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PRO & CONTRA TRAINER RANGNICK: KING RANGNICK UND DIE GEFAHRVOLLE HOCHZEIT

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Leipzig - (12.06.2015) Knapp zwei Wochen ist es her, dass Ralf Rangnick sich selbst zu "König Rangnick, first of his name, defender of the Rasenballsport and ruler of the Cottaweg" gekrönt hat. Die Selbsternennung von Ralf Rangnick zur "1A"-Lösung in Sachen "Trainerfrage" stellt einen weiteren krassen Einschnitt in der Vereinsgeschichte dar.

Pro – Warum Ralf Rangnick jetzt und heute genau der richtige Trainer für RB Leipzig ist:

1) Hand aufs Herz, irgendwann musste es doch sowieso so kommen, oder? Mit Ralf Rangnick sitzt seit Jahren eine zumindest national sehr beachtete Trainerpersönlichkeit auf dem Stuhl des Sportdirektors. Egal welchen Trainer er vorgestellt hat oder in Zukunft vorgestellt hätte, immer hat es geheißen: "Na, im Notfall übernimmt doch Ralle eh' selbst das Ruder und bringt den Kahn schon wieder auf Kurs." Regelmäßig wurde er gefragt, ob er sich eine Rückkehr als Trainer in das Profifußballgeschäft vorstellen könnte und jedes Mal hat er sich ganz klar positiv dazu geäußert. Man hat ihm überdies zu jeder Zeit angemerkt, dass er sich auch über die Sportdirektortätigkeit hinaus, an der Entwicklung einer Mannschaft beteiligen möchte. Nun verschreibt er sich praktisch komplett dem sportlichen Erfolg der ersten Mannschaft von RB Leipzig, die...

2) … sowieso nach seinen Vorstellungen und Wünschen zusammengestellt zu sein scheint. Der Kader trägt ganz klar die Handschrift und den Stempel eines Ralf Rangnicks, der seine Philosophie vom modernen Fußball sowohl in Trainerauswahl als auch in Nachwuchsentwicklung hinein getragen hat. Wo anderer Orts die Kaderzusammenstellung immer untrennbar mit der Persönlichkeit des Trainers verbunden war (Guardiola bei den Bayern, Klopp damals beim BVB), las sich hier die Transferhistorie – bis auf wenige Ausnahmen – meist stärker vom Sportdirektor beeinflusst, als von Trainerseite her. Somit wäre es jetzt nur konsequent, wenn auch der Mann, der hier federführend agiert hat, die Spieler in Zukunft betreut und weiterentwickelt.

3) Finally: Ralf Rangnick weiß einfach, wie man es macht. Er hat schon mit Hoffenheim unter beinahe identischen Voraussetzungen den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft. Plus: Er scheint diesen Sommer soviel Qualität in den Kader zu lotsen, wie noch nie zuvor. Zusammen mit seiner Trainerexpertise würde es wohl nächste Saison mit dem Teufel zu gehen, wenn RB Leipzig nicht ein gewichtetes Wort bei der Vergabe von Aufstiegsplätzen haben sollte. Und das ist doch prinzipiell alles, was uns interessieren sollte, oder?

Contra – Warum wir mit Trainer Ralf Rangnick unter Umständen keine Freude haben werden.

1) Anfang Februar wurde bekannt gegeben, dass man Alexander Zorniger mitgeteilt hat, man würde ab Sommer nicht mehr mit ihm planen. Fast schon folgerichtig hat sich dieser gesagt, dass er dann lieber jetzt als später seinen Trainerposten zur Verfügung stellt. Im Grunde eine nachvollziehbare Reaktion, nachdem er die Mannschaft zwei Aufstiege nacheinander betreut hatte. Was danach aber weiter passierte, war sicher nicht im Sinne von Ralf Rangnik und Oliver Mitzlaff: Der offensichtliche Favorit auf den Trainerposten - namentlich Thomas Tuchel – zierte sich erst und sagte dann plötzlich einem ganz anderen freiwerdenden Trainerposten zu, dem der Borussia aus Dortmund. Dort hatte nämlich wenig später Jürgen Klopp ebenso verkündet, dass er im Sommer sein Amt als Cheftrainer der ersten Mannschaft aufgeben würde. Und selbst Ralf Rangnick müsste hier sicherlich zähneknirschend zugeben, dass für Tuchel der Posten beim BVB eher der "nächste logische Schritt" ist, als in Liga Zwei zu gehen.

Nachdem anscheinend noch die wenig verbliebenen Restlösungen abgesagt hatten, musste man vor laufender Kamera die Reißleine ziehen. Fix wird die Wendung "1A"-Lösung erfunden, um nicht das Wort "Notlösung" in den Mund nehmen zu müssen. Im Grunde kann aber auch diese Formulierung nicht darüber hinwegtäuschen, was sie eigentlich ist: ein Eingeständnis, dass man sich in Sachen Trainerposten verspekuliert hatte. Derweil wird der geexte Alexander Zorniger den durchaus interessanten Trainerposten des VfB Stuttgarts antreten. Geschmäckle, und so.

2) Die Konstellation "Trainer = Sportdirektor" war in den vergangenen Jahren eigentlich selten eine erfolgsversprechende. Neben Notlösungen wie Knäbel beim HSV, prägte vor allem Magath diese Personalunion beim VfL Wolfsburg. Knäbel verlor beide seiner Spiele, "Quälix's" Engagement ist noch Jahre später in der Gehaltsliste der Wölfe abzulesen. Die Symbiose aus Traineramt und Direktorium scheint also keine einfache zu sein. Warum sollte es also auf dem ersten Blick an der Pleiße anders funktionieren?

Dazu kommt, dass Rangnick heut schon das Vereinsbild so geprägt hat, wie kaum ein anderer Verantwortlicher vor ihm: Wolter als Geschäftsführer, Aehlig als Sportkoordinator, Schrof als Leiter des Nachwuchsbereiches usw. Sie alle wurden zum Teil direkt von Ralf Rangnick persönlich vorgestellt und man darf davon ausgehen, dass deren Auswahl ein Stück weit auch über den Tisch vom jetzigen Sportdirektor und Trainer ging. Bleibt die Frage: Was passiert, wenn Ralf Rangnick (wider erwartend) kurzfristig doch in Leipzig scheitert? Kein ungewöhnlicher Gedanke bei einem so schnelllebigen Geschäft, wie das des Cheftrainers. In der Regel werden diese dann samt Hofstaat (Co-Trainer, Torwarttrainer usw.) vom selbigen Hof gejagt. Wie sähe das dann aber bei einem Ralf Rangnick aus? Würde er sich die Niederlage eingestehen und sich einfach auf den Posten des Sportdirektors zurückziehen oder gar komplett die Zelte in Leipzig abbrechen? Welche Zelte brechen dann - im übertragenen Sinne - noch weg?

Natürlich ist dies viel Kaffeesatzleserei. Das sind aber keine unrealistischen Horrorszenarien à la Roland Emmerich, sondern relevante Fragestellungen, denen man sich besser früh als später bewusst wird. Als Magath damals in Wolfsburg jegliche sportliche Funktion in sich vereinte, hinterließ er nach seinem Abgang ein nicht zu unterschätzendes Vakuum. Es hat seine Zeit (und zum Teil viel Geld) gebraucht, bis mit Hecking / Alloffs dieses adäquat gefüllt werden konnte. Ein Szenario, welches ich mir hier in Leipzig sicherlich nicht wünsche.

Thixo

Erster Teil: Pro & Contra Trainer Rangnick: Wahnsinn, Risiko und top Voraussetzungen


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