Wilder Ritt in Schottland
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Keine Zeit für langes Wehklagen. In Mainz gelang RBL erneut kein Auswärtssieg, womit die Chance verpasst wurde auf einige andere Mannschaften aufzuschließen, die am Wochenende ebenfalls nicht gewannen. Aber wenn eines gewiss ist, dann dass die englischen Wochen genügend Möglichkeiten bieten, um den ersten Auswärtssieg einzufahren.
Im Vergleich zum Auftritt in Mainz war große Rotation angesagt, aber gegenüber dem Hinspiel wechselte Rose nur auf einer Position: Haidara ersetzte Kampl und der Malier sollte zum Spieler des Spiels gekürt werden.
>>> zum Liveticker
Dreisatz des Spiels
5:4 Großchancen und ähnliche xG Werte zeigten, dass das Spiel in beide Richtungen hätte kippen können. Am Ende waren die Abschlüsse der Leipziger zielgenauer (mehr Schüsse aufs Tor) und RBL hatte bis auf zwei Phasen (Mitte erste Hälfte und nach dem 1:0) weitestgehend das Spiel im Griff. Werner, bis zum Tor mit vielen Aktionen zum Haareraufen, avancierte spät zum Matchwinner, richtig überzeugend waren aber andere Kicker.

Werner: Erst gescholten, dann gefeiert
Neu im Bullenstall
Werner bis zum Tor der schlechteste Leipziger, weil der Ball ihm in grimmiger Feindschaft gegenüberstand. Letztlich platzte der Knoten doch und der Goalgetter hatte Tor und Vorlage auf der Habenseite. Vielleicht hilft ihm das, um auch mal über längere Zeit überzeugen zu können und die Verunsicherung abzuschütteln.
Raum mit ansteigender Form – das aus dem Munde eines seiner bisher größten Kritiker. Zwei Chancen vorbereitet, tolle Zweikampfquote, verbesserte Positionierung in der Viererkette. Zusätzlich spielte ihm die defensiv eher luftige Spielanlage der Gastgeber in die Füße.
Schlager mit viel Dynamik bis in die Spätphase des Spiels und auch etwas ausgewogener in der Gesamtanlage (nur 8 Ballverluste, hohe Passquote). Wie Tedesco ihn nicht einsetzen konnte, bleibt eines der größten Mysterien dieser Saison. Diallo kam spät und leitete umgehend mit einem langen Flügelwechsel das 2:0 ein – kann man so machen… Blaswich hielt seinen Kasten sauber (2 Paraden), wobei er gerne etwas mehr fangen und weniger abklatschen darf. Dazu diesmal mit schlechterer Quote bei langen Bällen. Im Großen und Ganzen aber ein sicherer Rückhalt und guter Ersatz für Pete.

Fast so viele Monate ohne Auswärtssieg...
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Haidara: Mann des Spiels und das nicht gänzlich zu Unrecht. 80% Zweikampfquote, die meisten Tacklings aller Leipziger, eine Großchance kreiert, zwei Torschüsse, gute Quote bei langen Bällen. Wenn es ihm endlich gelingt diese Leistung zu verstetigen, dann könnte er sich endlich zu dem Stammspieler entwickeln, den man hier erwartet hat.
Raum: Ehre, wem Ehre gebührt. Zu einer Vorlage reichte es nicht, was dieses Mal aber eher an den Verwertern denn an den fehlenden Möglichkeiten lag. 90% Zweikampfquote, zweitmeiste Tacklings, zwei Chancen vorbereitet. Gerade in der Luft zeigte er, warum er in einer Viererkette die bessere Wahl ist als es Angel gewesen wäre. Hoffentlich kann er diesen Trend in den kommenden Wochen bestätigen.
Werner: Zur 70. Minute hätte ihn das Gros der Leipziger Zuschauer wohl ausgewechselt, am Ende der typische Werner. Viele Möglichkeiten, viele Probleme mit der Ballbehandlung aber eben auch Zählbares. Wettbewerbsübergreifend mit seinem elften Scorer (gleichauf mit Nkunku), wobei man hier Ottensen rausrechnen sollte. Dennoch keine schlechte Bilanz für den ewig kritisierten.

Haidara als Spieler des Spiels ... warum nicht häufiger so?
Luft nach oben
Eigentlich gab es keinen der negativ herausragte. Insgesamt blieb Nkunku aber unter seinen Möglichkeiten. Maue Zweikampfquote, nur ein Keypass, eine vergebene Großchance, kein gewonnenes Dribbling. Das kann der Franzose eigentlich besser.
Kategorie: Immer eine Reise wert!
Celtic ist schon mit das Geilste, was man heutzutage noch an Stimmung, Leidenschaft, Tradition u wahre Fankultur finden kann. Ich denke gern an unser erstes Auswärtsspiel zurück. Schöne Fanreise, sympathische u stetig freundliche Menschen/Fans. Tolle Stadt und Stadion.👍#CELRBL https://t.co/svRcetjhPO
— Justgroovy (@justgroovy20th) October 11, 2022
Wir kommen gerne wieder...
Tweet des Spiels
Einmal #Leipzig, immer Leipzig, Hey, Hey!#CELRBL @ChampionsLeague pic.twitter.com/nhIx7jndLM
— RB Leipzig (@RBLeipzig) October 12, 2022
Mannschaft und Fans nach dem Spiel.
Champagner statt Bier – die Fans
Gut 600 Leipziger hatten sich nach Schottland aufgemacht. Einige sollten vor dem Spiel mit einem Foto mit Eberl belohnt werden. Dazu die schöne Stimmung im Celtic Park, die durchaus für Gänsehaut sorgt. Endlich sollten auch die Rasenballer die Reisefreudigen mit einem Sieg belohnen. Nächste Chance dafür: Augsburg!
Das sind halt auch echte Fußballfans… und nicht die ganzen Hasser aus der @Bundesliga_DE da fliegt kein Stein, da gibt’s kein dussliges Gepöbel! Nur Liebe zum Fußball #CELRBL #UCL
— Ndee™️ Слава Україні (@FrankvanVossen) October 12, 2022
Danke @CelticFC https://t.co/R7bZeitUsq
Gemeinsamkeiten statt Unterschiede suchen.
Pfeife des Spiels
Ein paar knifflige Situationen und Checks (Halten gegen Giakoumakis, Hart klärt gegen Nkunku) hatte Umut Meler zu bestehen, aber das löste er gut. Richtig ruppig war es nicht, was auch schon im Hinspiel verwunderte, dass Celtic weit weniger physisch agierte als die Rangers in der letzten Saison oder viele Bundesligisten von ihrer Grundanlage her. Daher hatte Meler auch einen eher ruhigen Abend.

Am Ende war die Stimmung gelöst.
Aufgefallen
1) Vor, während und nach dem Spiel tolle Stimmung der beiden Fangruppen untereinander. Wenn einem die eigene Selbstüberhöhung, eine Überdosis Moralin und Bigotterie nicht im Weg steht, wie so manchen deutschem Fußballfreund, dann kann so ein Fußballspiel sich auch mal fanseitig vorbehaltlos genießen. Schottland gerne wieder!
2) Sportlich war Celtic eher durchwachsen unterwegs. Auch in den letzten Wochen waren die Schotten in Liga und Champions League nur bedingt erfolgreich. Obwohl sie das Old Firm mit 4:0 für sich entscheiden konnten, war es für RBL kein Vergleich zum Kick gegen den Stadtrivalen, die Rangers in der letzten Saison. Das Pressing unstet und physisch trat Celtic eher zahm auf. Zum einen zeigt dies, dass die Liga doch eine ganze Klasse unter der Bundesliga einzusortieren ist, zum anderen fragt man sich, wie Leipzig das Rückspiel in der letzten Saison gegen die Rangers so dermaßen in den Sand setzen konnte.
Celtic 0-2 RB Leipzig: Celtic stuck on the bottom of the #UCL group with a single point from four games, but they had chances tonight in this match. RB Leipzig took theirs and the three points. pic.twitter.com/7XjFvurAON
— The Analyst (@OptaAnalyst) October 11, 2022
Ein Spiel, dass in beide Richtungen hätte ausgehen können.
3) Ein offener Schlagabtausch bei dem Celtic und Leipzig in etwa gleich auf waren, was die Chancenqualität anbelangt.2,3 xG + 2 nonShot xG für Celtic und 2,3 + 2,7 für Leipzig (5:4 Großchancen). Das zeigt, dass es beiderseits viele Torabschlüsse und nochmal ebenso viele gefährliche Aktionen um den Strafraum gab, die nicht zum Torabschluss führten. Positiv daher, dass Leipzig viele Chancen hatte, negativ, dass Leipzig eben auch einige zuließ. Ein Spiel, für das der Begriff „offenes Visier“ angebracht war. Insgesamt könnte aber auch behauptet werden, dass das Matchglück zurück ist, denn auch ein Rückstand wäre nach der starken Phase der Hausherren in Halbzeit 1 denkbar gewesen.
4) Einige Sorgenkinder mit ansteigender Formkurve. Werner erst mega mau, dann mega Matchwinner. Haidara nach einer durchwachsenen Leistung in Mainz als Spieler des Spiels, Raum mit einigen guten Aktionen und defensiv solide. Forsberg als der alte Mann und das Jokertor, Gvardiol als spielbestimmender Faktor aus der Viererkette. Dagegen Nkunku und Szoboszlai eher unter ihren zuletzt gezeigten Möglichkeiten. Insgesamt zeigt die Formkurve mit 10 Punkten aus den letzten vier Spielen klar nach oben. Zuletzt gab es eine vergleichbar gute Quote bei der Punkteausbeute im April.
Tolles Fußballspiel. Im Sinne von, das hat (wie schon beim Hinspiel) sehr viel Spaß gemacht zuzuschauen (natürlich auch, weil es am Ende erfolgreich war). Da haben sich zwei Mannschaften gefunden, die mit ihrem aktiven, offenen Fußball gut zueinander passen. #celrbl #relive
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) October 13, 2022
ReLive Analyse der Rotebrausebloggers.
5) Werner bleibt einer der streitbarsten Charaktere auf dem Feld. Bis zum Tor Aktionen die bei Halloween das Prädikat Gruselschocker verdienen würden. Ballbehandlungen aus der Hölle und dann doch der Dosenöffner und die Vorlage zu Forsbergs Deckel-drauf. Wobei bei beiden Toren auch seine Mitspieler entscheidende Faktoren waren. Sei es Silvas Grundliniendurchbruch, Diallos Diagonalball oder Forsbergs platzierter Abschluss. Auch davor konnte sich Werner aber nicht über mangelnde Vorlagen beschweren, allein er verwandelte sie nicht. Fazit: Bei Werner war bekannt, was Leipzig bekommen würde. Einen schnellen gut für das Team arbeitenden Kicker, der im Normalfall genügend Chancen bekommt/erläuft, um die eher durchschnittliche Verwertungsquote zu überdecken aber eben keinen Ballkünstler wie Nkunku. Der Vorteil der aktuellen Konstellation liegt indes ebenso klar auf der Hand. Silva, Nkunku und Werner sind im Verbund schwer zu verteidigen und selbst wenn einer durchhängt, so steht im Normalfall ein anderer bereit. Werner gegen Bochum und Celtic, Silva gegen Celtic und Nkunku gegen Mainz. Gelingt es Rose Chancenverwertung, Chancenkreierung und defensive Stabilität weiter einer Feinjustierung zu unterziehen, dann könnte sich der aktuelle Trendansatz verstetigen (und Joker Olmo kommt hoffentlich auch bald zurück, um mitzumischen). Es käme bei Leibe nicht zur Unzeit.
6) Ohne Ottensen und das Pokalfinale war es der erste Auswärtssieg seit fast einem halben Jahr. Sie können es also doch noch! Es stehen noch einige schwere Auswärtspartien vor der WM ins (fremde) Haus: Augsburg mit dem Messer zwischen den Zähnen und der Hand im Schritt. Donezk, wo das Team noch etwas gutzumachen hat. Hoffenheim, die zuletzt etwas schwächelten und Aufsteiger-Überflieger Werder Bremen als quasi Hinrundenabschluss.
Bewegtbilder zum ersten richtigen Auswärtssieg seit April – fast schon historische Dimensionen.
7) Was hat die Hertha Leipzig voraus? Die alte Dame hat bereits einen Auswärtssieg (in Augsburg), gleichsam allerdings ihr einziger Dreier in der Liga. In den letzten fünf Spielen kassierte Hertha keine Niederlage und traf immer, zuletzt vier Unentschieden in Folge und mit Freiburg auch keine Laufkundschaft. Es macht sich ein dezenter Aufwärtstrend bei Hertha breit, den Leipzig hoffentlich mit einem Heimsieg die Luft nehmen kann. Die Bilanz der letzten Spiele der Elf von Sandro Schwarz sollte Warnung genug sein.
8) Gegen kein Team hat RBL mehr Pflichtspielsiege eingefahren als gegen Hertha (10.). Gegen kein Team weist Leipzig eine bessere Tordifferenz auf (+33). Die Punktverluste – ein Unentschieden und eine Niederlage kassierte RBL allerdings beide in der heimischen RBA. Die letzten Begegnungen mit RBL (8:0) und Rose (3:1) verlor Sandro Schwarz übrigens.
Rose und die Simultanübersetzerin mit dem Scottish Accent.
Der ersehnte Auswärtssieg und ganz zufällig war er auch nicht, da sind die Abzüge in der B-Note zu verknusen, zumal kein Kicker abfiel und RBL damit wieder voll im Champions League Geschäft ist. Daheim gegen Real und in Warschau gegen Donezk ist immer noch ein ordentliches Restprogramm. Der Anfang ist gemacht, jetzt folgt die Kür, um ins Achtelfinale einzuziehen.
In der Liga geht es nun weiter gegen den Lieblingsgegner aus Berlin. Im Gegensatz zum neuen Angstgegner aus Berlin, den Eisernen, muss einem hoffentlich nicht angst und bange sein. Ein Selbstläufer wird es aber nicht, das zeigte das Unentschieden der Freiburger bei der Hertha letzte Woche.
Besonders gefordert sind nun die Rotationsspieler, denn gegen Mainz gab es insgesamt zu viel Leerlauf. Erstmal sollte Leipzig in Vorleistung gehen und dann kann sich immer noch zurückgelehnt werden.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – UEFA – FotMob
Statistik
Celtic Glasgow: Hart – Juranović, Carter-Vickers (C), Jenz, Taylor – O'Riley, Hatate (66. Turnbull), Hakšabanović (66. Mooy) – Maeda (80. Bernabei), Furuhashi (66. Giakoumakis), Abada (42. Forrest)
RB Leipzig: Blaswich – Simakan (76. Henrichs), Orbán (C), Gvardiol, Raum – Haidara (83. Diallo), Schlager – Nkunku (88. Novoa), Szoboszlai (76. Forsberg) – Werner, Silva (76. Poulsen)
Schiedsrichter: Halil Umut Meler (Türkei)
Tore: 0:1 Werner (75.), 0:2 Forsberg (84.)
Torschüsse: 16 / 13
Schüsse aufs Tor: 2 / 5
expected Goals: 2,0 / 1,7
Passquote: 82% / 87%
Zweikampfquote: 43% / 57%
Ballbesitz: 42% / 58%
Laufleistung: 119,5 km / 121,1 km
Fouls: 11 / 4
Ecken: 5 / 5
Abseits: 1 / 0
Gelbe Karten: Juranović, Hatate / –
Zuschauer: 57.565 (ca. 600 Leipziger)
Rumpelstilzchen
) wie Lautern, Schalke, Düsseldorf etc. die letzten Jahre einfach nichts auf die Reihe bekommen haben. Viele Auswärtsfans zu haben, bedeutet rein GAR NICHTS!!! Hier geht es immer noch um sportliche Leistungen. Das wüsste man, wenn man mal ab und zu auf's Spielfeld schaut und sich nicht oben hinter "den Linien" mit etwas anderem beschäftigt - vorausgesetzt, man interessiert sich WIRKLICH für diesen Sport und nicht nur für den ganzen Blödsinn am Rande...