LEIPZIG GEWINNT BEI 1860 MIT 3:0

München - (11.08.2014) Geil! … Damit wäre eigentlich alles zum sonntäglichen Ausflug gesagt, was man wissen muss. „Geiles Spiel, geile Spieler, geile Fans, geiles Ergebnis“ wäre die etwas ausführlichere Variante. Nun gut, versuchen wir es mal mit einer Langfassung.


Zur Zweitligapremiere in der nun auch schon fünf Jahre umfassenden Vereinsgeschichte von RasenBallsport Leipzig ging es nach einem ordentlichen Auftaktremis gegen Aalen zu den Löwen nach München. Die spielen bekanntlich im drittgrößten Stadion Deutschlands, das sie sich gelegentlich mit einem anderen, zuletzt sportlich relativ erfolgreichen Verein teilen. Der in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil von 1860 ist. Der Europapokalfinalist von 1965 und Meister von 1966 war 2004 in die Zweitklassigkeit abgestiegen und aus dieser trotz andauernder Aufstiegsambitionen seitdem nicht mehr herausgekommen.
Vor der Saison verbreitete der neue Trainer Ricardo Moniz (2012 Doublesieger mit RB Salzburg) ordentlich Euphorie. Zwar mussten die Löwen die Abgänge einiger ihrer besten Spieler, darunter Stoppelkamp (zu Paderborn) und Osako (zu Köln), verkraften, bedienten sich dafür allerdings etwa bei Monaco oder der Barcelona-Nachwuchstruppe und holten augenscheinlich vielversprechende Talente. Zwei Spiele später ist die Euphorie allerdings schon wieder in blankes Entsetzen umgeschlagen. Ob RB daran nun den größten Anteil trägt, darf diskutiert werden, denn so eine 2:3-Niederlage nach 2:0 Führung, in Überzahl, ist ja auch nicht ganz alltäglich. Betrachten wir es nur aus unserer Perspektive, können wir auf jeden Fall stolz sein auf die Jungs, die als Aufsteiger bei DEM etablierten Zweitligaverein recht locker drei Punkte einfuhren – und das fast ohne Neuzugänge.
Schon in den ersten Minuten machten die Rasenballer ordentlich Betrieb, zogen ihr gewohntes Pressing auf und ließen die 60er überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Dass die Löwen schnell und direkt nach vorn spielen können, haben sie gegen Lautern ja gezeigt, auch schon vor dem Platzverweis. Am Sonntag war davon allerdings zumindest in Halbzeit eins nicht viel zu sehen. In der 13. Minute hätte der Gastgeber schon in Rückstand gehen können; leider entschied sich unser Kapitän für einen Rückpass zu Kiraly anstelle eines ordentlich getretenen Strafstoßes. Ganz offensichtlich ist Frahn noch nicht so richtig in der zweiten Liga angekommen. Hoffen wir auf einen Befreiungsschlag in den nächsten Partien. Sind Rebic und Boyd erstmal fit, könnte es eng werden.
Die Löwen fühlten sich vom gehaltenen Elfer beflügelt und tauchten Mitte der ersten Hälfte auch gelegentlich vor Bellot auf. In einer Phase, in der RB nicht mehr so wahnsinnig viel Zugriff aufs Spiel bekam, fiel dann die Führung durch Poulsen-Fußballgott. Zu Beginn der zweiten Hälfte drückten dann zunächst die Löwen, kamen dem Ausgleich durchaus nahe, beispielsweise als Hoheneder fast ins eigene Tor köpfte. Doch mit dem 2:0 durch Morys nach Vorlage von Poulsen-Fußballgott war die Sache durch. Die 60-Spieler gaben auf, wirkten – wie schon in Lautern – auch konditionell nicht auf der Höhe. Das 3:0 durch Thomalla war dann jenes eine Tor „zu viel“, damit das Ergebnis dem Spielverlauf noch gerecht werden würde.
Schön war es natürlich, dass dieses starke Spiel unserer Mannschaft auch einen würdigen Rahmen bekam. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass die Löwen in der vergangenen Saison nur gegen Aufsteiger Köln vor einer größeren Kulisse gespielt haben. Und so bleibt es, wie es ist: RB macht den Fußball kaputt, holt aber immerhin die Leute ins Stadion. Dass RB den Fußball zerstört, daran ließen die geschätzt 238 Banner, die im Laufe des Spiels im Löwenblock auftauchten, keinen Zweifel. Interessant auf jeden Fall die Taktik, nicht mehr nur Red Bull an sich als Gegner ins Visier zu nehmen, sondern auch die Anhänger von RB Leipzig, also jene, ohne die „das Projekt“ gar nicht funktionieren würde. Kann man machen, etwas einfallsreichere Banner sollten trotzdem bei rumkommen.
Die Stimmung auf Heimseite war teilweise sehr ordentlich. Gerade das ausdauernde „1860 olé“ in der Drangphase nach der Pause zog bei den Massen. Im Gegenzug konnte man allerdings auch feststellen, dass es sehr häufig nur der Block direkt hinter dem Tor war, der für Stimmung sorgte. Das Publikum auf den langen Geraden war nur schwer zum Mitmachen zu bewegen, brauchte selbst beim „Steht auf...“ eine gefühlte Ewigkeit. Nach dem 0:3 entschwanden dann die Massen aus dem Stadion und bis auf den ganz harten Kern fühlte sich dann auch niemand mehr zum Anfeuern bemüßigt. Erstaunlicherweise gab es während des Spiels aber auch kaum Pfiffe; das Publikum war wohl eher in eine Art Schockzustand verfallen. Die „Auf Wiedersehen“-Rufe des Leipziger Anhangs waren als Reaktion auf die Massenflucht situationsbedingt natürlich die richtige Maßnahme. Objektiv betrachtet waren hier aber auch gut 10.000 Leute im Stadion, die sonst nicht zu 60 kommen. Das waren vermutlich die ersten, die gingen. Und die so schnell wohl auch nicht wiederkommen werden. Der Fanblock jedenfalls reagierte stark und munterte die Spieler nach Abpfiff auf.
Stark war auch der Auftritt unserer Fans. Die etwa 2.000 Leipziger gaben ein schönes Bild ab und schafften es insbesondere im ersten Durchgang mehrmals, gegen das Heimpublikum erfolgreich anzusingen. Mitmachquote und Lautstärke waren gut. Schade, dass zu Beginn der zweiten Hälfte auch der Leipziger Anhang zunächst den Löwen das Feld überließ. Die Gesänge waren zwar noch da, wurden aber von deutlich weniger Leuten begleitet. Doch ab Mitte der zweiten Hälfte drehte dann auch der Gästeanhang wieder auf und sorgte am Ende für eine in Anzahl und Auftritt sehr überzeugende Darbietung. Befürchtungen, der direkte Aufstieg käme für die Entwicklung unserer Fanszene zu früh, kann man durchaus eine kleine Absage erteilen. So darf's gerne weitergehen. Auch an einem Freitagabend in Frankfurt.
Loch
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