U19 – DIE SAISONSTARTANALYSE

Leipzig - (15.10.2013) Um einen Nachwuchs auf höchstem Niveau aufzubauen, ist es essentiell, die U19 – als Schnittstelle zum Juniorenbereich – auf die oberste Leistungsebene zu hieven. Vier Hauptamtliche Trainer in den letzten vier Spielzeiten zeugen davon, dass es nicht so leicht ist, den so wichtigen Aufstieg umzusetzen. Wie weit ist die U19 diese Saison und was dürfen wir erhoffen?


Was macht die U19 von RB Leipzig so wichtig, dass der Verein für Regionalliga-Verhältnisse einen Startrainer verpflichtete und auch sonst keine Mühen scheut, um den Sprung nach oben zu schaffen?
Die U19 hat Gewicht und Aufmerksamkeit im Verein. Denn zur Gewinnung von Talenten muss der Verein den Spielern den Wettkampf auf höchstem Niveau bieten. Will man also ein Toptalent – sei es U15 oder U17 – nach Leipzig locken, dann wird auch die Ligenzugehörigkeit der U19 eine Rolle spielen. Im Unterschied zu den Juniorenbundesligen ist die U19 NOFV-Regionalliga im Wesentlichen die Schnittstelle zwischen gehoben Breitensport und den Leistungszentren, die nicht ganz mit dem Top-Adressen des deutschen Fußballs mithalten können. So gibt es in dieser Liga nicht selten eine Zwei- oder Dreiteilung der Tabelle in Aufstiegsaspiranten, Niemandsland und dem Kampf gegen den Abstieg. Dementsprechend gibt es Gegner, gegen die gewonnen werden muss (was für die Entwicklung der Spieler keinen Wert hat) und welche, die über den Aufstieg entscheiden. Eben letztgenannte Partien waren es in den vergangenen Spielzeiten, die den Aufstieg mal knapp, mal weniger knapp an unseren Junioren vorbeigehen lies. Das soll nun anders werden. Und dazu griffen sich die Verantwortlichen beachtenswertes Personal.
Mit
Jens Härtel und Lars Weißenberger haben die Leipziger Bullen auf dem
Trainerposten eine neue Qualität erreicht. Nicht nur, dass wir Härtels
großartige Arbeit in der Red Bull Arena in Form des Berliner AK bereits
bestaunen durften, wurde mit Weißenberger auch noch der Übungsleiter der
letzten beiden Jahre gehalten. Also ein Mix aus Konstanz und neuer Kraft. Jens
Härtel, der mit Roger Schmidt, Markus Weinzierl und Markus Gisdol zusammen
seinen Fussballlehrer-Lehrgang absolvierte, gab Anfang des Jahres 2013 sein
Ende beim Berliner AK bzw. seinen Wechsel zu RB Leipzig bekannt. Die Presse
schrieb hier nicht umsonst von Paukenschlag, Überraschung und einem Coup unseres
Vereins. Jens Härtel ist als Vertreter des modernen Fussballs im Sinne
Rangnicks bzw Zornigers zweifelsohne d i e Verpflichtungen im Juniorenbereich und
zeigt damit auch, wie wichtig es ist, die U19 in die Juniorenbundesliga zu
führen. Neben Härtel betreut Lars Weißenberger als Co-Trainer das Leipziger
Nachwuchsteam. Er übernahm nach dem Katastrophenstart in der Spielzeit 2011/12
die Mannschaft von Detlef Schössler und führte sie mit einer grandiosen Serie
noch einmal in Richtung Aufstieg. Dass es letztendlich nicht geklappt hat, lag
an der fehlenden Schützenhilfe von Dynamo Dresden am letzten Spieltag. In jener
Saison machten im Übrigen Spieler wie Nattermann, Siebeck, Schlicht, Hamrol
oder Alexander Sorge auf sich aufmerksam.
In der letzten Saison 2012/2013 wurde jedoch das alte Laster wieder
offensichtlich: Das Team gewann zu wenig direkte Vergleiche gegen die
Spitzenteams. So konnte Weißenberger leider in der zweiten Spielzeit nicht noch
einmal so auftrumpfen wie in der Saison zuvor. Dennoch kennt der Co-Trainer viele
Spieler sowie die Liga und ist damit eine wertvolle Hilfe im Trainerstab.
Aber auch die letzte Saison war nicht gänzlich verschenkt. Denn als klar wurde, dass die Mannschaft im Niemandsland gefangen war, konnten Spieler des jüngeren Jahrgangs aufgebaut werden. Spieler, welche diese Saison Großes leisten sollen. Ein paar der Akteure seien an dieser Stelle schon mal genannt. Zum Beispiel: Vincent Rabiega. Der Außenspieler (bisher 7 Tore) kam von der Hertha aus Berlin nach Leipzig und zeigte schon in der letzten Spielzeit, warum er als polnischer U17-Nationalspieler bei der EM dabei war. Rabiega ist schnell, dribbelstark und sorgt für permanente Gefahr. Ein weiterer Spieler aus dem alten Kader ist der in Budapest geborene Gergő Szántó. Der Mittelfeldspieler (5 Tore), der aus Hoffenheim kam, zeigt vor allem im technischen Bereich seine Stärken und zaubert Freistöße ins Tor. Eben jene Freistöße auch wieder herauszuholen ist die Aufgabe von Torhüter Fabian Bredlow. In seiner zweiten Spielzeit für RB Leipzig (kam aus Zehlendorf) ist Fabian die mittlerweile unumstrittene Nummer Eins nach Einsätzen. Er besitzt viel Präsenz, ist physisch austrainiert und zeigt sich regelmäßig als Rückhalt der Mannschaft. So wie vor kurzem im Punktspiel gegen Magdeburg, als Fabian drei sichere Tore des Gegners verhinderte. Sollte Bredlow mal passen müssen hat die U19 dahinter noch den U17 Bundesliga-Auftstiegsheld Dominic-Rene Heine. Ebenfalls ein klasse Keeper, der die U17 in ihrem ersten Bundesligajahr den einen oder anderen Punkt festhielt und so den hauchdünnen Klassenerhalt sicherte. Wohl dem, der solche zwei Keeper hat. Zu den Spielern, die in der U19 verblieben sind, kommen die U17-Aufrücker. Und von denen konnten sich ebenfalls einige gleich in den Kader spielen. Vor allem Kretzschmar und Konik konnten sich in der Viererkette ihren Platz erarbeiten. Eine weitere Hoffnung im Nachwuchsbereich – Janik Mäder – fiel nach Verletzung aus und bekam erst im DFB Pokal gegen Burghausen wieder erste Spielpraxis. Ansonsten dürfte auch er nahe an der ersten Elf sein. Zuletzt sei noch Patrick Strauß erwähnt, der eigentlich bei Dynamo Dresden spielen sollte, aber dem die SGD vor Ort kein Platz in der Schule besorgen konnte. Auf dem Rückweg fuhr ihn sein damaliger Trainer noch hier in Leipzig bei unserem RB vorbei und so kamen wir zu einem jungen Sechser im Stile eines Luiz Gustavo. Zuletzt ergänzen die externen Neuzugänge den Kader. Und auch hier haben die Verantwortlichen auf dem Papier ganze Arbeit geleistet. Turgay Gemicibasi kommt als jüngerer Jahrgang zu unserer U19 und hat als Kapitän der U17 des 1.FC Köln natürlich schon einiges auf dem Platz zeigen können. Seine Nominierung für den U18 Juniorenkader der Türkei untermauert dies. Darüber hinaus konnte man von dem Abstieg der NOFV-Konkurrenz aus Cottbus und Halle profitieren in dem man aus Halle den Stürmer Rothenstein (5 Tore) und aus Cottbus zwei ehemalige U17 Bundesligaspieler verpflichten konnten. Es sei noch Alain Nkem erwähnt. Ein sehr kompakter Linksverteidiger, der mit viel Tempo und guten Dribblings den Gegner vor Probleme stellt.
Bleibt noch der Blick auf die Liga. Bisher sah sich unsere Mannschaft die letzten zwei Spielzeiten einer Übermannschaft (Jena, Union) gegenüber gestellt. Damit war der direkte Aufstieg quasi schon vergeben und die U19 musste sich mit den anderen Vereinen um den Relegationsplatz auf Rang 2 streiten, den sie aber auch zuletzt knapp an Chemnitz und in der letzten Saison recht eindeutig an Dynamo Dresden abgab. Da bisher sowohl Jena und Union als auch Dresden die Liga Richtung Oberhaus verlassen haben, ist einiges an starker Konkurrenz verschwunden. Aus der Juniorenbundesliga kamen mit dem Halleschen FC (Rang 6 / 9 Punkte) und dem Chemnitzer FC (Rang 11/ 4 Punkte) zwei Mannschaften, die im Augenblick keine Rolle im Aufstiegskampf spielen. Der dritte Absteiger hingegen dürfte eines der Schwergewichte der Liga sein: der FC Energie Cottbus (Rang 2/ 15 Punkte). Trotz des Abstieges können die Lausitzer auf einen Juniorenkader zurückgreifen, der schon seit einigen Jahren auf höchstem Niveau gefordert und gefördert wird. Auf Platz drei folgen die Veilchen aus Aue (15 Punkte). Seit der letzten Saison hat man in Aue den ehemaligen Nachwuchsleiter Steffen Ziffert unter Vertrag und der bringt Kontakte aus Kanada mit ein, um den Kader der Veilchen aufzupolieren. So dürfen sich die besten kanadischen Talente bei Aue probieren und gleichzeitig versuchen, den Kader aufzuwerten. Mit Erfolg. So konnte die Mannschaft letzte Saison lange Zeit auf Platz 2 verweilen, bis die Leistung gegen Saisonende etwas abfiel und Dynamo sich in einem furiosen Lauf vorbeischoben konnte. Auf Rang 4 folgt TeBe Berlin (15 Punkte). Die Berliner Vereine haben natürlich einen Riesenpool an Spielern und Talenten. So können sich die beiden großen Vereine, also Hertha und Union, eindecken und es bleiben immer noch genug Talente für einen Verein wie TeBe oder Zehlendorf übrig. Diese Saison hat TeBe die Mannschaft soweit zusammengestellt, dass sie bisher in der Spitzengruppe mithalten kann. Damit sind Platz zwei bis vier hinter unseren Jungs (16 Punkte) vergeben.
Es lässt sich zwar eine Tendenz ausmachen, aber noch ist die U19 den Nachweis schuldig geblieben, dass sie auch gegen die direkte Konkurrenz punkten kann. Das ändert sich ab dem 26. Oktober. Da spielen unsere Jungs zunächst in Cottbus, bevor sie in den nächsten Wochen auch noch in Aue (30.11) und in Berlin (16.11) antreten müssen. Behält die Mannschaft auch hier die Oberhand, dann wird das mit dem Aufstieg klappen. Aber noch ist es ein langer Weg (20 Spieltage), bei dem die Mannschaft zumindest beim Start gut wegkam.
Wer
die U19 gerne inspizieren möchte, dem sei d a s Highlight empfohlen: Am 15.12
treten unsere Jungbullen in Leipzig gegen die Schalker U19 im DFB-Pokal an. Der
Gegner gehört zu den Topadressen des Nachwuchsfußballs und misst sich diese
Saison in der neu geschaffenen UEFA Youth League mit den Nachwuchsmannschaften
von Chelsea, Basel und Steaua Bukarest. Es kommt also ein wenig
Europapokal-Atmosphäre nach Leipzig. Für die Jungs wird es ein Highlight sein
und ich hoffe auch für uns RB Fans
crank
Bild: © RB Leipzig
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