Verdientes Unentschieden in Köln
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Mit einem souveränen 3:1 Heimsieg sind die Leipziger unter der Woche im DFB-Pokal gegen die TSG Hoffenheim weitergekommen. Kein Glanz dafür Gloria in der zweiten englischen Woche im Jahr 2023. Der Kader ist, zumindest was die offensiven Starspieler betrifft, etwas ausgedünnt. Am Samstag ging es an den Rhein zum 1. FC Köln. Die Kölner konnten bereits einen Kantersieg gegen Werder feiern und einen Punkt in der Partie gegen die Münchner mitnehmen. Auch wenn die Geißböcke in der Spitzengruppe der Bundesliga nicht zu finden sind, kann man definitiv nicht von Laufkundschaft im fußballerischen Sinn sprechen.
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Dreisatz des Spiels
Ein intensives und kämpferisches 0:0 Unentschieden der besseren Sorte, wenn man neutraler Zuschauer war. Werner und Silva hatten beide jeweils eine Großchance, um in Führung zu gehen, vergaben diese jedoch. Auf der anderen Seite hatte Köln zwei Pfostentreffer und damit sind die Großchancen in dem Spiel schon beschrieben, welches eher mit Kampf und Zerfahrenheit auf sich aufmerksam gemacht hat, als mit spielerischer Zauberei.

Grätschen statt Zaubern – sas Spiel lebte von der Intensität.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Laimer: Ein Spiel wie gemacht für den österreichischen Wadenbeißer. Er hat nicht nur die Galligkeit der Kölner angenommen, sondern hat auch mit einer schönen Körpertäuschung die 100%-ige von Silva eingeleitet.
Schlager: Für Schlager gilt dasselbe wie für Laimer. Solche Spiele sind für ihn wie gemacht. Bei den vielen Künstlern im Kader ist seine Einstellung enorm wichtig.
Szoboszlai: Nach den Toren gegen Stuttgart konnte der Ungar zwar diesmal nicht mit Scoren glänzen, war aber gefühlt mit in der Partie wie die beiden vorgenannten Österreicher und hielt gegen die aggressiven Kölner.
Luft nach oben
Werner: Muss hier genannt werden, weil er die sichere Torchance in der 3. Minute nicht verwandelt hat. Erzielt immerhin ein Abseitstor, wobei nicht er hier im Abseits stand, sondern Vorlagengeber Silva.
Silva: Er hatte genauso eine Chance wie Werner und stand zudem im Abseits bei der Vorarbeit für Werner. Die beiden Stürmer haben die wenigen Gelegenheiten nicht genutzt und sind ihren Knipseraufgaben nicht nachgekommen.
Kreativabteilung: Dass die beiden da oben stehen, ist aber auch einer insgesamt eher wenig kreativen Mannschaftsleistung geschuldet. Man könnte hier die Außenverteidiger Henrichs und Raum nennen, die wenig offensiven Impact gebracht haben, wie auch ein Forsberg. Bis auf die Chance von Werner, die Chance von Silva und ein Abseitstor bleibt von diesem Spiel im Torschussbereich nicht viel hängen, was dann auch dem Kollektiv angelastet werden muss und nicht nur den einzelnen Spielern.

Werner – hatte die Führung auf dem Fuß.
Tweet des Spiels
Mh, ich weiß. Demut und so. Aber ganz ehrlich: DAS sind die Spiele, die dich die Meisterschaft kosten. Du MUSST die Dinger rein machen! Egal ob in Minute 1 oder 93. Aber ich habe auch leicht reden, liege hier auf meiner Couch. Auf geht’s, Männer! Union schlagen! 🔴⚪️💪🏻 #KOERBL
— Tobi (@toby4mvp) February 4, 2023
Ja, die Dinger dürfen tatsächlich rein.
Champagner statt Bier – die Fans
Samstagnachmittag und gute Verbindung. Entsprechend waren ca. 1.200 Leipziger nach Köln gefahren. Die Leipziger haben sich auch anständig benommen, was man vom Kölner Anhang leider nicht sagen kann. Diese verzichteten auf Fahnen zugunsten von Spruchbändern, die mal wieder über das Ziel hinausgeschossen sind. Über die traditionellen Schmähplakate gegenüber RB regt sich schon keiner mehr auf. Es kann aber nicht sein, dass sich über Krankheiten lustig gemacht bzw. Bezug genommen wird. Vielmehr soll hier auch nicht stehen, um die Bühne so klein wie möglich zu halten.
Pfeife des Spiels
Petersen hatte ein intensives Spiel zu leiten und kam selten damit zurecht. Eine strittige Szene musste er nicht bewerten, dennoch war seine Spielleitung nicht wirklich von Struktur geprägt. Viele gelbe Karten zum Ende der 1. Halbzeit, keine klare Linie. Er wirkte überfordert mit dem Spiel. Immerhin bekam Rose kein Gelb, auch wenn er sich an der Seite ordentlich über die einzelnen Entscheidungen aufgeregt hat.

Petersen – war leider nicht immer auf der Höhe.
Aufgefallen
1) Rose hat das System umgestellt. Gegen Köln hat er mit einer 3er Kette aufgespielt um den Ausfall von Olmo zu kompensieren. Das neue System wirkte aber noch nicht wirklich verinnerlicht. Defensiv ist man nicht abgefallen, aber der Input nach vorne war schwer erkennbar.
2) Bleiben wir beim Trainer. Oder den Trainern. Der Kölner Coach Baumgartner hat Rose noch vor dem Spiel einen Anti-Stress-Ball angeboten, ihn aber nicht ausgehändigt. Rose blieb ohne gelbe Karte, also hat es etwas gebracht. Sieht der Leipziger noch einmal den gelben Karton ist er im nächsten Spiel gesperrt. Also steht er gegen Union am Seitenrand.

Rose und Baumgart – verstehen sich ganz gut.
3) Die beiden vergebenen Chancen von Werner und Silva waren ärgerlich, es hätte allerdings auch mehr Chancen geben können. Gerade einmal 7 Torschüsse hat RBL abgegeben, was zu wenig ist. Insbesondere die Umschaltsituationen haben über weite Strecken gefehlt.
4) Die Kölner haben es auch gut gemacht und sind stellenweise extrem hoch angelaufen. Die Pressingresistenz bleibt weiter ein Leipziger Problem. Steht man den Bullen auf dem Huf, sind sie genervt. Mittlerweile tendiert man durch Laimer und Schlager als Spielertypen mitzumachen. Die Entwicklung ist dahingehend positiv.
5) Leipzig bleibt seit 18 Spielen ungeschlagen (Einstellung des bisherigen Leipziger Rekords in der Bundesliga) und hat damit eine beeindruckende Serie. Das Unentschieden in Köln war nicht unverdient, über weite Strecken stimmt der Einsatz. Macht man die eine von den 2 Großchancen, sind vielleicht sogar zwei Punkte mehr drin gewesen.
6) Die direkte Konkurrenz hat voll gepunktet. Bayern, Union, Dortmund und Frankfurt fuhren in ihren Spielen jeweils Siege ein. Damit steht Leipzig auf Platz 4 und hat nun 4 Punkte Rückstand auf die Spitze. Union mit 3 Punkten Vorsprung kann daher am Samstag überholt werden.
Da die Konkurrenz gepunktet hat, ist das Unentschieden unglücklich. Die Leipziger bleiben jedoch in der Spitzengruppe und im Kampf um die Champions League Plätze. Ein wenig mehr Chancen muss man sich erarbeiten und die eindeutigen zukünftig nutzen. Man hätte am vergangenen Samstag gern vom guten Pferd sprechen dürfen, leider war es den Leipzigern nicht vergönnt. Mit Blick auf die Mitkonkurrenten waren es zwei verlorene Punkte gegen einen guten Gegner.
Entsprechend wichtig ist das Spiel nächsten Samstag gegen Union Berlin. Das Team der Saison befindet sich bekanntermaßen gerade auf Wolke 7 bzw. Platz 2 und scheint unschlagbar zu sein. Umso besser ist, dass es mal keine englische Woche gibt und sich die Mannschaft komplett regenerieren und auf das Spiel vorbereiten kann. Den Kampfgeist können die Spieler gern aus Köln mit nach Leipzig nehmen und am Samstag auspacken.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat
Statistik
1. FC Köln: Schwäbe – Schmitz, Hübers, Chabot, Hector (C) – Skhiri, Martel – Maina (85. Lemperle), Ljubičić (55. Huseinbašić), Kainz (73. Thielmann) – Tigges (73. Selke, 85. Adamyan)
Bank: Horn – Soldo, Huseinbašić, Schindler, Adamyan, Lemperle, Selke, Thielmann, Olesen
RB Leipzig: Blaswich – Klostermann, Orbán (C), Gvardiol – Henrichs, Schlager (83. Haidara), Laimer, Raum (61. Halstenberg) – Szoboszlai (68. Forsberg), Silva (83. Poulsen), Werner
Bank: Nyland – Haidara, Poulsen, Forsberg, Halstenberg, Ba, Simakan, Ba
Schiedsrichter: Martin Petersen (Stuttgart)
Tore: Fehlanzeige
Torschüsse: 9 / 7
Schüsse aufs Tor: 0 / 2
expected Goals: 0,6 / 1,0
Passquote: 74% / 77%
Zweikampfquote: 44% / 56%
Ballbesitz: 44% / 56%
Laufleistung: 126,5 km / 119,6 km
Sprints: 264 / 260
Fouls: 10 / 15
Ecken: 5 / 1
Abseits: 2 / 3
Gelbe Karten: Schmitz (3), Martel (2), Adamyan (2) / Szoboszlai (1), Laimer (4), Gvardiol (1), Henrichs (6)
Zuschauer: 49.200 (ca. 1.200 Leipziger)
tony4arsenal