Als Rückrundenmeister die Champions League gesichert!
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Alles war bereitet für die Champions League Qualifikation und den Abschluss einer ergebnistechnisch herausragenden Rückrunde. Einzig nötig: Bei den quasi sicher abgestiegenen Bielefeldern ein Unentschieden oder mehr erspielen, dann würde RBL die Freiburger auf Abstand halten.
Tedesco setzte für dieses Unterfangen auf die volle Kapelle. Maximal Forsberg für Olmo/Szoboszlai und Halstenberg für den überspielten Gvardiol in der Startelf kamen etwas unerwartet. Beim Bielefelder Abschiedsreigen auf der Alm stand Goalgetter Klos verletzungsbedingt nur an der Seitenlinie und für viele Arminen wurde es das letzte Spiel – mindestens acht Kicker verlassen den DSC.
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Dreisatz des Spiels
Einige maue Halbzeiten in den letzten Wochen, diesmal fehlte es vor allem an Abschlussglück (vier ausgelassene Großchancen) und weniger an den Chancen selbst. Bielefeld mit einer späten und schmeichelhaften Führung. Leipzig rannte an und in der Schlussphase war Freiburg in der Ferne zeitweise nur ein Tor davon entfernt Leipzig die CL Qualifikation zu stehlen. Am Ende verlor die Streich-Elf und Orbán köpfte RBL mit dem 36. Rückrundenpunkt – die beste Ausbeute aller Bundesligateams und von Leipzig in einer Bundesligarückrunde – zum vierten Mal in Folge in die Champions League!

Wenn es haarig wird, dann sind die "alten" Recken da!
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Orbán: Willi du Teufelskerl! Bei den Bielefelder Topchancen bzw. gegen Okugawa sah er nicht so gut aus, aber diesen letzten Freistoß (gut getreten von Szobo) gegen den starken Ortega reinzuschädeln, das war schon ganz großes Kino. Im Prinzip war Orbán defensiv nur selten gefordert und gewann am Boden keinen Zweikampf (in der Luft dagegen alle) sein Tor ließ jedenfalls schwere Steine von den Leipziger Herzen plumpsen.
Silva: Ackerte viel, erarbeitete sich zwei Topchancen, die er leider beide vergab und leitete eine gute Chance von Nkunku ein, die dieser auch vergab. Führte die meisten Zweikämpfe auf dem Platz und hatte die meisten Abschlüsse. In dieser Form klar vor Poulsen, der von außen zusehen musste.
Nkunku: In Normalform macht er die Dinger. Es lag nicht daran, dass die Pässe ihn nicht erreichten, sondern daran, dass Ortega mal wieder einen sehr guten Tag hatte und der Pfosten im Weg stand. Zwei Großchancen und einen Pfostentreffer. Man kann nur hoffen, dass sich das Sturmduo das Pulver für den Pokalabend in einer Woche aufgehoben hat…

Forsberg mit schwankenden Leistungen und defensiv nicht ganz sattelfest.
Luft nach oben
Forsberg: Auf der einen Seite tolle Pässe, die in der ersten Halbzeit nicht nur einmal gute Angriffe einleiteten, auf der anderen Seite aber auch schlimme Ballverluste, wie vor der Topchance zum möglichen 2:0 für Bielefeld. Kampl und Forsberg haben die eher lästige Angewohnheit im Zentrum vieles über Pirouetten zu lösen. Das führt aber meist nicht gerade zur Spielbeschleunigung und sieht richtig doof aus, wenn man dabei den Ball verliert (meist wenn zum Pirouettierten ein weiterer Gegenspieler hinzukommt).
Laimer: Zum einen sprintet Laimer wie eine Maschine über das Feld, zum anderen wirkt es hin und wieder arg kopflos. So führte Laimer 12 Zweikämpfe, gewann aber nur 2 (von den Leipziger Startelf-Feldspielern war nur Kampl schlechter). So auch beim Gegentor, Laimers Anlaufen des gedoppelten Okugawa öffnete die Lücke für Hack. 17% Zweikampfquote bei Laimer und 25% bei Kampl, das ist im ZM definitiv zu wenig.
Kampl: Auch er defensiv nicht der Burner und offensiv kommt leider zu wenig. Das ZM wird mit oder ohne Abgang von Laimer und/oder Haidara/Adams sicherlich die große Baustelle des Sommers.
Kategorie 11Freunde
Dieses Gefühl, wenn man am 14. Spieltag auf Platz 11 stand und es am 34. Spieltag doch noch schafft sich für die #UCL zu qualifizieren
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) May 14, 2022
🆚️
Dieses Gefühl, wenn der Abstieg deiner Arminia am 34. Spieltag von dir bez. "ekligen und klebrigen Leipziger Modell" besiegelt wird. #DSCRBL pic.twitter.com/0VSPBA8yLE
Immerhin muss Köster jetzt nicht mehr RBL live sehen. Gern geschehen.
Tweet des Spiels
UNSER Willi, wer sonst 🤷♂️#DSCRBL pic.twitter.com/h6W9qxKyxb
— Red Vaticanos (@redvaticanos) May 14, 2022
Unser Willi!
Champagner statt Bier – die Fans
Ordentlich gefüllter Auswärtsblock für Leipziger Verhältnisse und ein toller emotionaler Schlusspunkt mit Orbán und Co, die zum Abklatschen in die Kurve sprangen. Nach Bielefeld geht es nun nach Berlin. Motto: Alle in Weiß! Fanfest gibt es nur wenige Kilometer vom Stadion entfernt auf dem Hammarskjöldplatz und dann hoffentlich im Anschluss den Titel im Olympiastadion. Dreimal ist Leipziger Recht!

Hier noch in Rot aber in Berlin gilt: Alle in Weiß!
Pfeife des Spiels
Siebert sicherlich nicht gerade das, was man als Glücksbringer bezeichnen würde. Gerade einmal vier Siege in 16 Bundesligaspielen und auch im 17. Anlauf sollte kein Sieg rausspringen, wobei dies ehrlicherweise nicht an Siebert lag, der eine eher unauffällige Spielleitung hinlegte, was für einen Schiedsrichter keine schlechte Sache ist.
CHAMPIONS LEAGUE! Was für ein verrücktes Spiel und was für ne Auswärtsfahrt! #DSCRBL @RBLeipzig pic.twitter.com/wGeTp5dtFt
— Sportfreunde Leipzig e. V. (@SportfreundeL) May 14, 2022
Toller Support in Bielefeld.
Aufgefallen
1) Unnötig spannend gemacht. Gegen den Tabellenletzten kann man auch mal einen klaren Sieg hinsetzen und keine Fragen offenlassen. Bielefeld bot auch Räume an, die Leipzig oft, aber auch nicht immer bespielte. Die defensive Grundausrichtung sorgte für weite Wege in die Spitze und das behinderte hin und wieder auch die Angriffe. Im Allgemeinen waren aber genügend Chancen da (5 Großchancen), um das Spiel zu gewinnen. Während RBL in den Wochen zuvor mit teils wenigen Großchancen die Spiele gewann, lief es gegen Bielefeld im Prinzip umgedreht.
2) Das Pech in der Offensive war die eine Seite. Aber defensiv darf sich Leipzig gegen den Tabellenvorletzten eigentlich nicht solche Aussetzer erlauben. Über weite Strecken war es zwar eine sichere Vorstellung, um das Gegentor herum gab es jedoch zu viele Aussetzer. Ballverluste und verlorene Zweikämpfe im Zentrum waren hier ein großes Problem. Solche Lücken gab es in den letzten Wochen zunehmend und derartige Fehler kann ein Team wie Freiburg deutlich härter bestrafen als ein ersatzgeschwächtes und absteigendes Bielefeld.

Ungläubiges Staunen über die Chancenverwertung.
3) Zwischen der 35. und der 80. Spielminute kam von Leipzig deutlich zu wenig. Bis auf Nkunkus Chance zu Beginn der zweiten Halbzeit keinerlei aussichtsreiche Abschlüsse und daher nur 0,2xG in dieser Phase des Spiels. In Prinzip war dies das Äquivalent der schwachen ersten Halbzeiten der letzten Wochen. in Berlin muss die Luft auf den Rängen und auf dem Feld 90+ Minuten brennen!
4) Freiburg hatte in Leverkusen den härteren Gegner vor der Brust, für den es aber auch nur hauptsächlich darum ging, sich angemessen von Völler zu verabschieden. Kurz vor Ende gelang der Ausgleich, so dass das große Zittern begann. Für ein paar Minuten stand die Saison nochmal auf der Kippe. Ein weiteres Freiburger Tor hätte das CL Aus bedeuten können, ehe Orbán für den Ausgleich sorgte. Danach siegte auch Leverkusen. Ein Abbild der letzten Wochen, in denen erst Leipzig, dann Freiburg und nun wieder der RBL die Nase vorn hatten. Alles wackliger als es wünschenswert wäre.

In der 92. Minute platze der Knoten endlich.
5) Kommen wir zu den positiveren Dingen. Der hochverdiente Ausgleich bedeutete die vierte Champions League Qualifikation in Folge und die fünfte insgesamt. Schon zuvor stand fest, dass Leipzig zum sechsten Mal in Folge international vertreten sein wird. Eine feste Größe im europäischen Fußball und nächste Saison in Topf 2 der Champions League. Da lässt es sich auch leichter in der Königsklasse überwintern. Außerdem bedeutet dies natürlich den erneuten Zugang zu den großen Geldtöpfen des Fußballs. Nkunku könnte nun noch ein Jahr bleiben und der Kader kann punktuell verstärkt werden.
6) Das Unentschieden war auch der Abschluss der bisher besten Leipziger Bundesligarückrunde. Tedesco holte einen Punkt mehr als Rangnick 18/19. Bei all der Kritik an den spielerisch ausbaufähigen Vorstellungen der letzten Wochen muss man sich diesen Rekord und die Tatsache, dass auch kein anderer Bundesligist in der Rückrunde mehr überzeugend konnte auch vor Augen halten. Eine Leipziger Ausbeute, die wohl nur wenige im Dezember für möglich gehalten hätten, als Tedesco Leipzig auf Platz 11 übernahm und kurz danach gegen Bilefeld verlor.
Halten wir mal fest:
— dabdab (@dabdab54) May 14, 2022
1. Bielefeld hatte ordentlich Massel. Das der Ball da am Ende Serra vor die Brust fällt, ist reiner Zufall. Das hat nichts mit Taktik oder Teamleistung zu tun.
2. RB hatte sehr gute Chancen. Dass nur eine rein geht, ist Pech. Dafür können Trainer/Taktik nix.
Es gab durchaus Kritikpunkte aber RBL hatte auch ordentlich Pech.
7) Leipzig stellt mit den Bayern die beste Abwehr der Liga. Auch wenn 37 Tore deutlich über Rangnicks Bestwert (29) liegen, so ist dies nach der Hinrunde (auf Platz 10) dennoch eine beachtliche Leistung. Dazu sind 72 erzielte Tore der zweithöchste Wert (nach 81 – 19/20) ebenso wie die Tordifferenz von +35 (+44 – 19/20).
8) Zum einen waren die 3,46 (understat) xG der vierthöchste Wert, den ein Team in dieser Saison gegen Bielefeld erspielt hat. Es war also eher das Abschlusspech, denn das chancenarme Gegurke der letzten Wochen. Zum anderen waren die 1,67 xG die Bielefeld erspielte aber auch ihr höchster Wert in dieser Saison. Was wiederum zu den defensiven Aussetzern der letzten Spiele passt (10 Gegentore in den letzten 7 Spielen, 3 Gegentore in den 7 Spielen davor). In Berlin muss man da konzentrierter agieren.
9) Jetzt noch eine Woche bis zum Finale in Berlin. Im dritten Anlauf soll es endlich klappen. Freiburg war in beiden Spielen auf Augenhöhe und hat in der Liga hinter RBL nur knapp die Champions League verpasst. Auch wenn RBL die bessere Rückrunde spielte, so ist man weit davon entfernt der klare Favorit zu sein. Dazu waren die Leistungen der letzten Wochen zu durchwachsen. Zwei Siege aus den letzten sechs Spielen: gegen maue Augsburger und Dank eines Sonntagsschusses gegen Glasgow, das ist nicht viel besser als das was der SCF in dieser Zeit aufs Feld brachte. Immerhin kommt die Streich-Elf auch mit zwei Niederlagen im Gepäck. Für das große Ziel, für die forsbergsche "Tittenchance" muss man über 90 Minuten souveräner und bissiger auftreten. Das größere Potenzial hat RBL, Team und Trainer müssen es mit den Fans im Rücken aber auch abrufen. Die Chance auf einen nationalen Titel war jedenfalls noch nie größer, denn Freiburg ist eben nicht Dortmund oder München, dort war RBL Außenseiter. Das ist dieses Mal nicht der Fall.
Die PK nach dem letzten Bundesligaspiel der Saison.
Sommerkönig bzw. Rückrundenmeister. 36 Punkte, ein Punkt mehr als Rangnick in der Rückrunde 18/19 und damit die beste Rückrunde für RBL in der Bundesliga. Auch wenn nicht immer alles Gold war, so haben auch die anderen Vereine nicht durchgehend überzeugen können (selbst die Bayern nicht) und nach der Hinrunde hätte wohl jeder eine solche Rückrunde mit Kusshand genommen.
Bielefeld eigentlich nur in einer kurzen Phase um das 1:0 herum gefährlich. Davor und danach kaum zu sehen und die Arminia hatte es dem scheidenden Ortega zu verdanken, dass Leipzig den Sack nicht schon davor zumachte.
Auch wenn RBL heute weniger mit der Chancengenerierung denn mit deren Verwertung haderte, so bleibt dennoch auch hängen, dass Leipzig nur zwei der letzten sechs Spiele gewinnen konnte und auch trotz Topchancen keinen Sieg gegen den Absteiger aus Bielefeld einfuhr. Nicht die besten Vorzeichen für das Finale, das man noch eine ganze Ecke konzentrierter angehen sollte. Die 1,6 xG der Arminen reichen bei einem Verein wir Freiburg ggf. für zwei Tore und dann aus fast 4 xG nur ein eigenes zu machen, wäre ebenso tödlich.
Wenn Leipzig aber vor den eigenen Fans in Berlin sein volles Potenzial abrufen kann, dann könnte man gemeinsam diese Saison krönen und nach der schlechtesten Hinrunde die beste Saison der Vereinsgeschichte hinlegen. Dafür sind wir nun alle gefordert. Alle auf nach Berlin, stürmt die Ränge und lasst das Olympiastadion beben. Gemeinsam in Weiß zum Titel!
Alle in Weiß nach Berlin!#DFBPokal #RBLeipzig pic.twitter.com/MgiERBcO8A
— Glenni75 (@Glenni751) April 28, 2022
Alle in weiß nach Berlin!
Kicker – Whoscored – Sofacore – Understat – RBL – Bundesliga – FotMob
Statistik
Arminia Bielefeld: Ortega – Ramos, Pieper (80. Brunner), Nilsson (90. Andrade), Laursen – Prietl, Vasiliadis (63. Kunze) – Okugawa, Wimmer (46. Ince), Hack (90. Schöpf) – Serra
RB Leipzig: Gulácsi (C) - Simakan, Orbán, Halstenberg – Laimer (72. Adams), Kampl (87. Szoboszlai) - Henrichs, Angeliño (87. Novoa) – Forsberg (73. Olmo), Nkunku – Silva
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Tore: 1:0 Serra (71.), 1:1 Orbán (90.+2)
Torschüsse: 9 / 20
Schüsse aufs Tor: 4 / 10
expected Goals: 1,7 / 3,5
Passquote: 80% / 86%
Zweikampfquote: 48% / 52%
Ballbesitz: 42% / 58%
Laufleistung: 113,4 km / 110,2 km
Sprints: 230 / 233
Fouls: 11 / 8
Ecken: 2 / 6
Abseits: 4 / 1
Gelbe Karten: Nilsson / Adams (5)
Zuschauer: 22.719 (ca. 1.000 Leipziger)
Rumpelstilzchen
) wie Lautern, Schalke, Düsseldorf etc. die letzten Jahre einfach nichts auf die Reihe bekommen haben. Viele Auswärtsfans zu haben, bedeutet rein GAR NICHTS!!! Hier geht es immer noch um sportliche Leistungen. Das wüsste man, wenn man mal ab und zu auf's Spielfeld schaut und sich nicht oben hinter "den Linien" mit etwas anderem beschäftigt - vorausgesetzt, man interessiert sich WIRKLICH für diesen Sport und nicht nur für den ganzen Blödsinn am Rande...