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INTERVIEW FANVERBAND - FANARBEIT, ENTWICKLUNG FANSZENE UND NO-SHOW-RATE

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Leipzig - (18.10.2023) Den Fanverband gibt es als Dachverband seit 2013 und als Verein seit 2017. Aber was macht eigentlich der Fanverband? Wie sieht der Fanverband die Entwicklung der Fanszene? Wir haben mit Sebastian und Holger vom Fanverband dazu befragt und viele spannende Antworten bekommen.

Themenschwerpunkt: Was macht eigentlich der Fanverband?

Jupp: Seit wann gibt es den Fanverband? Wie viele Fanklubs sind beim Fanverband engagiert? Was ist die Intention hinter dem Fanverband?

Holger: Die Gründungsidee war eine Interessenvertretung für Fans, als Gegengewicht zur nicht vorhandenen Vereinsmitgliedschaft bei RB zu etablieren. Ursprünglich wurde der Fanverband im Jahr 2013 als Dachverband für Fanklubs gegründet, inzwischen sind wir breiter aufgestellt, sodass wir möglichst alle Themen, die im Stadion anfallen, bearbeiten. Ziel ist es möglichst alle Fans im Stadion anzusprechen, wobei Mitglieder im Fanverband natürlich stärkeren Einfluss auf die Themen nehmen können.

Im Jahr 2017 wurde der Verein Fanverband Leipzig e. V. gegründet, alles davor war ein loserer Zusammenschluss, seit der Vereinsgründung gibt es eine klarere Struktur mit festen Arbeitsbereichen. Aktuell hat der Fanverband 30 Fanklubs als Mitglieder


Tony: Wie ist die Struktur des Vereins?

Holger: Wir haben einen Vorstand mit 5 Personen, einen Beirat mit 3 Personen, eine Mitgliederversammlung, die mindestens einmal im Quartal tagt. Wir haben eine Kommunikationsstruktur für schnellere Antworten. Der Vorstand ist stärker für die Organisation der Veranstaltungen zuständig, im Beirat sind stärker die Arbeitsgruppen angelagert. Die Beiräte werden alle zwei Jahre gewählt, die Vorstände alle vier Jahre.


Tony: Was habt ihr für Arbeitsgruppen beim Fanverband?

Holger: Die AG Stadion war zum Beispiel bei der Gestaltung von Sektor B oder den Stehplätzen beteiligt. Es wurde nicht alles umgesetzt, wie es die AG wollte, aber die Ideen wurden berücksichtigt. Beispielsweise der Schriftzug über dem Block, die Blockregeln, wie sie jetzt seit dieser Saison vor den Treppen in Sektor B hängen, wurden wesentlich von der AG Stadion bearbeitet.

Die AG Stadionumfeld bringt sich beim Thema Stadionumfeld und allen Themen zur An- und Abreise bei den Spielen ein. Hier haben beispielsweise runde Tische mit der Stadt Leipzig und der LVB stattgefunden. Teile des Verkehrskonzepts "staufrei" der AG wurden bei der Teilsperrung der Jahnallee übernommen und weitere Maßnahmen sind in der Diskussion.

Wir haben noch eine AG Jugend mit Fahrten zu Auswärtsspielen für Jugendliche, hier fehlt es allerdings gerade an Manpower, um das richtig nach vorn zu bringen und der Verein hat eine extra Jugendfanbeauftragte eingestellt. Diese wird ab dieser Saison Angebote für Jugendliche deutlich ausbauen.

Die AG Frauen kümmert sich um das Thema sexualisierte Gewalt im Stadion. Es soll was passieren, aber man will nach außen auch nicht deutlich sagen, dass es im Stadion dieselben Probleme wie überall auf der Welt gibt. Dran ist man an dem Thema natürlich trotzdem.


Blockregeln an den Treppen vor Sektor B.



Jupp: Wie bewertet ihr das Thema Fanbetreuung zur neuen Saison?

Holger: Viele Dinge sind aus der damals präsenten Aktion "Wir müssen reden" entstanden. Heute muss man sagen, dass RB Leipzig auf dem Stand ist, wie wir es uns damals gewünscht haben, aber auch hier mit dem Gedanken zur Wiedervorlage. Wenn es mehr Fans gibt und viel mehr Gruppen, dann benötigt es natürlich auch mehr Fanbetreuer. Es gab Zeiten, da war die Fanbetreuung so schwach besetzt, da konnten Auswärtsspiele kaum abgedeckt werden und Fanbetreuer sind mitunter krank im Stadion für die Fans gewesen. 

Mittlerweile sind die Fanbetreuer breit aufgestellt, sodass man weiß, wen man bei welchem Thema anruft. Das ist ein klarer Fortschritt.


Sebastian: Die Manpower ist zwar bei der Fanbetreuung da, aber das einzige, was nicht Schritt gehalten hat, ist die Digitalisierung der Fanbetreuung.


Jupp: Der Fanverband organisiert auch die Fankneipe Zwo9er an den Treppenstufen nach dem Einlass auf der Festwiese. Wie wird diese mittlerweile angenommen? Wird die Fankneipe auch außerhalb der Spieltage genutzt?

Holger: Der Fantreff Zwo9er ist wie eine eigene Arbeitsgruppe und weitgehend selbst organisiert. Unter anderem wird der Zwo9er auch für den Fanverbandsstammtisch genutzt. Wir wollen transparenter werden und wer Lust hat mit uns in Dialog zu treten, der soll gern hinkommen.

Für Fanklubfeiern wird der Zwo9er immer wieder gemietet, das geht einfach über die Website des Fanverbands.

An Spieltagen vor dem Spiel wurde die Fankneipe vor dem Umbau stärker angenommen, was auch logisch ist. Früher war der Eingang nach den Treppen, sodass man sich entspannt mit einem Bier aus dem Zwo9er angestellt hat. Jetzt ist vor dem Spiel der Andrang etwas geringer.

Sebastian: Als Instanz ist der Fantreff vor allem nach dem Spiel etabliert. Bis 2 Stunden nach Spielende ist der Fantreff offen, da dies alle ehrenamtlich machen. Mit den Becherspenden oder der Röhre an der Bar werden Choreos oder Fanaktionen mitfinanziert. 


Jupp: Wie viele Personen sind im Fanverband aktiv in die tägliche Arbeit über alle Arbeitsgruppen oder den Zwo9er beteiligt?

Holger: Konstant regelmäßig aktiv, vielleicht ungefähr 30 Personen. Die Anzahl an Personen, die immer wieder mal was macht, ist deutlich mehr und dadurch natürlich auch wichtig.


Tony: Seid ihr als Fanverband für alle Fans im Stadion da?

Holger: Der Anspruch ist, für alle da zu sein. Die aktiven Fans im Fanverband sind sicherlich ein großes Sprachrohr und wir wollen versuchen eine Schnittmenge zu bilden, um auch Grabenkämpfe zu moderieren.

Sebastian: Der Vorteil ist, dass wir in alle Bereiche des Stadions bestmöglich vernetzt sind. Wenn man mit uns telefoniert, wird man spätestens mit dem zweiten Anruf eine Telefonnummer bekommen, mit der man reden will. Wir haben überall Kontakte und haben auch den Anspruch mit jedem sprechen oder reden zu können. Ohne das hochtrabend zu sagen, aber wir sehen uns schon auch als Korrektiv innerhalb der Fanszene. Wenn wir Strömungen sehen, die nicht in die richtige Richtung gehen, dann wird dies in die eine oder andere Richtung kommuniziert, ganz egal welche Gruppierung das ist.

Holger: Unser Ansinnen ist es, es geht nur zusammen. Keiner für sich allein kann in dem Stadion irgendwas reißen. Du brauchst jede einzelne Person, damit eine tolle Gemeinschaft entsteht. Dabei soll jede Person seine Art von Fußball im Stadion zu schauen/zu leben genießen können.


Jupp: Wie läuft bei euch beiden eigentlich ein Heim- und Auswärtsspiel ab? Geht ihr ganz normal ins Stadion?

Holger: Es kommt ganz darauf an, wie das vorherige Spiel lief. Beispielsweise wenn es einen Tumult zwischen zwei Gruppen gab, laden wir die einen Tag vor dem Spieltag ein, um das möglichst aus dem Stadion zu halten. Ansonsten bin ich ein bis zwei Stunden vor Einlass im Stadion drin, um sich mit dem Fanprojekt oder den Fanbetreuern auszutauschen und selbst anzukommen. Ab Einlass versuchen wir für jeden Zuschauer Ansprechpartner zu sein. 

Sebastian: Bei Auswärtsspielen ist es mitunter schwieriger. Bei Heimspielen hat jeder seinen Platz im Stadion gefunden, bei Auswärtsspielen stehen teilweise Gruppierungen zusammen, wo es weniger Schnittmengen gibt. Bei meinem Spieltag ist nicht der Fokus auf einen abkippenden Sechser, ich kann eher einschätzen, ob es irgendwo kritischer im Block wird.

Wenn ein Fanzug stattfindet, hat man als Organisator eine gewisse Grundverantwortung. Das Ziel ist es, die Fans möglichst gut wieder nach Hause zu bekommen. Deswegen stellt man sich an neuralgischen Punkten hin.




Holger: Das Auswärtsspiel in München war tatsächlich ein Thema. Nun ist es der Münchner nicht gewöhnt, dass ihm kurz vor Saisonende jemand den eigentlich sicher geglaubten Titel streitig macht und dementsprechend war ihre Laune nach unserem Sieg. Deswegen haben wir Security dazu geholt und entsprechend strukturiert. Dazu haben wir deeskalierend auf eigene Fans eingewirkt, damit es nicht zu unnötigem Stress kommt.


Jupp: Letzte Saison gab es zwei Fanzüge nach Bremen und München, davor war das Pokalfinale mit einem weiteren Sonderzug. Dazu kommen internationale Auswärtsfahrten mit Anreise per Schiff, Bus und Flug. Wie schafft ihr das als Fanverband?

Holger: In dem man seine Freizeit dafür opfert. :) Man hat zusätzlich zur eigenen Arbeit dann noch einen 20-Stundenjob, um den Sonderzug nach 14 Tagen zum Rollen zu bringen. Neben der eigentlichen Organisation ist auch die Kommunikation mit Fans sehr wichtig für uns und natürlich auch zeitaufwendig, da wir jede Frage beantworten. Die Buchung ist mittlerweile sehr professionell über unseren Shop möglich. Beim Einchecken scannen wir dann nur die QR-Codes, das hilft sehr.


Jupp: Welche Neuerungen gibt es durch den Fanverband zur neuen Saison?

Sebastian: Wir bieten seit dieser Saison den angesprochenen Fanstammtisch an, der abseits von Social Media im Direktgespräch eine Austauschplattform sein soll.




Holger: Zudem wird es zu jedem nationalen Auswärtsspiel eine Busfahrt über den Fanverband geben. Früher wurden stärker Fanbusfahrten in den Fanklubs organisiert. Da dies teilweise gesunken ist, wollen wir dies auffangen und Fanbusse zu den nationalen und internationalen Auswärtsspielen anbieten. Wir wollen nicht in Konkurrenz zu den anderen Fanklubs treten, nehmen auch die gleichen Preise, aber mehr Fans zu Auswärtsfahrten animieren.


Tony: Wie gestaltet sich die Kommunikation zwischen Fanverband und Verantwortlichen von RB Leipzig?

Holger: Prinzipiell professionell. Wenn wir Themen haben, dann können wir den kurzen Kommunikationsweg gehen, beispielsweise beim Ticketing direkt den Leiter anrufen. Was mitunter fehlt, dass proaktiv vom Verein stärker kommuniziert wird. Also nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern schon im Prozess selbst die Meinung des Fanverbands als Stellvertreter für Fans einzuholen. Wenn wir ein Anliegen haben, können wir jederzeit anrufen und wir wurden auch nie abgewiesen.

Sebastian: Sie nehmen aus ihrer Sicht gute Ideen gern auf und setzen sie auch um. Wenn es allerdings leicht kritischer wird, verzichten sie auch gern mal auf eine Kommunikation. Das Paradebeispiel ist die Preisgestaltung bei den Dauerkarten: Es ist klar, dass es Argumente für eine Preiserhöhung gibt, gleichzeitig ist es befremdlich, wenn man einen Tag vor Veröffentlichung der neuen Preise zum Termin geladen wird und nicht mal 24 Stunden später gibt es eine Veröffentlichung, dass gemeinsam mit dem Fanverband oder dem Club-Fan-Dialog eine Preiserhöhung beschlossen wurde. Hier würden wir uns wünschen, mehr einbezogen zu werden.


Jupp: Was haltet ihr vom neu eingeführten Club-Fan-Dialog? Ist diese zusätzliche Ebene ein Gewinn?

Holger: Wir haben es selbst mit angestoßen und waren auch bei der Lizenzfestlegung im Arbeitsforum der DFL involviert. Wir wollten es auf jeden Fall, auch wenn es vielleicht auch unsere eigene Stellung schmälert. Der Sinn liegt ja darin, dass die Fans mehr miteinander kommunizieren, insofern ist der Club-Fan-Dialog (CFD) ein Gewinn, auch weil es zusätzlich einen Fanrat gibt. Alle Fans im CFD bilden den Fanrat. Dieser redet immer vor jedem Club-Fan-Dialog miteinander, sodass Themen auch sortiert werden. Die letzte Club-Fan-Dialogs-Sitzung ging über vier Stunden und trotzdem wurden nicht alle Themen besprochen. Prinzipiell ist der CFD der richtige Weg und alle Protokolle von den Sitzungen können auch auf der Website von RB Leipzig eingesehen werden. 


Themenschwerpunkt: No-Show-Rate

Jupp: Zur Bekämpfung der No-Show-Rate sind vom Verein bauliche Veränderungen in der Diskussion, damit man hinter den letzten Sitzreihen weniger sieht. Ist das für euch ein guter Lösungsansatz und spricht der Verein mit euch darüber?

Holger: Für die Sicht im Fernseher ist das sicher eine praktikable Lösung. Ob sich die Leute dann wohlfühlen im Stadion an ihrem Platz ist fraglich, weil die Leute dort oben auf dem Rang ihre Freunde treffen und reden können. Deshalb sollte man gegebenenfalls überlegen, die Platzvergabe neu zu sortieren, vielleicht auch eine Art „Freundesystem“ anzubieten. Im Gespräch mit dem Verein und dem Fanverband haben wir daher zunächst von baulichen Veränderungen abgeraten. Man sollte lieber in den technischen Bereichen nachbessern, um zu verhindern, dass Karten nicht genutzt werden oder in einschlägigen Portalen landen. Man müsste Anreize schaffen, damit die Fans auf ihrem Platz im Stadion Freude haben und die Fans, die eine Karte haben, auch nutzen.

Sebastian: Der Verein hat hier auch ein Problem unabsichtlich selbst geschaffen. Die Leute kaufen sich teilweise günstige „Kinderdauerkarten“ und können dann zu den Topspielen bestenfalls diese einfach aufwerten. Zudem kommen die stellenweise nicht vorhandenen Kontrollen. Somit hat man eine günstige „Anrechtsdauerkarte“, welche man bei Bedarf nutzt oder wegen 10 € halt nicht.





Jupp: Wie seht ihr in diesem Zusammenhang die Maßnahme eine Mindestanzahl an Spielen besuchen zu müssen und / oder als Alternative eine Verpflichtung die Tickets in die Ticketbörse zustellen?

Sebastian: Grundsätzlich sollte eine Mindestanzahl an Spielen eingeführt werden. Der Verein würde hier wahrscheinlich auch gern die Dauerkartenpolitik der letzten Jahre zurückdrehen. Wie bereits angesprochen, würde eine Neusortierung der Dauerkartenplätze Sinn ergeben. Die Tickets, welche vor Spielbeginn in der Ticketbörse sind, sind meistens Lückenfüller. Es ist klar, dass diese Leute nicht wirklich Lust haben auf ihrem Platz zu sitzen oder im Stadion zu sein. Das betrifft vor allem einzelne Plätze so, dass Leute keine drei zusammenhängenden Tickets kaufen können und tricksen müssen. Daher der Grundsatz: Anreize schaffen und eine Neusortierung der Plätze, was wir gegenüber dem Verein angesprochen haben.


Tony: Es geht also bei der Thematik No-Show-Rate also weniger um das preisliche Segment, sondern um den Wohlfühlfaktor?

Holger: Es wäre tatsächlich interessant zu wissen, wie viele jetzt tatsächlich gekündigt haben. Hier gibt es unterschiedliche Angaben vom Verein. Allerdings haben auch einige gekündigt, weil es nach der Corona-Zeit nicht mehr das war, was es vielleicht vorher gewesen ist, sie andere Hobbys gefunden haben, etc.


Jupp: Es gibt seit einiger Zeit dieses Bundle-System. Heißt, man kauft einen Platz für drei Spiele, hat gegebenenfalls Bayern oder ähnliches drin, aber auch noch zwei Spiele, die einen nicht so interessieren. Könnt ihr euch damit anfreunden?

Sebastian: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Eins mit Sternchen. Aus unserer Erfahrung heraus weiß man, dass wir zu den anderen Spielen wieder ein deutlich leereres Stadion und die entsprechend schlechte mediale Rückmeldung haben werden, teilweise auch von den eigenen Fans, die auf den Social Media-Kanälen solche Angebote entsprechend negativ kommentieren.


Themenschwerpunkt: Entwicklung der Fanszene

Tony: Aufgrund des sportlichen Erfolgs der letzten Jahre ist natürlich auch die Zahl der Fans gewachsen. Ist die Mitmachquote im Fanverband der Mitglieder auch dahingehend gewachsen?

Holger: Es gab einen Sprung mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga, aber zwischenzeitlich ist das ganze abgeflacht. Wir haben vereinzelt Anfragen von Fanclubs, die OFC werden wollen und denken hier würde das Mitglied sein beim Fanverband etwas dazu beitragen. Grundsätzlich ist die Anfangseuphorie der ersten zwei Bundesliga-Jahre nicht mehr da. Man merkt es stellenweise auch bei den Fanclubs selber, dass sie Schwierigkeiten haben, die einzelnen Leute zum Mitgestalten zu motivieren. Auch sind die Erwartungen der Generation, welche dazu gekommen sind etwas hoch. Von der Idee des Kurven-Kodexes bis zu Verwirklichung hat es 5 Jahre gedauert. Man braucht hier einen langen Atem und wenn man das nicht weiß, schwindet sehr schnell die Motivation.


Tony: Habt ihr bezüglich des nun ausgehangenen Kurven-Kodexes eine Verbesserung hinsichtlich des Verhaltens im Block bemerkt?

Holger: Durch die Stehplätze ist schon etwas mehr Dynamik in Bezug auf die Mitmachquote entstanden. Es hängt auch allerdings viel vom Capo ab. Alle stimmen zwar dieselben Lieder an, man spürt aber die Generationsunterschiede schon stark. Da lassen sich ältere Fans von jüngeren Capos nicht vorschreiben, was man zu machen und zu lassen hat. Je mehr Grabenkämpfe drumherum, desto weniger funktioniert der Support.

Wir hatten vor einigen Jahren die gemeinsame Aktion mit der aktiven Fanszene zur 10 Jahres-Choreo. Da gab es absolut keine Probleme. Da haben sich unterschiedliche Generationen getroffen und gemeinsam diese Choreo gestaltet und umgesetzt. Teilweise haben sich die Fans dann auch wieder im Stadion gesehen und gegrüßt und verabredet. Wenn man sich kennt, ist das alles kein Problem. Hört man aber nur aus einer anderen Perspektive von der oder der Szene, mag man sie nicht. Daher müssen wir mehr daran arbeiten die unterschiedlichen Fanszenen zusammen zu bringen.


Tony: Gibt es denn die gemeinsamen Projekte noch?

Holger: Die Gestaltung des Stadionumfelds gibt es derzeit. Wir haben hier ein Testprojekt gestartet, allerdings hält die Farbe derzeit nicht. Wenn dies geklärt ist, wollen wir mit vielen Fans gemeinsam den Eingangsbereich gestalten. Mit Choreos ist es schwierig, für die Anfertigung braucht es eigentlich nicht viele Leute. Bei der 10 Jahres Choreo war es so, dass es vielmehr um den Zusammenhalts-Gedanken gegangen ist, statt um die Herstellung der Choreo an sich.

 

Hat die Fanszene zusammen gebracht die 10 Jahres Stadion Choreo.



Jupp: Wie hat sich der Zusammenhalt grundsätzlich entwickelt? Ist er in den letzten Jahren mehr geworden oder weniger?

Holger: Wir waren auf einem guten Weg, durch Corona kam es allerdings zu einem Rückschritt. Es haben sich einige Fanclubs gespalten in dieser Extremsituation. Dazu kommt, dass man zu wenig für den Zusammenhalt macht. Beispielsweise der OFC-Weihnachtsmarkt sollte für alle da sein und nicht nur weil in einer OFC-Vereinbarung drin steht, dass man dieses exklusive Event hat. Wenn eine Veranstaltung sowieso so geplant ist, sollte es etwas weiter gefasst werden, um alle mit ins Boot zu holen.

Sebastian: Das Problem ist, dass viele Parteien denken sie wären der Nabel der Welt. Wenn wir jedoch wieder zu dem Punkt kommen, dass sich die einzelnen Gruppen bewusst werden, dass wir eine Gemeinschaft sind und sich auch zurücknehmen, dann kommen wir wieder weiter.


Jupp: Wie schafft man es als Fanszene wieder zusammen zuwachsen? Machen gemeinsame Choreos mehr Sinn?

Sebastian: Die Choreos müssen aus den einzelnen Fanclubs kommen. Wir können hier sicher unterstützen, aber letztlich muss das wachsen. Es wäre sinnvoll, nicht gleich das ganze Stadion mit einzubinden, sondern erst einmal im kleinen Rahmen zu testen. So könnte eine Choreo nur für den Block ausreichend sein oder gegen eine Mannschaft, die eh nicht so im Fokus steht. Es sollte sich ja ausprobiert werden und dann darf sich der Rest natürlich nicht darüber aufregen, wenn etwas mal nicht so funktioniert, wie es sollte. Dann sollte es so kommuniziert werden, dass sich Fanclub XY mal versucht hat. Nur so kommen wir weiter.


Themenschwerpunkt: Danke!

Jupp: Abschließend haben wir jetzt viel von euerer Arbeit im Fanverband erfahren. Mit was für Themen ihr euch beschäftigen müsst und was ihr koordiniert und gestaltet. Wann sagt ihr, dass sich eure ehrenamtliche Arbeit gelohnt hat?

Holger: Immer dann, wenn die Projekte abgeschlossen sind, auch die Teilschritte. Wie mit dem Beispiel des Kurven-Kodexes oder ähnlichem. Immer dann, wenn wir einen Schritt weiter gemacht haben. Auch ist es schön, wenn man zum Beispiel mit dem Sonderzug unterwegs ist. Klar hat man selbst Arbeit damit, aber man schaut in die glücklichen Gesichter, die sich über eine top organisierte Fahrt freuen dürfen.

Sebastian: Dazu kommen die Momente, die nicht unbedingt im Stadion zu sehen sind. Es ist ein Erfolg den Leuten vor und nach den Spielen zu helfen und ein offenes Ohr zu haben. Wir schauen die Spiele mittlerweile nicht mehr wirklich, aber wir sind da und unterstützen vor Ort und freuen uns den Fans mit unserer Arbeit ein schönes Erlebnis gegeben zu haben.


Vielen Dank an Holger und Sebastian für das offene und informative Gespräch. Wir freuen uns, dass der Fanverband solch eine Arbeit für uns Fans leistet.


Jupp & tony4arsenal


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