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Erlöser Diomande bezwingt Nicolas

Erlöser Diomande bezwingt Nicolas

Die Bullen bleiben daheim eine Macht gegen Fohlen – auch im zehnten Heimspiel konnten die Gladbacher nicht in Leipzig gewinnen und obwohl sich RBL lange schwertat und mehrfach an Keeper Nicolas verzweifelte, erlöste Diomande unsere Rasenballer in der 80. Minute. Das Spiel, welches auch 3:2 hätte enden können, war letztlich ein verdienter Sieg, für dessen negative Seiten besonders die Fans der Borussia mit zerstörten Toiletten und Bannern gegen ihren eigenen Kapitän sorgten.
Yan Diomande
Spieler im Fokus

Yan Diomande

#49
Team- und wettbewerbsübergreifende Statistiken
30 Spiele
2.205' Minuten
11 Tore
8 Vorlagen

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Drei Spiele hatte Leipzig gegen die Fohlen zuletzt weder getroffen noch – logischerweise – gewonnen. Zudem war das letzte Mal, dass Leipzig drei Spiele in Folge für sich entscheiden konnte, länger her als das Hinrunden-0:0 gegen die Gäste. Insofern war es ein richtungsweisendes Spiel gegen das Team des kommenden Sommerneuzugangs Rocco Reitz, um Platz 3 und die Aussicht auf die Königsklasse zu verteidigen. Immerhin hatte RBL noch nie ein Heimspiel gegen die Borussia verloren – daran galt es im zehnten Duell in der Red Bull Arena anzuknüpfen.

Ole Werner beließ Ouédraogo und Gruda vorerst auf der Bank und startete mit Bitshiabu für den verletzten Lukeba. Im Mittelfeld agierte die Ösi-Achse aus Seiwald, Schlager und Baumgartner. Bei den Gästen kehrte Gladbachs Topscorer Haris Tabaković in die Startelf zurück und Rocco Reitz trug die Kapitänsbinde. Im Fokus sollte jedoch Moritz Nicolas stehen, der mit zehn Paraden vor dem 1:0 durch Diomande zwischenzeitlich zum notenbesten Spieler avancierte und RBL bis dahin verzweifeln ließ.

 

Die beiden Topscorer sichern den Dreier.

 

Dreisatz des Spiels

Ein Spiel mit insgesamt sechs Großchancen (4:2), das Leipzig letztlich verdient gewann, dabei jedoch eine ordentliche Portion Glück hatte – zumal die beiden Möglichkeiten der Borussia wohl die besten des gesamten Spiels waren. Während Castrop freistehend aus kurzer Distanz in Vandevoordt seinen Meister fand, scheiterte Chiarodia am Ende an der Latte. Das wäre in vielen Spielen der späte Ausgleichstreffer gewesen.

Mit dem Sieg ist es den Rasenballern nun erstmals seit der Hinrunde gelungen, drei Spiele in Folge zu gewinnen und mit 20 Punkten aus den letzten neun Spielen ist man Zweiter in der Formtabelle hinter den Bayern. Auch wenn es erneut Abzüge in der B-Note gibt, scheint RBL bereit für die Crunchtime.

 

11 parierte Schüsse von Nicolas aber gegen Dio war er chancenlos.

 

Team Glas Halbvoll

Fünf Siege aus den letzten sechs Spielen und nur ein Gegentor in den letzten drei Heimspielen. Den Platz in den Top 4 verteidigt und Hoffenheim auf Abstand gehalten. Ein insgesamt verdienter Sieg, bei dem wieder einmal auf Diomande Verlass war – und das, obwohl mit Lukeba, Gruda und Ouédraogo wichtige Schlüsselspieler zu Beginn oder komplett fehlten.

Darüber hinaus ist Leipzig nach den Bayern punktetechnisch die Mannschaft der Stunde – da darf ein gutes Pferd auch mal nur so hoch springen, wie es muss. Die Widerristhöhe eines Fohlens ist schließlich auch nicht allzu hoch …

 

Werner aktuell gleichauf mit Nagelsmann.

 

Aufgefallen

1 – Das ist doch Wucher!

Chancenverwertung besteht bei RBL fast immer aus Extremen. Entweder gnadenlos effizient (wie gegen die TSG) oder man hat – deutlich häufiger – die Spendierhosen an und vergibt freigiebig beste Möglichkeiten. Gegen die Borussia war es lange Zeit leider Letzteres, was wie so oft zu einem engen Spielverlauf beitrug. Aktuell hat nur Mainz (13) mehr Tore nicht erzielt, als durch xG zu erwarten wäre (Leipzig 7).

Besonders Rômulo und Baku hatten mehrfach die Chance Leipzig in Führung zu bringen und vergaben gemeinsam fast 1,5 xG. Am Ende musste es dann die Leipziger Lebensversicherung Diomande richten. Wenngleich sich auch die Gäste über ihre eigene Abschlussschwäche beschweren konnten, ging der Sieg bei insgesamt über 4 xG (2,6:1,7) in Ordnung – dass dabei nur ein Tor fiel, war schon fast absurd ineffizient von beiden Seiten.

 

Als hätten sie es geahnt.

 

2 – Man klopft auf Holz

Ein Grund für die Treffunsicherheit ist die fast schon magische Anziehungskraft, die das Aluminium in dieser Saison auf die Rasenballer ausübt – ein Thema, das wir bereits in mehreren Spielberichten hatten.

Aktuell steht RB je nach Statistik bei 19 (fussballtransfers.de) bzw. 16 (bundesliga.de) Pfostentreffern. Gegen Gladbach trug sich Raum direkt wieder in diese Liste ein und steht nun – je nach Quelle – gleichauf mit Nusa (jeweils 3) oder knapp dahinter.

Die Statistik wirkt dabei erstaunlich variabel, obwohl sie eigentlich leicht zu erfassen sein sollte. Fakt ist: RBL hat laut bundesliga.de den eigenen Höchstwert der letzten Jahre (16) bereits eingestellt – und ein paar Spieltage stehen noch aus.

Den internen Bestwert dürfte Silva 2022/23 aufgestellt haben – damals traf er fünfmal Aluminium (Nkunku viermal) und war damit derjenige in der gesamten Liga, der am häufigsten "anklopfte".

 

Antreiber Raum.

 

3 – Der Kapitän geht voran

Neben Diomande, der durch sein Siegtor im Fokus stand, waren die Zahlen des Kapitäns besonders beeindruckend. Raum schlug fast doppelt so viele Flanken wie seine Teamkollegen (20 vs. 11) und auch mehr als alle Gladbacher (18). Zudem fanden mehr seiner Flanken ihr Ziel (6) als bei Mitspielern oder Gegnern (jeweils 5).

Das führte zu insgesamt acht wichtigen Pässen – so viele wie Diomande, Baku und Baumgartner zusammen. Auch im Zweikampf am Boden überzeugte Raum mit 75 % Erfolgsquote. Bei Whoscored war er ohne Torbeteiligung der bestbewertete Leipziger vor Gladbachs Keeper und Torschütze Diomande.

 

Topwerte für Raum.

 

4 – Der alte Mann und der "Chad"

Viel wurde vor dem Spiel über die Zusammensetzung der Innenverteidigung spekuliert. Letztlich entschied sich Ole Werner für Bitshiabu, der im Verbund mit Orbán ein solides Spiel machte.

Für den 20-Jährigen, der nach der Hinrundenpleite gegen Hoffenheim verletzungsbedingt pausieren musste und zuletzt seinen Platz verloren hatte, war es ein Sprung ins kalte Wasser. Neben kleineren Problemen im Stellungsspiel und im Zweikampf (25 %) war es dennoch ein ordentlicher Auftritt – besonders die Klärungsaktion gegen Bolins Schuss in der 34. Minute stach hervor.

Das macht Hoffnung, dass der Franzose im Falle eines möglichen Lukeba-Abgangs im Sommer noch einmal angreifen kann. Linksfüßige Innenverteidiger sind schließlich rar.

Und so ein Neustart gelingt leichter, wenn im Hintergrund "Papa" Willi bereitsteht, um Stabilität zu geben. Mit 70 % Zweikampfquote und soliden Passwerten sorgte der ehemalige Kapitän für Ordnung. Ein Grund mehr nochmal über eine Verlängerung über 2027 hinaus nachzudenken.

 

So glücklich hat man Bitshiabu diese Saison selten gesehen.

 

5 – Wachablösung im Kasten

Einen Schritt weiter ist RBL nach diesem Spiel bereits in der Frage der Torwart-Zukunft. Vandevoordt bleibt trotz der Rückkehr von Gulácsi zwischen den Pfosten und kassierte in den letzten sechs Spielen maximal ein Gegentor.

Der Sieg gegen Gladbach war sein zweites Spiel zu Null – und damit schon jetzt mehr als in der gesamten Vorsaison, in der ihm das nur in zwei Kurzeinsätzen gelang.

Eine erfreuliche Entwicklung für den Belgier, die zeigt, dass – wie auch bei Bitshiabu – Spielpraxis der Schlüssel ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Entwicklung der jungen Bankspieler bei RBL auch unter den begrenzten Einsatzzeiten leidet.

 

Rômulo glücklos.

 

6 – Man kann auch ohne 9 bis 11 zählen

Durch die Verletzung Harders und den Einsatz Konatés bei der U19 hatte Werner keinen klassischen Mittelstürmer auf der Bank.

Rômulo vergab jedoch fast einen kompletten xG (0,89) und gehörte zu den schwächeren Spielern auf dem Platz. Zwar konnte er einige Bälle festmachen, blieb insgesamt aber unter seinen Möglichkeiten und untermauerte seinen Ruf als Chancentod – nur Ilic von Union ließ in dieser Saison noch mehr xG liegen.

Dass er dennoch zu den Top-3-Torschützen bei RBL gehört, zeigt das Verbesserungspotenzial auf dieser Position.

Ist eine falsche Neun also die Lösung? Eher nicht. Nach seiner Auswechslung kamen die besten Chancen zwar aus Umschaltsituationen, insgesamt verlor Leipzig jedoch an Kontrolle. In den letzten 30 Minuten vor seinem Wechsel ließ man keinen Torschuss zu, danach waren es sechs.

 

Musst du halt mit leben... Aber nicht mehr lang.

 

7 – "Nus" das sein?

Nach seinem starken Auftritt gegen Bremen fiel Nusa gegen die Fohlen wieder in alte Muster zurück. Nur 10 angekommene Pässe, 63% Passquote, unter 30% Zweikampfquote, kein gewonnenes Dribbling. Trotz Stammplatz bleibt auch seine Ausbeute mit fünf Ligascorern zu gering.

Er liegt damit hinter Ouédraogo bzw. gleichauf mit Gruda und Harder – bei deutlich mehr Einsatzminuten. In der Schlussphase der Saison muss hier mehr kommen, sonst sollte Werner Alternativen in Betracht ziehen – zumal mit Gruda und Ouédraogo sichtbar mehr Dynamik ins Spiel kam.

 

Verbesserungspotenziale auf den Leipziger Rängen.

 

8 – Das Schweigen der Blöcke

Mit vielen schweigenden Gladbach-Fans in den ersten 19 Minuten war zu rechnen – überraschender war, dass auch die Leipziger Kurve über weite Strecken unter ihren Möglichkeiten blieb. Die Problematik hat FlyingLipsia schön auf X zusammengefasst.

Die Mitmachquote ohne Capos außerhalb des zentralen Blocks ist schlicht geringer. Erst in der Schlussphase nach dem Tor kam spürbar mehr Energie auf. Insgesamt wirkt der große Stehplatzbereich aktuell etwas überdimensioniert.

 

Nächste Saison muss sich Reitz nicht zurückhalten, wenn er Hunger hat.

 

Das Letzte – Wessi Horsts erste Bratwurst

Seit zehn Jahren die gleiche Fanaktion gegen RBL – das muss wohl diese vielzitierte Tradition sein. Kreativ ist anders, aber wir werden es verkraften. Der Hass gegenüber Rocco Reitz ging dabei deutlich zu weit – zumal er als Kapitän ein gutes Spiel machte. Und seien wir ehrlich: Gladbach ist längst nicht mehr das Sprungbrett lang vergangener Jahrzehnte. Wer heute international oder in die Nationalelf will, muss den nächsten Schritt gehen. Obendrein sorgten die Borussen Fans zwar nicht wie angekündigt für eine Reduktion der Umsätze an den Stadionbuden, dafür aber für zerstörte Sanitäranlagen. Erbärmlich!

 

Hass macht hässlich...

 

Fazit

Kein großes Spiel, aber ein verdienter Sieg der Rasenballer, bei dem die Leipziger Bullen über die Gladbacher Fohlen eben nur so hoch sprangen, wie nötig.

Offensiv war das – abgesehen von der Chancenverwertung – durchaus ordentlich, defensiv ließ man etwas zu viele Möglichkeiten zu. Dennoch sprechen die Zahlen (11:3 Torschüsse, 3:2 Großchancen) für eine klare Angelegenheit.

Nun wartet mit Frankfurt eine ganz andere Aufgabe – dort konnte RBL bisher noch nie gewinnen (5 Remis, 5 Niederlagen). Ein Sieg wäre ein echter Big Point im Kampf um die Königsklasse.

Mit einem Treffer würde Diomande zudem mit den bisherigen Top-Torschützen dieser Paarung (Werner & Poulsen – je 4) gleichziehen. Wenn das kein zusätzlicher Anreiz ist …

 

Kollektive Freude mit Baumi.

 

In eigener Sache:

Der Umbau der Seite schreitet voran, und ihr habt nun die Möglichkeit, Widgets individuell an- und auszuschalten sowie zu verschieben – sofern ihr über einen Foren-Login verfügt.

Damit wird rb-fans.de deutlich personalisierbarer. Zudem wurden der Spielplan- und Spielerbereich erweitert, und es gibt nun die Rubrik „Heute vor …“, um über 15 Jahre Rasenballsport Revue passieren zu lassen.

Der Spendenaufruf hat somit bereits einiges an Wirkung gezeigt und wenn unser Ziel erreicht wird, steht auch den übrigen Verbesserungen (Forumupdate, Serverwechsel, Tippspiel) nichts mehr im Weg. Noch fehlen gut 1.000 Euro.

 

Party nach dem Spiel.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

 

Spiel
RB Leipzig vs. Borussia Mönchengladbach
Ergebnis
1:0 (0:0)
Aufstellung RB Leipzig
Vandevoordt - Baku (78. Henrichs), Orbán, Bitshiabu, Raum (C) - Schlager, Seiwald (78. Gruda), Baumgartner - Diomande (90.+2 Finkgräfe), Rômulo (66. Ouedraogo), Nusa (66. Bakayoko)
Ersatzbank RB Leipzig
Gulácsi – Klostermann, Gomis, Banzuzi
Aufstellung Borussia Mönchengladbach
Nicolas - Sander, Elvedi, Diks (62. Chiarodia) - Reitz (C), Scally, Ullrich (33. Bolin), Engelhardt (85. Machino) - Honorat (85. Mohya), Tabaković, Castrop (85. Stöger)
Ersatzbank Borussia Mönchengladbach
Neuhaus – Olschowsky, Takai, Reyna
Aufstellungsgrafik
Aufstellung
Torschützen
1:0 Diomande (80.)
Torschüsse
24 / 15
Schüsse aufs Tor
11 / 3
Expected Goals (xG)
2,57 / 1,66
Ballbesitz
52% / 48%
Passquote
83% / 78%
Zweikampfquote
47% / 53%
Laufstrecke (km)
114,33 / 114,32
Ecken
11 / 4
Fouls
9 / 6
Abseits
3 / 1
Gelbe Karten
Baku, Seiwald, Schlager, Gruda / Scally
Schiedsrichter
Sascha Stegemann (Niederkassel)
Spielort
Red Bull Arena Leipzig
Zuschauer
47.800