meist auch nicht sehr lang.

Du hast einfach aufgrund von Übertragungs- und Interviewrechten teilweise nach dem Spiel sonst keinen Zugriff mehr auf die Mannschaft. Besonders wenn du alle drei Tage spielst. Gehen die Spieler ihre Runde dauert das 8-10 Minuten, danach kann es sein, dass ich schon zum Interview muss und wenn ich dann zurück bin, ist die Kabine leer. Am nächsten Tag haben die Spieler vielleicht frei und dann steht schon die nächste Spielvorbereitung an. Da hast du tatsächlich manchmal keinen Zugriff mehr, um die Dinge anzusprechen, die gut oder schlecht liefen, was dann verpasste Chancen für eine Weiterentwicklung des Teams sind.

Meinem Gefühl nach sind am Ende des Tages die Fans vielleicht noch glücklicher über gewonnene Spiele und eine positive Mannschaftsentwicklung als über ein Mal in die Kurve kommen und winken, aber wie gesagt, ich kann das nachvollziehen und wir versuchen dem auch möglichst immer gerecht zu werden. Nur für mich als Trainer und für die Mannschaft ist es am Ende noch wichtiger, die Spiele zu gewinnen. Wenn wir beides hinbekommen, ist es super, wenn es mal nicht so sein sollte, bitte ich die Fans um Verständnis, weil es natürlich nicht darum geht, dass wir nicht dankbar wären, dass sie da sind, denn das sind wir ganz gewiss, sondern um die Entwicklung und die Mannschaft.


Das kann ein goldener Mittelweg sein, zumal es innerhalb der Fanszene schon ein heikles Thema war. Zum Thema Stadion haben wir auch noch eine Frage. Was sagst du zur Schwimmbadoptik im Stadion – hast du schon einmal das Bedürfnis gehabt, in Badekappe zu kommen?

Es gibt sicher schönere Sitzplatzfarben, und auch welche, die noch besser zu unserem Klub passen würden. Doch man sollte auch nicht vergessen, dass die Red Bull Arena in erster Linie für die WM 2006 gebaut wurde – und zum damaligen Zeitpunkt gab es auch keinen Erstligisten. Und ob ein Austausch nun wirklich umweltverträglich oder finanziell angebracht wäre, muss man natürlich auch bedenken. Die Sitze sind ja aus Plastik und aktuell noch gut in Schuss. Ich habe mir das mal von Oliver Mintzlaff vorrechnen lassen, was ein Austausch kosten würde, da geht es um Millionensummen. Und umweltschonend wäre das auch nicht.


Es muss einfach überall ein RB-Fan draufsitzen dann geht es natürlich. Wie nimmst du die Stimmung im Stadion wahr. Es gibt ja deutlich engere Stadien, wir haben mit dem Wall und dem großen Abstand zum Feld auch Probleme echte Fannähe und eine Hexenkesselstimmung zu erzeugen.

Grundsätzlich ist es natürlich schöner für die Fans, wenn sie noch näher am Feld sind. Damit man die Reihen effektiv bis zum Spielfeld runterziehen kann, müsste vielleicht sogar der Platz tiefer gelegt werden. Sonst ist nach vier weiteren Reihen wohl Schluss.

Zur Stimmung, ich hatte ja jetzt noch nicht so viele Heimspiele, aber bisher fand ich die Stimmung immer gut. Es gibt natürlich Stadien in denen es noch lauter ist, aber das liegt meist auch an den baulichen Voraussetzungen. Bis jetzt war die Atmosphäre immer gut und auch besser als bei vielen anderen Klubs.


Eine kurze Frage zum Nachwuchs: Gibt es aktuell Spieler, die sofort, mittel- oder langfristig für die erste Mannschaft infrage kommen bzw. kommen könnten?

Tom Krauß ist da aktuell der interessanteste, der auch ab und zu bei uns mittrainiert und den ich mit am Weitesten sehe. Es gibt schon den ein oder anderen interessanten Spieler. Trotzdem müssen wir auch im Nachwuchs weitere Schritte gehen. Wir haben natürlich im Jugendbereich schon jahrelang die komplett identische Philosophie wie oben. Und trotzdem ist es so, dass du gerade im Nachwuchs schon viel auf die fußballerische Qualität achten musst. Denn das sind am Ende die, die auch oben rauskommen. Du musst hier in meinen Augen Spieler finden, die erstmal gut kicken können und dann die aussortieren, die die Mentalität nicht haben. Und nicht schauen wer die beste Mentalität hat und dann die aussortieren, die nicht kicken können. Das wäre der falsche Weg.

Ich habe zwar schon 6/7 Spiele von der U17 und von der U19 gesehen, aber ich bin da jetzt noch nicht so drin. Daher will ich mir noch nicht anmaßen, dass alles bewerten zu können, weil ich noch keine Trainingseinheit, noch kein Philosophievideo gesehen und noch kein einziges Gespräch mit den Trainern oder Nachwuchsleiter geführt habe. Ich habe aber eine Grundidee davon, wie eine Nachwuchsförderung auszusehen hat, um Profis zu entwickeln und nicht unbedingt nur erfolgreiche Mannschaften.

Es ist auch ein Trugschluss, wenn du glaubst, dass du gute Profis im Nachwuchs entwickelst und dann automatisch auch eine gute Mannschaft hast. Du brauchst neben den Topstars auch so ein paar „Diener“ in den Nachwuchsmannschaften, um erfolgreich zu sein. Du benötigst aber unbedingt diese Topstars im Jugendbereich. Denn nur die werden Profis. Als Erstligaprofi auf unserem Niveau zu spielen, ist zudem auch noch mal schwieriger. Deswegen ist der Schritt, bei uns Profi zu werden, noch mal ein ganz anderer. Daher brauchst du diese Topspieler im Nachwuchs.

In der E- und D-Jugend ist es bspw. wichtig, dass Spieler: Ball annehmen, Dribbeln, 1 gegen 1-Situationen lösen, unter Druck schnelle Entscheidungen treffen, einen Flugball spielen und Tore schießen können sowie eine gute Ballan- und Ballmitnahme besitzen. Da ist es egal, ob sie wissen, wie eine 4er-Kette funktioniert. Das interessiert keinen Menschen, aber du musst dann in der C-Jugend entscheiden, ob ein Spieler den Charakter, die Mentalität und die Motivation hat, auch den Ball zu jagen. Denn dafür musst du eigentlich nicht allzu viel können. Du musst einfach eine geile Mentalität und Herz haben. Das Entscheidende für mich ist: Sie müssen erstmal kicken können und wenn sie dann noch Mentalität haben, sind sie Spieler für uns. Wenn sie nur kicken können und keine Mentalität zum Jagen haben, wird es eher schwierig bei uns. Dass sollte die Reihenfolge sein.

Aktuell ist es schon noch so, dass ich viele Spieler im Nachwuchs mit super Mentalität sehe, aber die am Ball schon mal Probleme haben. Um Profis zu entwickeln, müssen sie erst einmal besseren Fußball spielen können als andere. Die Mentalität kommt dann oben drauf und nicht andersrum.


Und wie ist das mit der U23? Würdest du sie immer noch als wichtigen Schritt sehen, den man als Nachwuchsspieler gehen kann oder ist es in dem Altersbereich eigentlich schon zu spät heutzutage?

Ich habe mit Hoffenheim eine klare Philosophie gehabt, was das angeht: Zwei Jahre U23 und dann verkaufen oder der Spieler schafft den Schritt. Es macht keinen Sinn einen Spieler über mehrere Jahre dort zu haben. Trotzdem ist die Grundidee, ob eine U23 sinnvoll ist oder nicht, immer auch von der Beantwortung der Frage abhängig; Was bist du für ein Klub? Und wenn du mit vielen jungen Spielern arbeitest, kann eine U23 manchmal bei einem gewissen Niveau sinnvoll sein. Die Regionalligen haben eigentlich kein richtiges Niveau dafür. Die 3. Liga hat fußballerisch auch nicht immer das Niveau, dass man sagen könnte, hier könnte sich bspw. ein Candido fußballerisch entwickeln. Aber er entwickelt natürlich eine gewisse Wettkampfhärte. In der 3. Liga zu spielen, ist immer unangenehm und hart. Und dieser Zwischenschritt kann manchmal hilfreich und ggf. gut für manche Spieler sein. Es bringt aber nichts, wenn er dort bis 22 spielt. Manchmal wünscht man sich eine. Aber es gibt eben auch Klubs, die das nicht brauchen und wo es auch nicht sinnvoll ist.


Und zu guter Letzt: Gibt es Fragen von denen du besonders genervt bist?

Grundsätzlich nerven mich Fragen, die zu persönlich auf einzelne Spieler gehen. Denn jemanden persönlich zu arg zu kritisieren oder andererseits zu sehr hervorzuheben ist im Teamsport nicht sinnvoll.


Vielen Dank Julian für dieses ausführliche Interview und viel Erfolg für die kommenden Aufgaben!

Link: Erster Teil
Link: Zweiter Teil

Das Interview führten Justgroovy und Rumpelstilzchen.


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XXL-FAN-INTERVIEW MIT JULIAN NAGELSMANN – TEIL 2

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Leipzig - (08.10.2019) Der Beginn einer neuen Ära. Wir haben uns mit unserem neuen Chefcoach getroffen und Julian Nagelsmann vor der englischen Woche am Cottaweg mit Fragen gelöchert. Im zweiten Teil der dreiteiligen Interviewreihe gibt es taktischen Tiefgang und Fragen zu den Neuzugängen.

Vor der englischen Woche trafen sich unsere Redakteure Rumpelstilzchen und Justgroovy am Cottaweg zu einem Interview mit unserem Neutrainer Julian Nagelsmann. In drei Teilen wurden persönliche Fragen genauso gestellt wie Fragen zur Taktik, Spielsystem und den Neuzugängen. Auch Themen wie Fanszene, Stadion und Nachwuchs kamen zur Sprache. Im ersten Teil unserer dreiteiligen Reihe ging es privat zu, im zweiten Teil stellten wir Fragen zu den Neuzugängen, zur Taktik und dem Spielsystem.


Natürlich haben wir noch einige Taktikfragen. Wir fanden dein erstes Spiel gegen Bremen mit Hoffenheim interessant. Da hast du im 3-5-2 spielen lassen und auf der Außenverteidigerposition agierten zwei Stürmer (Volland und Ochs). Das war eine sehr unkonventionelle Herangehensweise. Würdest du das im Nachgang nochmal genauso machen? Das wäre Frage Eins und die Anschlussfrage wäre: Liebst du dieses unkonventionelle, dieses unberechenbare, das du nicht so leicht auszurechnen bist?

Natürlich, aber das hat sich auch etwas gewandelt. Viele Trainer sind mittlerweile deutlich variabler in ihren Ansätzen. Warum ich das mache: Ich habe keine Angst vor den Konsequenzen. Ich habe mal gesagt, wenn einmal der Punkt kommt, an dem ich meinen Denkansatz im Fußball total verstellen muss, um andere zufrieden zu stellen, dann mache ich den Job lieber nicht mehr. Dann hätte ich auch nicht mehr diese Jobzufriedenheit, über die wir bereits gesprochen haben.

Ich versuche natürlich immer erfolgreich zu sein, das ist ein Mittel zum Zweck und nicht der Zweck an sich. Aber ich fürchte mich auch nicht vor etwaigen negativen Konsequenzen, ich versuche da mutig zu sein und frei Entscheidungen zu treffen. Wenn es dann mal nicht passt, habe ich auch keine Angst das zuzugeben, genauso wie ich kein Problem damit habe, über daraus resultierende Erfolge zu sprechen. Wenn irgendwann der Punkt kommt, dass ich Angst vor einer Umstellung habe, weil die Medien mich dann stark kritisieren würden, dann passt der Job einfach nicht mehr für mich.

Die Entscheidung damals in Bremen würde ich wieder so treffen, weil der Hauptpunkt war, dass wir bis dahin kaum Tore geschossen hatten und dringen auf Treffer angewiesen waren, um die Klasse zu halten. Wir mussten daher sofort anfangen dreifach zu punkten, und das ging nur über Tore. In der Anfangsphase nach meinem Amtsantritt hat das auch sehr gut funktioniert und Volland und Ochs haben das auch sehr gut gemacht. Über ein Jahr würde ich das nicht jedes Spiel machen, aber für das Spiel damals hat das ganz gut funktioniert.


Das würden wir gern noch ein wenig konkretisieren. Dass in deiner Zeit für Hoffenheim typische 3-3-2-2 bzw. teilweise auch 4-3-3 wurde nicht in der klassischen Interpretation mit Flügelstürmern gespielt, sondern eher fokussiert auf das Zentrum mit Mittelstürmern. Kurz vor der Saison wurde Bruma, der eher ein typischer Flügelstürmer ist, verkauft. Ist es so, dass du es lieber hast, dass deine Außenverteidiger über die Flügel kommen und in der Mitte eher körperlich robustere, athletischere, aber dennoch technisch versierte, agile, dribbel- und spielstarke Mittelstürmer flexibel zum Einsatz kommen?

Punkt 1: das Tor steht in der Mitte. Und Punkt 2: wenn du die Flügelpositionen mit Spielern besetzt, hast du einfach im Zentrum weniger. Aber Umschaltmomente des Gegners lassen sich besser wegverteidigen, wenn du im Zentrum viele positionierst. Und wenn der Gegner mal über die Flügel spielen muss, um umschalten zu können, gewinnst du immer Zeit und kannst einfach im Gegenpressing wieder mehr Spieler hinter den Ball bekommen. Auch dann, wenn das Gegenpressing mal nicht funktioniert. Zudem ist es auch so, dass viele Teams gegen uns sehr tief verteidigen. Und wenn du viel Personal im Zentrum hast, bekommst du den Gegner in der Mitte auch immer sehr eng und hast dadurch dann einfach auch beide Flügel zur Verfügung, über die du finale Aktionen fertigspielen kannst.

Ich hatte bspw. in Hoffenheim extrem viele Angriffe über die Flügel. Jetzt haben wir sehr viele über die Halbspur bzw. so Flügel angedeutet. Wenn du jetzt aber, wie es viele machen, den Gegner immer nur auf eine Seite bringst, ist er im Zentrum trotzdem immer noch sehr verdichtet. Dann hast du natürlich auch nur noch den anderen Flügel, um anzugreifen. Hältst du den Gegner dagegen lange in der Mitte, hast du immer beide Flügel offen, über die du angreifen kannst. Auch bei Durchbrüchen bist du in der Lage mit viel mehr Spielern vors Tor zu kommen, wenn du den Flügel nicht doppelt und dreifach besetzt.

Natürlich ist es auch mal gut, den Flügel doppelt oder dreifach zu besetzen, um bspw. Gegner auseinanderzuziehen, aber ich bin schon ein Trainer, der gern durchs Zentrum spielt und gern versucht, auch das Zentrum zu suchen, wann immer es geht. Deswegen brauch ich da auch genügend Personal. Es gibt also zusammengefasst verschiedene Gründe wie: Gegenpressing und Torgefahr.


Was machen wir mit Ademola Lookman, der auch eher ein Spieler ist, der gern über die Flügelpositionen kommt?

Er muss sich weiterentwickeln und hat leider noch keinen Rhythmus, weil er sehr wenig bei Everton gespielt hat. Zudem hat er den „Nachteil“, dass wir als Gesamtkonstrukt noch nicht 100 prozentig funktionieren. Mit mir kam ein neuer Trainer mit neuen Inhalten. Selbst die arrivierten Spieler hatten erst einmal damit zu kämpfen. Was auch völlig normal ist. Aber sie sind einfach mehr gewöhnt an das, was RB-typisch ist. Sie haben sich lediglich damit zu beschäftigen, was ich jetzt „neu“ mit reinbringe. Dagegen hat ein Mola, der zwar schon mal hier war, aber jetzt auch nicht extrem lang, mit allem zu kämpfen: mit der Idee, mit seinem eigenen Spielrhythmus und zusätzlich noch mit meinem neuen Input.

Wenn das Gesamtkonstrukt aber steht und die etablierten Spieler mit dem was ich will extrem vertraut sind, werden auch die hinzugestoßenen Spieler mehr Spielzeit bekommen. Bevor es aber nicht super stabil ist, werden diese Spieler einfach immer weniger Spielzeit haben, als die, die schon länger da sind. Das ist ganz normal.


Wenn er nach hinten besser verteidigt, wäre es nicht auch vorstellbar, ihn in einem 3-5-2 als Außenverteidiger zu bringen?

Das ist der große Punkt und war auch eine Idee, warum wir ihn geholt haben. Weil er diese Halstenberg-Klostermann-Position auch mal spielen kann. Aber er ist defensiv-taktisch einfach noch nicht weit genug. Und es gibt eben Phasen, wenn du mit Dreierkette spielst, in denen viele Gegner auch mal Umschaltmomente haben. Dann hast du es als Außenstürmer, der – und das kommt noch oben drauf – auch nicht in der Akademie ausgebildet worden ist, insbesondere bei ballfernen Verteidigungsaktionen, um die Kette zu schließen, nicht ganz so einfach. Gegen sehr tiefe Gegner, wie bspw. gegen Bremen, hätte es dafür super gepasst, grundsätzlich mit ihm auf dem Flügel zu spielen, weil sie sehr tief verteidigt haben.


Er wäre also in Bremen ohne die gelb-rote Karte von Konrad Laimer gekommen?

Ja, er wäre ein Kandidat gewesen.


Wie ist das mit Luan Candido? Ist er auch so ein Außenverteidiger-Kandidat? Er ist bisher auch noch nicht so richtig angekommen. Wird er mehr in der U19 zum Einsatz kommen?

Er ist erst 18 Jahre und hat in einer Liga gespielt, die vom Gesamtniveau und Tempo, sicherlich nicht mit unserer zu vergleichen ist. Er braucht auch noch Zeit. Er ist taktisch noch nicht so weit ausgebildet, dass er bei uns direkt spielen kann. Noch dazu hat er einfach gute Konkurrenz. Ein Chelo Saracchi bspw. hat auch nicht so viel gespielt, trotzdem ist er deutlich weiter. Zudem war er jetzt auch verletzt. Das Ganze ist relativ normal, er braucht einfach seinen Spielrhythmus und noch Zeit sich zu entwickeln.

Insbesondere das Tempo ist für ihn in der Vorbereitung körperlich noch zu hoch gewesen. Da hat er auf diesem Niveau und in dieser Geschwindigkeit noch deutlich zu viele Fehler gemacht. Aber er ist auch eine Investition in die Zukunft. Im seltensten Fall kannst du einen 18-jährigen Außenverteidiger aus Brasilien holen, der sofort alle Spiele macht. Grundsätzlich ist er momentan noch nicht soweit, um bei uns Spiele zu machen.


Und was ist mit Ethan Ampadu? Er ist ja auch aktuell noch bisschen hintenan. Es gibt ja auch extrem starke Konkurrenz auf der Innenverteidigerposition. Gibt es da noch andere Positionen auf denen er spielen könnte?

Er ist mehr eingeplant auf der Sechser-Position bzw. so als Bindeglied zwischen beiden. Aber es ist einfach so, dass gerade Diego Demme und Konrad Laimer in einer sehr guten Verfassung sind. Wenn du dich relativ früh in der Transferphase mit einem Spieler einigst, dann ist das auch so ein Kauf, wo du sagst, was passiert noch auf dem Transfermarkt. Nach der letzten Saison hätte es auch sein können, irgendein Verein kommt für Diego, und er will unbedingt weg, weil er wenig gespielt hat. Aber er wollte dann nicht weg, worüber wir auch sehr froh waren, weil er es sehr sehr gut macht. Ethan hat natürlich einfach auch auf diesen Positionen, sowohl hinten als auch auf der Sechs, große Konkurrenz.

Er ist jung, trainierte die letzten 3 Wochen gut und macht es auch in Summe gut. Man merkt einfach, er will seine Spielzeit bekommen. Aber es ist eine ähnliche Thematik, wie bei Mola auch. Das Gesamtkonstrukt muss einfach stabiler werden, um diesen Spielern mehr Spielzeit zu geben. Die ersten 13 Spieler, die jetzt auch die meiste Spielzeit haben, haben es aber auch einfach sehr stabil und gut gemacht. Da ist es als junger Spieler im Moment auch nicht ganz so einfach hineinzurutschen.


Warum hat denn die Dreierkette gegen Bayern in der ersten Halbzeit nicht richtig funktioniert?

Der Hauptgrund war, dass Bayern einfach anders als wir davor mit zwei Sechsern statt mit einer Sechs gespielt haben. Und wir dann von beiden Seiten mit den Achtern gepresst haben, was auch grundsätzlich geplant war. Nur dafür hätten unsere Halbverteidiger, Willi und Nordi, wirklich mutiger nach vorne verteidigen müssen. Dass haben sie aber nicht gemacht. Daher standen wir hinten immer zu fünft auf einer Linie. Und weil sie sehr tief geblieben sind und oft versucht haben, die Flügel zu doppeln gegen die schnellen 1 gegen 1-Spieler, haben wir den Raum neben unserer Sechs einfach nicht verteidigt bekommen. Dadurch hatten wir dann auch wenig Druck auf die beiden Flügelpositionen in der Spieleröffnung auf ihre flachen Außenverteidiger. Sie haben dann einfach immer in ihren eigenen Sechserraum gespielt, in dem wir dann meistens nur einen Spieler hatten. Zudem haben wir die Halbräume einfach zu wenig nach vorne verteidigt, weil Bayern dann sehr flach mit dem Viererblock im Mittelfeld gespielt hat. Deswegen hat es nicht besonders gut funktioniert.


War es vielleicht auch deswegen geschuldet, weil du bisher noch zu wenig Zeit hattest, die Mechanismen, die du dir vorstellst, richtig einzuüben?

Natürlich ist auch die Zeit ein Grund. Noch dazu, wenn man es gegen Bayern macht. Zudem ist immer auch ein wenig Respekt da und die Frage: wie mutig lass ich Coman und Gnabry letztendlich im 1 gegen 1 stehen? Wenn du es so verteidigen möchtest wie wir, gibt es dann eben einfach auch Räume. Da musst du auch mal den Mut haben, die Außenverteidiger Klostermann und Halstenberg im 1 gegen 1 stehen zu lassen. Leider sind beide Außenverteidiger nicht überragend ins Spiel gekommen. Klosti mit dem Fehler am Anfang [der zum 1:0 führte] und auch Halste hatte die ersten 10-12 Minuten keine überragende Zweikampfquote. Dadurch hatten beide auch etwas Respekt, mehr nach vorn durchzuverteidigen. Es hätte schon gut funktioniert, und wir hätten es besser hinbekommen können, als wir es letztendlich gemacht haben. Aber es ging in dem Spiel nicht, weil einfach auch der Respekt vor den beiden Außenstürmern doch zu groß war.


Umso erstaunlicher war die Verbesserung in der zweiten Halbzeit. Aber ich persönlich fand auch die erste Halbzeit nicht so schlimm, wie sie teilweise als Klassenunterschied dargestellt wurde. M.E. hat das frühe Gegentor einen großen psychologischen Einfluss auf die Mannschaft gehabt, der vieles in falsche Bahnen lenkte.

Die psychologische Komponente war sicherlich auch ein Grund und natürlich hatten sie auch 70 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit. Aber sie hatten eben auch nur zwei große Chancen. Es war also nicht so, dass sie sich in der ersten Halbzeit extreme Chancen herausgespielt hätten. Sie hatten eben in ihrem Eröffnungsdrittel brutal viel Ballbesitz und extrem viele Eröffnungen. Dennoch sind sie selten hinter unsere letzte Linie gekommen. Was es aber aus RB-Sicht zu einem schlechten Spiel in der ersten Halbzeit hat werden lassen, waren unsere wenigen Balleroberungen, die wenigen Chancen auf Balleroberungen und das viele Hinterhertraben. Wir waren eher damit beschäftigt zu verschieben und Räume zu schließen als mit Balljagen. Das ist eben gefühlt so, dass du dann gar nicht ins Spiel kommst. Aber es war eben auch nicht so, dass sie sich tausende von Chancen erspielt haben. Von den Chancen her, war es am Ende des Spieles schon sehr ausgeglichen, auch was die Qualitäten der Chancen betrifft. Wir hatten in der zweiten Halbzeit vier super Chancen und Bayern über das Spiel auch vier sehr gute.


Apropos Chancen bzw. Qualitäten der Chancen. Wenn man sich nur die Qualität der Chancen, sprich, die zu erwartenden Tore (expected Goals) anhand der Abschlusspositionen auf dem Feld anschaut und die möglichen Punkte (expected Points), die du mit Hoffenheim in der letzten Saison hättest erzielen können, hättest du mindestens vierter statt neunter werden können. Wie erklärst du dir die Differenz zur Realität? Gerade die Abschlusspositionen hätten zu deutlich mehr Tore führen müssen. War das fehlendes Glück oder fehlende Qualität?

Ich bin kein großer Freund davon, ausschließlich von Glück zu sprechen. Sicherlich gibt es auch Situationen im Spiel, wo du auch mal ein bisschen mehr Glück hast. Bspw. hatten wir letzte Saison in Hoffenheim kein abgefälschtes Tor geschossen, haben aber selbst 9 bekommen. Zudem hatten wir 21 Pfosten- und Lattentreffer und waren damit erster in der Bundesliga. Es ist also schon ein wenig Glück dabei, aber am Ende des Tages natürlich auch Qualität.

In der letztjährigen Champion League Saison hätten wir mit Hoffenheim nach 12 Minuten mit 4:0 in Donezk führen müssen. Da hatten wir vier 1 gegen 1-Situationen auf den Torwart, die wir alle nicht gemacht haben. Es ist also schon eine Qualitätssache, sich a) die Chancen raus zu spielen, was wir letztes Jahr auch sehr gut gemacht haben, und b) sie auch zu verwerten. Mit RB Leipzig haben wir jetzt normal viele Chancen und dann natürlich einen Timo Werner, der sie eben rein macht. Chancen, die wir letztjährig nicht immer rein gemacht haben. Obwohl bspw. ein Kramarić natürlich trotzdem eine immer noch gute Quote hatte, hätte er am Ende dennoch 10-12 Tore mehr haben können.

Oder auch ein Leo Bittencourt. In den ersten 5 Spielen, die er gespielt hat, hätte er 7-8 Tore schießen können, hat aber keins gemacht. Es ist dann eben auch schon irgendwo Qualität, dass alles auch zu Ende spielen zu können. Deswegen bist du letztendlich aber auch Hoffenheim und nicht Bayern München, mit einem Lewandowski, der auch seine Chancen hat, und sie eben reinmacht. Daher sind wir am Ende neunter geworden und die Bayern eben Meister.


RB Leipzig war in letzter Saison, das abwehrstärkste Team der Liga. Du hattest am Anfang der Saison das Ziel formuliert: die bestehenden Stärken, wie bspw. die vorhandene Kompaktheit, Geschwindigkeit und Stabilität in der Defensive zu nutzen bzw. beizubehalten und die Offensive mit stärkeren spielerischen Elementen (auch Ballbesitzphasen) von hoher Qualität anzureichern. Kurz gesagt: Du wolltest die defensive Stabilität konservieren und in der Offensive qualitativ hochwertiger und spielerisch flexibler werden. Im Moment gelingt der Mannschaft beides. Sie ist offensiv nicht nur effektiv, sondern insbesondere im Moment auch brutal effizient in der Chancenverwertung (13 Tore aus 12,2 zu erwartenden Toren) und defensiv bekommt sie nur 3 Gegentore aus 5 zu erwartenden. Wie geht’s weiter?

Ich hoffe genauso. Aber wir haben uns gerade heute auch wieder viele Spielszenen angeschaut. Wir können es defensiv teilweise schon noch ein bisschen besser. Wir sind manchmal nicht aggressiv genug und verteidigen gerade in der letzten Linie sehr viel. Es geht aber trotzdem auch darum, dass wir immer noch das Bewusstsein haben, es auch weiter vorne ein bisschen besser regeln zu können. Gerade unsere Kette, das hat man auch gegen Bremen in Unterzahl gesehen, was die in der letzten Linie noch wegverteidigen, ist einfach außergewöhnlich talentiert und gut. Darauf solltest du dich aber nicht immer verlassen, sondern auch wieder mehr die Chance einer Balleroberung sehen.

Diese Mischung zwischen Offensive und Defensive ist entscheidend, um erfolgreich zu sein. Die Defensive wird am Ende Meisterschaften gewinnen können und sehr erfolgreich sein. Aber wenn du nur zu Null spielst und nie ein Tor schießt, wirst du auch kein Meister. Dann holst du am Ende 34 Punkte und bist eher auf einem Relegationsplatz unterwegs. Eine Mischung aus beiden ist sehr wichtig.

Trotzdem ist die Defensive immer noch der bedeutendere Punkt, um erfolgreich zu sein. Wenn du 70 Gegentore bekommst, wirst du eben auch kein Meister. Da kannst du auch 80 schießen und es wird trotzdem eng. Wir sind defensiv sehr stabil und paaren es mit einer guten Offensive. Die Saison ist aber eben bisher nur fünf Spieltage alt. Es wird entscheidend sein, dass auch über 34 hinzukriegen.


Wo siehst du noch die größten Potentiale in sportlicher und taktischer Hinsicht im Kader?

Insbesondere in Ballbesitzphasen. Gerade in Druckphasen des Gegners haben wir noch die größten Schritte zu gehen. Wir müssen den Ballbesitz verstehen als Vorbereitung von Gegenpressing und als Spielbeschleuniger und nicht nur, um sich zu erholen und am Ball zu bleiben. Wir haben teilweise immer noch zu viel Personal, das wir in uninteressanten Räumen verschenken, weil wir teilweise noch zu früh in uninteressante Positionen kippen. Obwohl wir mittlerweile schon deutlich mehr am Ball bleiben, als es noch vor 6 Wochen war, können wir aber auch noch mehr aus der eigenen Situation des Ballbesitzes herausholen.

Bspw. war es letztes Jahr häufig so, dass ein Kevin Kampl und Diego Demme in Ballbesitz auf den linken Flügel rausgekippt sind. Ich bin kein Freund davon, weil du immer sehr schlechte Zahlenverhältnisse schaffst. Und dann ist es eben so, dass du irgendwann aus diesen schlechten Zahlenverhältnissen einen langen Ball schlagen musst und dann auf einen zweiten Ball auch nicht immer super gestaffelt bist. Aufgrund einer unfassbar guten Leidenschaft haben sie das aber dennoch immer defensiv gut hinbekommen. Trotzdem bin ich, wie gesagt, in der Offensive kein Freund davon, dir selber immer die letzte Lösung des langen Balls aufzudrücken, weil du dir zu früh und zu viele Spieler in die Spieleröffnung holst. Es muss immer ein interessantes Zahlenverhältnis bleiben.

Generell ist es so: je tiefer der Gegner desto mehr haben Spieler den Drang rauszukippen [im Sinne von sich in einen anderen Mannschaftsteil nach hinten fallenzulassen oder auszuweichen], weil sie das Gefühl haben, keinen Ball zu bekommen und so die Geduld und die Positionstreue verlieren. Je mehr Spieler vor einen tiefen Abwehrblock, wie z.B. in Bremen, abkippen, wird die Wahrscheinlichkeit auf Tore immer geringerer. Die Geduld und Positionstreue auch über einen längeren Zeitraum zu haben, zu warten und auf die Ballbesitzidee des Trainers zu vertrauen, dauert auch ein bisschen. Du musst dem Gegner, wenn du selber den Ball hast, auch immer die Chance geben, auf dich selbst zu reagieren. Wenn du die erste Aktion spielst und sofort in eine Position, die nicht Vorgabe war, abkippst, dann weißt du auch gar nicht, ob der Gegner so reagiert hätte, wie wir uns vorbereitet haben. Du musst eben auch mal ein bisschen warten und dem Gegner die Zeit geben, zu schauen, was macht RB Leipzig. Dann reagieren wir drauf, wie wir es auch vorhersehen wollen und dann können wir unser Ding auch durchspielen.

Diese Geduld haben wir auch gegen Bremen nicht immer gehabt. Wir sind oft noch zu früh auf die Flügel ausgewichen und jeder wollte irgendwie den Ball haben. Da musste Bremen gar nicht drauf reagieren, sondern einfach nur in ihrem 10-Mann-Abwehrblock stehen bleiben. Daher taten wir uns, wenn wir die Standards nicht gehabt hätten, extrem schwer eine Chance herauszuspielen. Hier müssen wir einfach noch ein bisschen geduldiger sein. Was jetzt nicht heißt, langsam zu spielen, sondern trotzdem schnell, aber einfach positionstreuer und nicht so viel und unnötig mit Ball auf dem Feld rumlaufen.


Gibt es denn national oder international andere Trainer oder Teams, die dich aktuell begeistern und du aus taktischen Gründen besonders gern verfolgst?

Dass finde ich immer schwierig, weil Trainer in ihren Klubs immer ganz andere Voraussetzungen haben - egal, ob jetzt eine bessere oder schlechtere Mannschaft. Natürlich ist es außergewöhnlich, was Manchester City und Liverpool in England machen. Aber du kannst jetzt beide nicht mit uns vergleichen. Wir haben keinen Innenverteidiger für 80 Millionen geholt. Dass der Van Dyk, der aktuell wohl beste Innenverteidiger der Welt ist, dass ist wahrscheinlich so. Aber das muss er ja auch sein. Er hat 80 Mio. gekostet. Dass wird Jürgen [Klopp] genauso so sehen. Er wird jetzt nicht jeden Abend sagen: Danke, dass du der beste bist. Sondern eher: Es ist gut, dass du der beste bist, weil ich habe 80 Mio. für dich gezahlt. Ein Vergleich ist daher immer schwierig.

Natürlich kann man sich auch etwas abschauen. Aber es ist trotzdem noch etwas anderes mit Firmino, Mané und Salah vorne zu spielen, als mit Poulsen und Werner. Dass ist auch gar nicht wertend gemeint, im Sinne von besser oder schlechter. Es ist einfach anders. Deswegen ist es immer schwer, sich viel abzuschauen. Natürlich schau ich mir gerne Spiele von Liverpool, City oder Barcelona an, aber eben als Fußballfan und nicht, um mit einem Block dazusitzen und zu sagen: Ja, jetzt mache ich das genauso. Ein Timo Werner oder Yussi sind einfach andere Spieler.


Im letzten Teil erfahrt ihr, was Nagelsmann zum Nachwuchs, der Fanszene und der Red Bull Arena zu sagen hat. Am Donnerstag geht es weiter, stay tuned...

Link: Erster Teil

Das Interview führten Justgroovy und Rumpelstilzchen.


Permalink:
https://www.rb-fans.de/artikel/20191008-special-nagelsmann-interview-2.html

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U19 IN DER KRISE?

Titelbild

Leipzig - (07.10.2019) Die Leipziger Nachwuchskicker unterlagen erneut zwei großen Gegnern. In der Youth League sowie im DFB-Pokal mussten sie schmerzliche Niederlagen kassieren. Damit haben sie seit fünf Spielen keinen Erfolg gesehen!

UEFA Youth League

Noah Jean Holm trifft zum Ausgleich

Am 02. Oktober bestritten unsere A-Junioren ihre zweite Partie in der Youth League. Zu Hause wurden sie von Olympique Lyon herausgefordert. Doch ein Sieg blieb für die Leipziger aus.

Wie auch im Spiel gegen Union Berlin kamen unsere Nachwuchsbullen gut ins Spiel. Innerhalb der ersten 20 Minuten bekam das polnische RB-Nachwuchstalent aus der U17, Kacper Smorgol, zwei Freistöße. Leider konnte er diese nicht in eine frühe Führung der Leipziger verwandeln. Auch Tom Krauß verfehlte mit einem Nachschuss knapp das Tor. Doch es war noch der Anfang der internationalen Partie, womit noch alles offen stand.

Die erste Spielhälfte war ein hitziges Match mit vielen Zweikämpfen, Fouls aber auch mehreren Abseitsstellungen auf beiden Seiten. Eine gute halbe Stunde nach Anpfiff belohnten sich die Franzosen mit dem ersten Tor des Spiels: Durch einen Fehlpass von Malik Talabidi erspielte sich Olympique ein klasse Passspiel. Die Leipziger Jungs hätten es verhindern können, trauten sich aber anscheinend nicht so sehr an die Kugel. Kein Wunder also, dass sie dann auf der Anzeigetafel das 0:1 zu sehen bekamen.

Zwei Minuten vor der Pause zeigten unsere jungen Bullen dann aber doch, dass sie auch etwas wollen und vor allem können. Dennis Borkowski lieferte sich in der 43. Minute einen Zweikampf mit dem französischen Abwehrspieler Sinaly Diomande in der Gästehälfte. Dabei konnte er den Ball erfolgreich seinem Gegenspieler abnehmen und auf den einen Meter entfernten Alessandro Schulz abspielen. Dieser sah seinen Kollegen Noah Jean Holm, welcher das Leder ohne Ballannahme durch die Beine des Torhüters und direkt in den Kasten der Franzosen schoss. Einfach klasse, es kam Hoffnung auf.

Ausgleich und erstmal aufatmen. Doch es war noch lange nicht das Ende. Lediglich von der ersten, relativ stabilen Halbzeit aus Sicht der Leipziger. Eine Halbzeit, die definitiv verbesserungswürdig war, gerade um einen Sieg einzuholen.




Youth League zu Gast in Leipzig.


Lyon zu dominant

Mit dem Beginn der zweiten Halbzeit kam auch ein neuer Spieler für RB Leipzig auf den Rasen. Joscha Wosz wurde ausgewechselt, neu dazu kam Solomon Bonnah. Ein externer Neuzugang in der U17 von RB. Der niederländische Nationalspieler sollte nun die Abwehrkette um Matthew Bondswell, Frederik Jäkel, und Malik Talabidi verstärken. Eric Martel ist dafür aus der Abwehrreihe, wie auch schon gegen Holstein Kiel, ins defensive Mittelfeld gerutscht, neben Tom Krauß.

Gerade einmal fünf Minuten mit vielen guten Chancen waren gespielt, da foulte Talabidi Gegner Soumare im Strafraum der Leipziger. Schon zuvor hatte der Schiedsrichter Talabidi in der 33. Minute die gelbe Karte gezeigt – auch wegen eines Foulspieles an Soumare. Nun gab es zwar zum Glück keine gelb-rote-Karte für Malik, aber dennoch einen umstrittenen Elfmeter für die Gäste.
Alle Augen waren auf Torwart Tim Schreiber gerichtet, der gefordert war, nicht noch ein Gegentor zu kassieren. Doch Cherki, welcher den Elfmeter ausführte, überlistete Schreiber und traf zum 1:2. Mit einem gezielten Schuss auf die Mitte netzte er den Ball ein.

Trainer Alexander Blessin reagierte in der 61. Minute mit einem Doppelwechsel. Mit dem Verteidiger Linus Zimmer und Fabrice Hartmann auf Rechtsaußen, sollte wieder etwas frischer Wind in die Partie gebracht werden. Auf die Bank mussten dafür der gelb-rot-gefährdete Malik Talabidi sowie Stürmer Borkowski.

Doch so richtige Torchancen gab es für die Leipziger nicht. Nur Smorgol hatte einen Freistoß in der 69. Minute. Aber man war es mittlerweile ja schon gewohnt, dass RB Leipzig nicht mehr so ganz mit den Franzosen mithalten konnte. Und so schoss auch der 17-Jährige Pole am Tor vorbei. Die Fans fieberten einem Ausgleich entgegen, um wenigstens einen Punkt aus der Partie mitnehmen zu können.

Bis zur 84. Minute dominierte Lyon wieder die Partie. Doch ab dieser Minute hatte der eingewechselte Hartmann vier Chancen seiner Mannschaft zum Ausgleich zu helfen. Denn wieder einmal war es ein Freistoß, welchen Fabrice wunderbar in Richtung des gegnerischen Tores schoss. Torhüter Margueron sah das Leder aber gut und konnte immerhin zur Ecke für die Leipziger klären.
Auch diese führte Hartmann aus. Gegner Augarreau foulte daraufhin unsere Nummer 10 und es gab erneut einen Freistoß für die Leipziger. Den Freistoß sowie die darauffolgende Ecke durfte Fabrice zwar auch wieder ausführen, doch wie es schon in der restlichen Partie ablief: Das Runde ging einfach nicht ins Eckige.

Es war eine hitzige Phase: RB arbeitete auf diesen so dringenden Ausgleich hin, machte aber mit der hektischen Spielweise nur noch mehr Fehler und verschenkte damit auch wichtige Spielzeit. Denn der vierte Offizielle zeigte bereits die Nachspielzeit an: Vier Minuten gab es noch oben drauf. Die letzte Chance.

Doch Torhüter Margueron schickte seinen eingewechselten Kollegen, Eli Wissa, nach einem Abstoß auf den Weg Richtung Tor von Tim Schreiber. Im Alleingang steuerte er auf den Kasten zu. Tom Krauß versuchte es im letzten Moment noch mit einer Grätsche, aber die half auch nichts. Der Ball war im Tor. Zum dritten Mal musste Schreiber hinter sich greifen. Bitter für den 17-Jährigen.



Fazit – und die Hoffnung lebt weiter

Unsere Nachwuchsbullen stehen nun weiterhin mit null Punkten auf Tabellenplatz drei in der Gruppe G vor Zenit St. Petersburg. Diese haben haushoch mit 1:7 gegen Tabellenführer Lissabon verloren.
Am Dienstag den 22. Oktober, also in ungefähr zwei Wochen, dürfen sich dann auch unsere A-Junioren gegen Zenit beweisen und hoffentlich den ersten Dreier der Youth League einfahren. Anstoß ist 16 Uhr am Cottaweg.
Zu dieser Zeit werden dann auch Herbstferien sein. Und vielleicht schafft es ja der ein oder andere, der schon Feierabend hat oder eben nicht im Urlaub ist, unsere U19 auf ihrem Weg in der Youth League zu unterstützen!




Ein umkämpftes Spiel, am Ende siegt aber erneut der Gegner.


DFB-Pokal

Neuauflage des Pokalfinales

Bereits im Finale der Vorsaison trafen die beiden Mannschaften aufeinander. Am Abend vor dem großen Pokalfianle Leipzig gegen Bayern, durfte sich auch unsere U19 in Potsdam beweisen. Gegen den Nachwuchs der Schwaben waren sie auch damals nicht erfolgreich. Noad Mekonnen, welcher jetzt bei Preußen Münster spielt, konnte in der 57. Minute den 1:1 Ausgleich erzielen. Doch der VfB schlug zehn Minuten später erneut zu. Lilian Egloff konnte beide Tore für Stuttgart einnetzen und war somit der Pokalheld von der Mannschaft, welche am Ende den DFB-Pokal der Junioren holen konnte.

Mit dem Los des Achtelfinales gab es für die Nachwuchsmannschaft von RB Leipzig nun also die Revanche. Ein Sieg wäre nicht nur notwendig gewesen um die Schwaben hinter sich zu lassen, sondern auch, um in die nächste Runde zu gelangen.

Nach vier Niederlagen in Folge, war ein Erfolg für die Leipziger mehr als wünschenswert. Zwei Mal verloren sie in der Bundesliga, zwei Mal in der Youth League. Man fragte sich, wann die jungen Bullen den nächsten Sieg einfahren würden.
Der Nachwuchs vom VfB Stuttgart war bisher in dieser Saison siegreicher. Von sieben Ligaspielen gewannen sie vier und erspielten zwei Remis. Nur am letzten Spieltag (27.09.2019) gab es die erste Niederlage gegen Bayern München. Hinter Bayern stehen die Schwaben nun auch in der Tabelle der Staffel Süd/Südwest der A-Junioren Bundesliga. Mit 14 Punkten belegen sie Platz drei. Tabellenführer ist der FSV Mainz mit nur einem Punkt Vorsprung.
Im Pokal setzten sich die Stuttgarter in der ersten Runde mit 3:0 gegen den Regionalligisten SV Elversberg erfolgreich durch.
Unsere U19 hingegen traf bereits in der ersten Runde auf einen schweren Gegner: Gegen den amtierenden Junioren-Meister Borussia Dortmund gewannen sie knapp mit 2:1. Nun wollten sie auch Stuttgart aus dem Pokal werfen.




Smorgol als einer der jünsten auf dem Platz.


Chancenverwertung gleich null

RB-Trainer Blessin setzte in dieser Partie auf zwei Nachwuchsspieler der U17: Kacper Smorgol und Solomon Bonnah durften sich von Anfang an auf dem Rasen beweisen. Während Bonnah auf der rechten Seite neben der altbekannten Abwehrkette mit Bondswell, Jäkel und Martel spielte, war Smorgol im offensiven Mittelfeld unterwegs. Schon in den ersten Minuten zeigte sich auch, wieso Blessin auf den 17-Jährigen Lockenkopf gesetzt hatte: Mit vielen guten Dribblings und Pässen bediente er Tom Krauß oder versuchte sich auch gleich selber vorm Tor der Gäste durchzusetzen – allerdings vergebens. Auch ein Freistoß von ihm in der zehnten Minute erreichte den Kasten der Schwaben leider nicht.

Dennis Borkowski hatte mit Sturmpartner Noah Holm viele Möglichkeiten, die Kugel einzunetzen. Zehn Minuten waren gespielt, da fiel auch schon das erste Tor für RB Leipzig durch Borkowski, leider Abseits. Es wäre ja auch zu schön gewesen, diese frühe Führung. Doch wie heißt es so schön: Aller Anfang ist schwer.

Die Mannschaft vom VfB dagegen war hellwach. Mit einem schnellen Umschaltspiel überlisteten sie die Leipziger in der 16. Minute. Ein gutes Passspiel der Gäste, eine schlechte Abwehr der Gastgeber und zack, war das erste Tor für die Schwaben im Kasten von Moritz Schulze.

Nur 180 Sekunden hatten die Zuschauer am Cottaweg Zeit, sich über das Tor aufzuregen oder zu freuen. Denn nach eben diesen drei Minuten schlugen die Schwaben erneut zu, unvorstellbar aber wahr. Die Stuttgarter nutzten die Unsicherheit der jungen Bullen aus und zeigten sich völlig überlegen.

Nachdem Borkowski eine Flanke von Bonnah nicht verwerten konnte, klärte Torwart Schock zur Ecke der Leipziger. Kacper Smorgol bediente nach seiner Ecke Noah Holm. Dieser zeigte sich wie schon so oft kopfballstark und erzielte in der 26. Minute das 1:2. Große Freude aus Sicht der Leipziger. Doch alle wussten, dass ein Ausgleich gegen die angriffsstarken Gegner schwierig war.

Und das bewies sich auch nur sechs Minuten später nach dem hoffnungsvollen Anschlusstreffer: Wieder durch ein schnelles Umschalten, gelang es den Gästen die Leipziger Abwehr auszuspielen und das dritte Tor zu erzielen. Fassungslosigkeit am Cottaweg.

In den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit wollten sich die jungen Bullen nochmal ins Zeug legen. Doch der VfB, so angriffslustig wie er war, machte das Spiel nicht gerade einfacher für den RB-Nachwuchs. Mit viel Druck aus Leipziger Sicht, wurden auch viele Fehlpässe gespielt. Nur in den letzten Momenten konnten unsere Jungs ihre Fehler wieder gut machen und das Leder wieder mehrfach für sich gewinnen.

Nach einer letzten Ecke von Kacper Smorgol in dieser Halbzeit, hatte RB die scheinbar letzte Chance den Rückstand noch etwas zu verkürzen. Frederik Jäkel konnte den Schuss von Smorgol mit einem versuchten Kopfball nicht ins Tor bringen. Stattdessen wurde das Spiel im Strafraum der Gäste hektisch und unübersichtlich. Man sah nur noch, wie ein RB-Spieler zu Boden ging und der Unparteiische auf den Elfmeterpunkt zeigte.

Tom Krauß, welcher auch schon in der letzten Saison zwei Tore durch einen Elfmeter erzielen konnte, schnappte sich selbstbewusst den Ball. Mit einem gezielten Schuss in die linke Ecke brachte der 18-Jährige Mittelfeldmann seine Mannschaft ein Tor näher Richtung Ausgleich.
Mit diesem Treffer ging es für die beiden Teams erstmal in die Kabinen. Etwas Hoffnung keimte und enormer Druck lastete auf den Nachwuchskickern aus der Messestadt. Es war allen von Anfang an klar, dass es keine einfache Partie werden würde. In der zweiten Halbzeit mussten sich die jungen Bullen noch mehr anstrengen, um den Schwaben diesen Sieg keinesfalls zu schenken.




Alexander Blessin schon am Ende mit seinem Latein?


VfB zu stark für Leipzig

Die zweiten 45 Minuten starteten für unsere Nachwuchsbullen eher schlecht als recht. Wie schon in der ersten Halbzeit vergaben sie auch am Anfang gute Chancen. In der 57. Minute verletzten sich Abwehrspieler Frederik Jäkel und Gegner Hamza Cetinkaya in einem Kopfballduell schwer. Nach der Behandlung von den Mannschaftsärzten musste Jäkel mit einem Kopfverband runter. Cetinkaya blieb im Spiel. Eine genaue Diagnose steht noch aus, es scheint jedoch nichts Ernstes zu sein.

Für den Leipziger Kapitän kam Linus Zimmer neu ins Spiel, Talabidi übernahm die Kapitänsbinde.
Bis zur 75. Minute konnte man dann wieder dem zurzeit üblichen Fußball der Nachwuchsbullen zu sehen: Viele Angriffe, viele Abschlüsse, alle waren bemüht, aber kein Tor.

Der VfB stellte sich auch in dieser Halbzeit wieder viel geschickter an. 15 Minuten vor Schluss erhöhten die Schwaben nach einer Ecke den Spielstand. Zwei Tore der Leipziger in der letzten Viertelstunde wären nötig gewesen, um in die Verlängerung zu kommen.
Doch so sehr sich die Blessin-Elf auch anstrengte, ein weiteres Tor blieb leider aus.

Die Partie neigte sich dem Ende zu und so auch die Kräfte. Auch wenn den Jungs wahrscheinlich schon allen klar war, dass es keinen Sieg mehr für die Messestadt geben wird, so zeigten sie sich dennoch willensstark.

In der 93. Minute zog der VfB durch David Hummel den Schlussstrich. Ein letztes Mal musste Moritz Schulze den Ball aus seiner Hütte holen. Auch wenn er die Kugel vorher noch abfälschen konnte, das 2:5 blieb ihm nicht erspart.


Aus im Pokal

Es war ein hart umkämpftes Spiel mit vielen ungenutzten Torchancen der Leipziger. Am Ende sind sie aber verdient aus dem Pokal ausgeschieden. Denn wer seine Chancen nicht nutzt, der kommt eben nicht weiter.
Es ist auf jeden Fall ein bitteres Ergebnis, welches unsere U19 nun verarbeiten muss. Zwei Wochen haben sie dafür Zeit. Erst am 19. Oktober steht das nächste Ligaspiel auswärts gegen den HSV an. Jetzt haben die Nachwuchskicker auch Länderspielpause. Diesen Mittwoch findet zudem noch ein Testspiel gegen den ZFC Meuselwitz am Cottaweg statt (09.10.2019 / 17:30 Uhr).
Es bleibt zu hoffen, dass sie in dieser Zeit mehr trainieren und Erfahrungen sammeln. Denn ein Sieg, egal ob in der Liga oder in der Youth League, ist nach fünf aufeinanderfolgenden Niederlagen nicht nur sehr wünschenswert, sondern endlich mal dran!
Auf geht‘s Leipziger Jungs!

Helene


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