IM FOKUS – DER UNAUFFÄLLIGE MR. KAISER?

Leipzig - (22.04.2014) Im Hinspiel war er noch der Matchwinner, unser Unterschiedspieler Dominik Kaiser. Am Wochenende wurde er Opfer des Systems und war nicht wie gewohnt die zentrale Figur.


Hoch und Weit, das war die Devise beider Teams, als das Stadion am Samstag erbebte. Ein schnelles Umschalten wurde zusätzlich durch die beiden kompakten Abwehrreihen erschwert. Für unseren Mittelfeldfürsten wahrlich kein gemachtes Bett, besonders in der ersten Halbzeit hatte er an diesem Spielstil „zu knabbern“. Im zweiten Durchgang sollte allerdings auch er zu seinen Chancen kommen. In Sachen Ballberührungen und damit Einfluss aufs Spiel war dieses Ostern nicht sein bester Tag, was gegen Darmstadt auch nicht zu erwarten war. Trotzdem hatte er zweifach das 2:0 auf dem Fuß, das Hinspielglück war ihm jedoch diesmal nicht beschieden.
Ballberührungen
Lediglich 41 Ballkontakte hatte Kaiser während des Spiels, was einer der schlechtesten beobachteten Werte der Saison ist, nur die Combo Röttger/Schulz war im Hinspiel gegen Stuttgart II schlechter (37). Hier zeigte sich die für Kaiser problematische Grundausrichtung beider Teams. Darmstadt spielte kaum mit flachen Pässen aus der eigenen Abwehr und stand nach den langen Bällen auf Stroh-Engel massiert hinter dem Ball. Leipzig versuchte es ebenfalls zunächst mit weiten Bällen auf Poulsen und von dort über die hochstehenden Außenverteidiger oder die auf Außen rückenden ZM. Kaiser blieb der Raum in der Mitte, der jedoch besonders in der ersten Hälfte (17 Ballberührungen) wenig bespielt wurde, auch wenn Kaiser dann oft eine tragende Rolle einnahm, so z.B. als Passgeber auf Fandrich vor dessen Pfostentreffer oder noch stärker in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit (24 Kontakte), besonders im Zusammenspiel mit Kimmich.
Pässe
31 Pässe spielte Kaiser, machte also aus 75,6% seiner Berührungen einen Pass. Wie bei den ZMs im Spiel gegen Osnabrück (78,1%) ist dies eher unterdurchschnittlich und sprich für ein umkämpftes Spiel, gegen Wiesbaden oder Stuttgart II lag diese Quote eher bei 90+%. Jedoch ließ sich die Passquote von 74,2% durchaus sehen, zumal für Kaiser untypisch einige Kopfbälle (mehr als in Kaisers Hinrundenbegegnungen Stuttgart II, Duisburg und Regensburg zusammen) dabei waren, und er durch seine Standards auch einige weite Bälle aufs Feld brachte, von denen die Mehrzahl ihr Ziel erreichte. Neben den Vorlagen aus Standards (Kopfballversuch Hoheneder 35., Torschuss Kimmich 49. – jeweils nach Eckbällen) sind die Pässe auf Fandrich (14. Pfostenschuss) und Kimmich (63. Fehlpassversuch auf den lauernden Frahn statt eigener Torschuss) sowie die Einleitung der Chance von Poulsen (63.), als seine Ablage auf Kimmich von diesem zum Pass genutzt wird, zu nennen. Insgesamt also für seine geringe Anzahl von Ballkontakten eine recht gute Bilanz, noch dazu kommen zwei eigene Torschüsse – siehe unten. Im Einzelnen:
Kaiser: Sicherheitspässe (0/0), Kurzpässe (14/2), Langpässe (6/3), Kopfpässe (3/3) – Quote: 74,2%
Zweikämpfe
Auch in Sachen Zweikämpfe lief das Spiel an der offensiven Mittelfeldposition vorbei. 14 Duelle sind der schlechteste Wert der diese Saison im Mittelfeld beobachtet wurde. 64,3% gingen an den kleinen Mittelfeldkönig, was wie bei der Passquote eine solide Bilanz ist. Überraschenderweise waren es gerade die Kopfballduelle, die den Schnitt nach oben zogen. Kam er in den Luftkampf, blieb er in 2/3 der Fälle Sieger, was in Anbetracht der Darmstädter Riesen durchaus beachtlich ist und umso mehr erstaunt, als dass er in den drei beobachteten Hinrundenspielen nicht einen einzigen Zweikampf in luftiger Höhe für sich entschied. Wie das gesamte Team war auch er von Zorniger perfekt auf diesen Tag eingestellt, siehe Heidingers Kopfballduell gegen Stroh-Engel am Ende der zweiten Halbzeit. Zu großen Zweikämpfen am Boden kam es kaum, neben den Foulspielen bestritt er hier nur fünf Duelle (3/2). Im Einzelnen:
Kaiser: offensiv (2/1), defensiv (1/1), Kopf (4/2), gefoult/Fouls (2/1) – Quote: 64,3%
Torschüsse
Die stärkste Phase unseres Spiels nutzte auch Kaiser für zwei Torschüsse. Während er in der ersten Halbzeit noch etwas blass blieb, war er zu Beginn des zweiten Durchgangs, als RB in den ersten 20 Minuten versuchte, den Sack zuzumachen, kurz davor auf 2:0 zu erhöhen. Es fehlte nicht viel, als er in der 51. Spielminute nach einer Brustablage von Poulsen aus gut 20 Metern aufs Gehäuse von Zimmermann feuerte, nur zwei Minuten später spitzelte Gorka ihm den Ball vom Fuß, als er nach einem genialen Pass von Kimmich frei vor dem Gästekasten war.
Fazit
Nicht das Idealspiel für Kaiser, defensiv wie offensiv flogen die Bälle zu oft über seinen Kopf hinweg. Ging es dann doch mal mit kurzen Vertikalpässen, war er jedoch oft beteiligt. Dazu zeigte er exemplarisch, dass selbst die kleinsten Mittelfeldspieler Kopfbälle für sich entscheiden können. Dazu waren seine Standards und langen Bälle von gewohnt hoher Qualität. Gut zu wissen, dass RB auch ohne einen überragenden Kaiser gegen einen Aufstiegsaspiranten als verdienter Sieger vom Platz gehen kann. Diesmal wurde er von Kimmich und dem defensiv unglaublich umtriebigen Demme ein wenig in den Schatten gestellt, machte aber trotz der geringen Spielanteile ein solides Spiel. Wobei immer betont werden muss, dass für Kaiser gerne höhere Maßstäbe angesetzt werden, der Fluch der guten Taten, sozusagen.
Rumpelstilzchen
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