Himmlischer Beistand in letzter Minute rettet Leipzig den Punkt
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Schwierig sich derzeit auf den Fußball zu konzentrieren. Der Krieg in der Ukraine bedeutet eine Zeitenwende in Europa. Das Leid und die Auswirkungen beschäftigen viele und so auch die RBL Fanszene, die zu Spenden aufrief. Einige zeigten zudem sprichwörtlich Flagge und kamen in den Leipziger Stadt- bzw. den Ukrainer Landesfarben.
Gvardiol wurde also rechtzeitig fit. Abseits des überragenden Kroaten rotiert Tedesco erneut fleißig. Poulsen ersetzt Silva, Forsberg kommt für Olmo. Auch Henrichs (Mukiele), Simakan (Klostermann) und Laimer (Haidara) bekommen eine Pause. Zwar gibt der Kader viel her und Tedesco konnte nachlegen aber im Spitzenspiel wäre ggf. auch die beste Elf gefordert gewesen.
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Dreisatz des Spiels
Die Erfolge aus den letzten Wochen dürfen nicht überdecken, dass Leipzig sich gegen gut gestaffelte Gegner extrem schwertut (gegen Köln, Bochum und Freiburg jeweils weniger als ein xG). Der Freiburger Treffer etwas glücklich (Kampl und Haidara fälschen ab, Klostermann senst drüber, Gvardiol kommt knapp zu spät) aber offensiv hatte auch Leipzig gegen die beste Defensive der Liga wenig zu bieten. Das änderte sich erst nach den Einwechslungen von Silva, Olmo, Henrichs und Szoboszlai sowie dem Ausfall von Freiburgs Schlotterbeck und so belohnte Angeliño eine engagierte Leipziger Schlussphase (10 von 14 Torschüssen in den letzten 30 Minuten).

Forsberg weitestgehend glücklos.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Angeliño: Es lief viel über links – eigentlich zu viel, weil das Leipziger Spiel dadurch ausrechenbarer war. Aber Angeliño brachte in einem offensiv mauen Spiel am ehesten noch etwas Gefahr mit. Die Flanken natürlich mit der gewohnten Streuung (nur eine von acht kam an). Mit seinem Tor dennoch der Matchwinner.
Gvardiol: Defensiv und offensiv immer noch einer der wichtigsten Spieler. Hatte beim Tor etwas Pech, dass er nicht mehr klären konnte und die Abschlüsse waren ebenfalls ungefährlich. Er hatte die meisten Ballberührungen (149) und die zweitmeisten Pässe (116) auf dem Feld, leider hauptsächlich, weil RBL so oft hintenrum spielen musste.
Haidara: Bewegte sich im Spielaufbau nicht ideal zwischen den Ketten und war dadurch nicht so gut anspielbar, hatte aber offensiv ein paar Momente (Fernschuss, lange Bälle in die Spitze). Beim Gegentor im Pech, dass er den schon abgefälschten Ball nochmal abfälscht.

Angeliño - ein Engel in der Not.
Luft nach oben
Nkunku: Heute quasi abgemeldet. Vergab die einzige gute Chance vor der Schlussphase (33. Minute) als er seinen Lupfer arg unpräzise ausführt. Daneben nicht viel zu sehen vom Überflieger der Saison, es war sein einziger Abschluss.
Klostermann: Traut sich weiterhin zu wenig. Die offensiv wirkungsvollen Pässe können sogar schon Vorschulkinder zählen. Die Linkslastigkeit des Leipziger Angriffs liegt auch an der im Vergleich zu Gvardiol wenig risikobereiten Spielweise.
Poulsen: Wie Nkunku trat auch er nur selten in Erscheinung. In den Zweikämpfen oft nur zweiter Sieger und oft auch etwas zu schnell maulend. Machte er den Ball mal fest, folgten auch prozentual zu viele Fehlpässe. Insgesamt war Silva da deutlich besser, auch wenn Freiburg da schon etwas die Kräfte schwanden.
Kategorie schlecht gealtert
36. Wann klingelt es auch in LE?
In allen anderen Spielen ist nun mindestens ein Tor gefallen. Nur in Leipzig steht es noch 0:0.
Oscar Wilde gefällt das... "Wenn die Götter uns strafen wollen, erhören sie unsere Gebete."
Tweet des Spiels
„Wozu sind Kriege da?“ Der Udo-#Lindenberg -Song läuft im Leipziger Stadion - Gänsehaut #RBLSCF #RBLeipzig @udolindenberg pic.twitter.com/osfkwNmNHB
— RBlive! (@rb_live) March 5, 2022
Udo hat recht!
Champagner statt Bier – die Fans
Gegen Freiburg galt die 3G Regel und sofort waren die Ränge schnell gefüllt, nur wenige Restkarten waren verfügbar. Zum Heimspiel gegen Frankfurt kann das Stadion trotz allerorten hoher Inzidenzen wieder mit 47.000 Zuschauern gefüllt werden. Volle Heimpower für den Endspurt. Die Stimmung trotz des Spielverlaufs gut. Nicht nur im Fanblock wurde für Frieden und gegen den Krieg in der Ukraine Flagge gezeigt. Ein Krieg der nur rund 1.000 km von uns entfernt stattfindet. Ein wichtiges Zeichen der Fanszene bzw. der Bevölkerung.
#WeStandWithUkraine @rb_fans #RBLSCF pic.twitter.com/1n1aF0aZVf
— Grenzgänger (@MoskvaExpat) March 5, 2022
#WeStandWithUkraine
Pfeife des Spiels
21 Einsatz, des nicht unumstrittenen Zwayers (wir erinnern uns an das berüchtigte zwayerlei Maß), bei einem Leipziger Spiel, der 22. bei einem Freiburger. Schon im November 2020 pfiff er diese Ansetzung, Leipzig siegte mit 3:0. Überhaupt seine Bilanz in den letzten drei Spielzeiten besser als sein Ruf – acht Spiele, vier Siege, eine Niederlage (gegen den BVB 2020). Zuletzt leitete er in der Hinrunde den ersten Sieg über den BVB seit vier Jahren. Freiburg siegte dagegen in den letzten sieben Jahren nur ein Spiel mit seiner Beteiligung.
Während der Begegnung nur wenige brenzlige Situationen für Zwayer. Einzig, dass Freiburg mit doppelt so vielen Fouls am Ende weniger Karten – nämlich gar keine – kassierte als RBL, kam doch leicht befremdlich rüber.

Poulsen hatte einen schweren Stand.
Aufgefallen
1) Wenn die beiden besten Defensiven der Liga aufeinandertreffen, dann ist nicht mit einem Spiel zu rechnen, dass offensiv einen Schönheitspreis gewinnen wird. Freiburg verlegte sich vollkommen auf Konter und Standards, eine Strategie, die RBL auch aus den Spielen gegen Köln und Bochum kannte, trotzdem kam Leipzig damit nicht zurecht. Das unglückliche Gegentor, Freiburgs einzige echte Chance, spielte ihnen zusätzlich in die Karten. Insgesamt muss aber konstatiert werden, dass Leipzig die ersten 60 Minuten fast vollständig verschenkte und offensiv extrem ideenlos agierte.
2) Maximal unglückliches Gegentor. Zuerst nicht entschieden genug angegriffen, dann springt der Ball von Kampl zu Haidaras Schienbein, Klostermann senst über diesen Zufallspass und Demirovic steht genau richtig, dagegen kommt Gvardiol ein paar Millisekunden zu spät, um noch zu klären. Das egalisiert auch ein wenig den ebenso glückliche späten Ausgleichstreffer, wodurch das Unentschieden auch irgendwo leistungsgerecht war.

Klostermann beim Gegentor im Pech.
3) Freiburgs Mittel durchaus legitim, aber es spricht nicht gerade für die Liga, dass solche Teams, um die Champions League mitspielen können. Es verwundert nicht, dass die deutschen Vereine dieser Couleur in Europa nix reißen, denn dort muss man auch irgendwann ein Spiel gestalten können (es sei denn man heiß Atletico Madrid). Das versucht man spätestens seit Rangnick und Nagelsmann auch in Leipzig und auch Tedesco bringt diese Qualität mit, auch wenn momentan nicht immer alles gelingt, so sind die Ansätze dafür zu sehen.
4) Ein wenig enttäuschend war es schon, dass Leipzig den Frischevorteil nicht wirklich in Torgefahr übersetzen konnte. Freiburg mit 120 anstrengenden Minuten gegen Bochum in den Beinen, während RBL mit vielen Wechseln in Hannover recht zügig komfortabel vorne lag. Auch das natürlich ein Grund, warum Freiburg hier nicht ins offene Messer rennen wollte, aber RBL bleib lange viel zu harmlos.

Haidara zu oft nicht anspielbar aber mit ein paar seltenen guten Ideen.
5) Schlotterbeck ist schon ein interessanter Kicker. Auch heute einer der besten Freiburger. Kein Wunder, dass er momentan schon bei den Bundesligatopklubs im Gespräch ist. Letzten Sommer hätte auch RBL vielleicht noch Chancen gehabt, aber da versteifte sich die sportliche Leitung auf Lacroix. Jedenfalls kippte die Freiburger Defensive nicht nur wegen der Einwechslung von Olmo und Co. sondern auch aufgrund der Verletzung Schlotterbecks.
6) Der Ansatz den Gegner aus der Reserve zu locken klappte nur ganz selten. In den letzten Spielen war es häufig zu beobachten, dass RBL sich tief fallen ließ und die Defensive sich die Bälle am Strafraum zuspielte, um Räume zu schaffen. So auch vor der Chance in der 33. Minute, aber Freiburg roch den braten und fiel nur ganz selten darauf hinein und musste das nach der eigenen Führung auch nicht mehr.
Und hier liegt mMn der Hund begraben.
— aus_LE (@aus_LE1) March 5, 2022
Wenn man es weiß, dann muss Plan B oder C greifen mit entsprechenden Personal.
Überladen der linke Seite, kompakt hinten sicher stehen+rausspielen, alles gut und schön. Kann man auch bis zur Hz machen, aber dann muss angepasst werden.#RBLSCF https://t.co/KLhO8LfshC
Gegen tiefstehende Gegner hat Leipzig noch nicht die richtigen Rezepte.
7) Links, linker, RB Leipzig. Nein, gemeint ist nicht die politische Einstellung, sondern die Spielanlage. Nicht nur dem rotebrauseblogger, sondern wohl so jedem Trainer der Liga, dürfte diese Linkslastigkeit aufgefallen sein. So stehen die Leipziger sich auf der einen Seite die Beine in den bauch und haben es schwer Raumgewinne zu erzielen, während der rechten Seite die kalte Schulter gezeigt wird, das änderte sich mit der Hereinnahme von Henrichs, dessen Entwicklung unter Tedesco zu den ganz großen Überraschungen der Saison gehört. Aber auch ohne Henrichs sollte RBL daran gelegen sein, die eigene Spielanlage nicht so extrem ausrechenbar zu machen.
8) Die offensiv fast schon vergeudeten ersten 60 Minuten lagen nicht zuletzt an den vielen Wechseln in der Startelfe, die Tedesco mit dem Argument der Frische begründete. Vielleicht wäre es besser gewesen die Topelf im Sechs-Punkte-Spiel gegen Freiburg statt gegen Hannover zu bringen (die heute übrigens gegen Sandhausen verloren). Offensiv fallen Poulsen, Mukiele und Forsberg derzeit gegen Olmo, Henrichs und Silva, die dann kamen deutlich ab. Ein Sieg hätte die Lage in der Tabellenspitze entspannen können, so dürfte es bis zum Saisonende ein Kopf an Kopf Rennen bleiben.
9) In diesem Rennen kann Hoffenheim morgen vorlegen. Gewinnt allerdings Köln, würden auch sie wieder zum Kreis der Champions League Aspiranten stoßen. Daher gilt es nun für RBL die nächsten zwei Spiele in der Liga zu gewinnen und am besten auch aus Dortmund etwas Zählbares mitzunehmen, denn der April wird heftig…
Tedesco-Tabelle. @rb_fans #RBLSCF pic.twitter.com/oP1ocYFhdY
— Barium Magnesium 🌓🚀 (@Bariummagnesium) March 5, 2022
Auch wenn es heute nicht zum Sieg reichte, so ist der Unterschied zur Hinrunde frappierend.
Gemessen am Spielverlauf ein Punkt, der sich eher wie ein Sieg anfühlt, denn eine Niederlage gegen den SCF wäre deutlich schwerer zu verdauen gewesen. Trotzdem bleiben Probleme bestehen, die auch schon in den letzten Spielen zu sehen waren. Schwierigkeiten eine geordnete Defensive auszuhebeln, schwach erste Hälften, Leistungsunterschiede im Kader und eine große Abhängigkeit von Nkunku.
Hoffenheim kann morgen an RBL vorbeiziehen und durch das Unentschieden verpasste Leipzig die Möglichkeit sich an Leverkusen heranzurobben. Es bleibt also extrem eng im Kampf um die Champions League Plätze. Morgen dann die Auslosung des Pokalhalbfinals, vielleicht ergibt sich ja nochmal die Möglichkeit es gegen Freiburg besser als heute zu machen…
Die kommenden drei Wochen fast schon entspannt – zumindest im Vergleich zu den letzten drei englischen Wochen. Nur noch zwei Spiele bis Anfang April: in Fürth und daheim gegen Frankfurt, die aber ihrerseits zuvor gegen Betis Sevilla ranmüssen. Beide Spiele sollten gewonnen werden, denn im April kommt dann die Crunch Time der Saison mit einem Stakkato von Topspielen. Es ist quasi die Ruhe vor dem Sturm.
Die Pressekonferenz zum glücklichen Last-Minute-Unentschieden.
Kicker – Whoscored – Sofacore – Understat – RBL – Bundesliga – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Mukiele (58. Henrichs), Klostermann, Orbán, Gvardiol, Angeliño – Haidara, Kampl (58. Olmo) – Forsberg (79. Szoboszlai) – Poulsen (58. Silva), Nkunku
SC Freiburg: Flekken – Gulde (89. K. Schlotterbeck), Lienhart, N. Schlotterbeck (65. Sildillia) – Kübler, Eggestein, Haberer, Günter (C) – Höler (79. Petersen), Demirović (79. Sallai), Grifo (66. Jeong)
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Tore: 0:1 Demirović (38.), 1:1 Angeliño (90.)
Torschüsse: 14 / 4
Schüsse aufs Tor: 6 / 3
expected Goals: 0,75 / 0,5
Passquote: 88% / 71%
Zweikampfquote: 58% / 42%
Ballbesitz: 72% / 28%
Laufleistung: 114,2 km / 115,8 km
Sprints: 166 / 161
Fouls: 8 / 15
Ecken: 4 / 1
Abseits: 1 / 5
Gelbe Karten: Henrichs (3) / –
Zuschauer: 24.758
Rumpelstilzchen
) wie Lautern, Schalke, Düsseldorf etc. die letzten Jahre einfach nichts auf die Reihe bekommen haben. Viele Auswärtsfans zu haben, bedeutet rein GAR NICHTS!!! Hier geht es immer noch um sportliche Leistungen. Das wüsste man, wenn man mal ab und zu auf's Spielfeld schaut und sich nicht oben hinter "den Linien" mit etwas anderem beschäftigt - vorausgesetzt, man interessiert sich WIRKLICH für diesen Sport und nicht nur für den ganzen Blödsinn am Rande...