4:1 Heimsieg gegen Freiburg
Vor dem Spiel
Eine Neuerung im Vorfeld der Partie ist die sogenannte "Kiss-Cam", die vom Radiosender MDR Jump präsentiert wird. Wie im amerikanischen Sport wird wahllos in die Zuschauermenge gefilmt und diejenigen, welche auf der großen Leinwand zu sehen sind, müssen sich entweder küssen oder andere Faxen machen. Das ist sicherlich Geschmackssache und kann lustig sein, für mein Empfinden ist es aber unnötig. Die Leute sind meist eher peinlich berührt, vor allem wenn die Kiss-Cam auf zwei Freunde/Freundinnen zielt. Erfreulich war wiederum die Choreografie im Fanblock, bei der auf großen Buchstaben "Vamos Lipsia" (Vorwärts Leipzig) stand und in der Mitte der Fans ein großes RasenBallsport-Banner gezeigt wurde.

Aus sportlicher Sicht musste Hasenhüttl auf Poulsen verzichten, der Adduktorenprobleme hatte und auch die Länderspielreise absagen musste. Ihn ersetzte Augustin im Angriff neben Werner. Im Mittelfeld feierten Forsberg und Demme ihr Comeback in der Startelf, sonst gab es gegenüber dem Spiel auf Schalke keine Änderung. Bei den Gästen dagegen keine Überraschung, die fraglichen Kempf und Haberer konnten von Beginn an auflaufen.
Die erste Halbzeit
RB startete gewohnt aggressiv und mit viel Tempo in die Partie. Werner und Augustin hatten auch gleich die ersten Chancen, ließen sie aber leider ungenutzt. Zum ersten Mal kam auch in Leipzig der Videobeweis zum Einsatz, als Augustin nach einem harten Zweikampf im Strafraum zu Boden ging. Referee Dingert entschied auf Weiterspielen und der Video-Schiedsrichter sah das genauso. Den Elfmeter hätte man sicherlich geben können, es war aber kein Muss. Freiburg presste früh unseren Spielaufbau und sorgte dafür, dass wir in der ersten Halbzeit einige unnötige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung hatten. Vor allem Upamecano leistete sich einige haarsträubende Fehlpässe, wobei das riskante Passspiel von "Upa" vom Trainer erwünscht ist und er dies auch beibehalten soll. In der 23. Minute wurde die RB-Abwehr auf der Außenbahn sehenswert ausgespielt und Niederlechner bestrafte den großen Freiraum im Sechzehner sofort. Bis zur Pause dominierte unser Team dann zwar die Partie, konnte aber trotz guten Einschussmöglichkeiten nicht einnetzen. Es war zum Verzweifeln. Hasenhüttl erklärte auf der Pressekonferenz nach dem Abpfiff, dass es vor allem mental schwierig gewesen sei, erneut mit einem Rückstand in die Pause zu gehen, wo seine Mannschaft wie gegen Schalke doch gar nicht so viel verkehrt gemacht hätte. Demzufolge bestärkte das Trainerteam die Elf auf dem Rasen ähnlich weiterzuspielen und nur noch etwas mehr Zielstrebigkeit in die Angriffe zu bekommen. Die Worte schienen gefruchtet zu haben...
Die zweite Halbzeit
Mit wütenden Angriffen brannten die Leipziger zu Beginn ein Offensivfeuerwerk ab. Ecke Forsberg, Kopfball Werner - Tor! Danach hatten Sabitzer, Werner und Augustin gleich die nächsten Chancen um das Spiel innerhalb von fünf Minuten auf 2:1 zu drehen. Erst nach toller Vorarbeit von Augustin sorgte Orban freistehend in der Mitte für völlige Ekstase und der Führung für die Bullen. Freiburg war in dieser Phase absolut überfordert und hatte der Power nichts entgegenzusetzen. Was immer da in der Halbzeitpause passiert ist, die Jungs waren nicht wiederzuerkennen. Großartige 10 Minuten in der Red Bull Arena, die bewiesen haben, welch Qualität in unserer Mannschaft steckt. Nach einer Phase des Durchschnaufens bekamen die Freiburger etwas mehr Ballbesitz und die Leipziger konzentrierten sich darauf, den entscheidenden Treffer mittels eines Konters zu setzen. Genau so einer gelang in der 71. Minute, als Augustin einen langen Ball mit dem Kopf auf Werner verlängerte und der aus spitzen Winkel in seiner typischen Art versenkte. Stimmungskiller war allerdings der Videobeweis, der sofort nach dem Treffer angefordert wurde. Augustin soll bei der Vorlage seinen Gegenspieler gefoult haben. Aber auch diesmal blieb die Entscheidung von Dingert bestehen. Den Torjubel hat es trotzdem unterbrochen...
Obwohl die Partie mit dem 3:1 längst entschieden war, spielte RB weiter auf das Tor der Freiburger, die nun völlig K.O. und auf Schadensbegrenzung bedacht waren. Der zwei Minuten zuvor eingewechselte Bruma erhöhte sogar noch mit einem tollen Dreh-Schuss auf 4:1, welches sicherlich in die Auswahl zum Tor des Monats kommen dürfte.
Fazit und Ausblick: Einer eher durchwachsenen ersten Halbzeit folgte eine grandiose zweite Halbzeit, welche die Zuschauer ins Staunen versetzte. Mit viel Wut im Bauch überrannten sie die Gäste und schlossen ihre Aktionen vor dem Tor auch endlich konsequent ab. Die Breisgauer hatten dem Tempo und der spielerischen Klasse wenig entgegenzusetzen und kamen bis auf einen Angriff überhaupt nicht mehr vor das Leipziger Tor. Die Neuzugänge Augustin und Bruma fügten sich mit erfolgreichen Aktionen hervorragend in die Mannschaft ein. Auch Timo Werner hat nach dem mäßigen Auftritt auf Schalke zurück zu alter Stärke gefunden (schön auch die Werner-ist-ein-Fußballgott-Sprechhöre von den Fans). Die Elf von Ralph Hasenhüttl kann nun entspannt in die Länderspielpause gehen und in zwei Wochen zum Hamburger SV reisen. Für dieses Spiel gibt es noch Karten für den Gästeblock - wer also ein verlängertes Wochenende in der Hansestadt verbringen möchte, hat dafür optimale Voraussetzungen.
Etwas schade war hingegen die Zuschauerzahl. Keine 40.000 zum ersten Saison-Heimspiel sind enttäuschend. Klar war der Gästeblock spärlich besetzt, aber die geringe Nachfrage überrascht schon etwas. Vermutlich ist es aber aufgrund der CL und des DFB-Pokals auch einfach eine Frage des Geldes. Die Karten - selbst für den Oberrang mit eher mäßiger Sicht – sind nicht gerade günstig. Das nächste Heimspiel gegen Gladbach sollte aber dann wieder ausverkauft sein.
Spieler des Spiels
Neuzugang Augustin, der für 13 Millionen von Paris St. Germain kam, lieferte einen überzeugenden Auftritt ab. In der ersten Halbzeit noch ein bisschen der Chancentod, legte er in der zweiten Halbzeit lieber die Bälle für die Kollegen auf uns sicherte sich zwei Scorerpunkte durch die Vorlagen zum 2:1 und 3:1. Unter großem Applaus durfte er dann auch vorzeitig den Platz verlassen. Ein etwas anderer Spielertyp als Poulsen, der eher durch seine Techniker als seine physische Stärke glänzt.
Unerwähnt darf auch nicht Diego Demme bleiben, der nach seiner Verletzung gerade mal eine Woche mittrainieren konnte und sofort wieder Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld war. Starke Zweikampfführung, viele Pässe und eine gute Übersicht. Der Junge tut unserem Spiel unglaublich gut.
RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann, Orban (C), Upamecano, Halstenberg – Demme (82. Laimer), Keita – Forsberg, Sabitzer – Werner (85. Kaiser), Augustin (78. Bruma)
SC Freiburg: Schwolow – Stenzel, Lienhart, Schuster (C), Kempf, Günter – Höfler, Frantz – Terrazzino (70. Kath), Niederlechner (52. Bulut), Haberer (70. Petersen)
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Tore: 0:1 Niederlechner (23.), 1:1 Werner (48.), 2:1 Orban (55.), 3:1 Werner (71.), 4:1 Bruma (80.)
Torschüsse: 29 / 7
Schüsse aufs Tor: 11 / 4
Gewonnene Zweikämpfe: 56,1% / 43,9%
Ballbesitz: 64,6% / 35,4%
Angekommene Pässe: 86,0% / 72,0%
Laufweite: 112,8 km / 113,7 km
Sprints: 217 / 213
Intensive Läufe: 592 / 655
Fouls: 11 / 12
Ecken: 8 / 2
Abseits: 1 / 1
Gelbe Karten: Orban (1), Demme (1) / -
Gelb-Rote Karte: - / Höfler (79.)
Zuschauer: 39.265
Rojiblanco
) wie Lautern, Schalke, Düsseldorf etc. die letzten Jahre einfach nichts auf die Reihe bekommen haben. Viele Auswärtsfans zu haben, bedeutet rein GAR NICHTS!!! Hier geht es immer noch um sportliche Leistungen. Das wüsste man, wenn man mal ab und zu auf's Spielfeld schaut und sich nicht oben hinter "den Linien" mit etwas anderem beschäftigt - vorausgesetzt, man interessiert sich WIRKLICH für diesen Sport und nicht nur für den ganzen Blödsinn am Rande...