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Ausblick und Rückblick – Vor Gladbach ist nach Real

Ausblick und Rückblick – Vor Gladbach ist nach Real

In einem engen Spiel und nach einer gelinde gesagt unglücklichen Schiedsrichterentscheidung verlor Leipzig das Hinspiel gegen Real Madrid in der heimischen RBA mit 0:1. Ein Kick, bei dem RBL wenig zu verlieren hatte und insgesamt nicht schlecht aufspielte. Um nächste Saison wieder Königsklasse zu genießen, muss jetzt aber vor allem in der Liga ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Da gilt der Kick gegen Gladbach am morgigen Abend schon als letzte Ausfahrt!

Dreisatz des Madridspiels

Wie heiß es so schön: erst hast du kein Glück und dann kommt auch noch Pech hinzu. Lunin erwischte einen ausgezeichneten Tag, Šeško vergab gute Chancen, Diaz packte zu unbedrängt einen Sonntagsschlenzer aus und der Schiedsrichter kassierte ein Tor nach einer sehr diskutablen Abseitsentscheidung. So war Leipzig zwar das Spiel über auf Augenhöhe und hatte die besseren Chancen, erzielte aber keinen als regulär bewerteten Treffer und verlor so gegen ein abgezocktes und wenig spektakuläres Madrid, das mit Bellingham auf einen Schlüsselspieler verzichten musste.

 

Xavi unzufrieden.

 

Der beste Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Xavi: Vom Überflieger zum Sorgenkind, seit Anfang Dezember erzielte Xavi lediglich einen Scorer – den Führungstreffer gegen Leverkusen. Sicherlich war er auch diesmal wieder einer der auffälligsten Kicker, aber die erhoffte Steigerung auch durch das Zusammenspiel mit Olmo stellt sich derzeit nicht ein. So bleibt der wichtigste Unterschiedsspieler in den letzten Monaten hinter den Erwartungen zurück und das spürt man extrem in den Ergebnissen, die das Team einfährt.

 

Gegen Real nah dran am Sieg.

 

Luft nach oben

Raum & Simakan: Jeder der beiden brachte nur eine Flanke ins Ziel. Raum gar nur eine von 12. Wie man über außen spielen kann, zeigte dagegen Real sehr eindrucksvoll. Durchbruch bis zur Grundlinie und dann schnörkellos in den Rückraum, das brachte die Leipziger Abwehr einige Male in Bedrängnis und sah besser aus als der Großteil aller Leipziger Flanken.

Šeško: Beste Chancen ausgelassen, das führt dann zur Niederlage, die Möglichkeit direkt nach dem Abseitstreffer und auch eine weitere kurz vor Ende hätte er im Tor unterbringen müssen. So ist er zwar auf einem guten Weg, aber wie bei Xavi fehlt derzeit einfach ein Impakt in Zahlen.

Openda: Ein abgeblockter Schuss, das ist einfach zu wenig für einen Kicker, der der Königstransfer des Sommers war. Openda liefert fraglos und ist berechtigterweise auch einer der Besten im Leipziger Kader, allein es sind gerade solche Spiele, in denen er zu sehr abtaucht, die ihn noch von einem Topgoalgetter trennen.

 

Tweet des Spiels

Wunderschöne Einleitung durch die Fans.

 

Champagner statt Bier – die Fans

Wunderschöne Choreo, tolle Liedauswahl und gute Stimmung in der ausverkauften Arena ohne große no-show-rate Lücken. Fantechnisch hätte das Spiel ebenfalls einen klaren Sieger aus Sachsen verdient gehabt.

 

Pfeife des Spiels

Kein guter Einstand, den Irfan Peljto aus Bosnien-Herzegowina bei seinem ersten Spiel mit RBL wie auch Real-Beteiligung ablieferte. Kicker Note 6 spricht Bände. Ausschlaggebend zum einen die sehr merkwürdige Linie des Spielleiters, der teilweise klare Karten nicht gab, ein Wunder, dass Carvajal das Spiel beenden durfte, er bekam für sein brachiales Foul an Xavi nicht mal eine Ermahnung. Zum anderen natürlich an der Fehlentscheidung des Spiels. Mit Šeškos Treffer wäre der Kick vielleicht anders verlaufen. Henrichs im passiven Abseits oder Foul, weil er kurz davor den Keeper leicht über den Rücken streichelte? Es blieb unaufgelöst und bekam Leipzig nach dem Spiel sogar Unterstützung von Kroos, der ebenfalls die Szene nicht nachvollziehen konnte.

 

Kroos stößt ins gleiche Horn wie viele Leipziger und neutrale Beobachter.

 

Aufgefallen

1)      Möglicherweise wird es für über ein Jahr das letzte Champions League Heimspiel in der RBA gewesen sein, die aktuelle Situation in der Liga und das sicher nicht einfache Rückspiel in Madrid lassen dies zumindest vermuten. Um auch nächste Saison noch in der Königsklasse zu spielen, muss das Team sich jetzt steigern. Die Zeit, um aus Fehlern zu lernen, ist definitiv vorbei.

2)      Im Prinzip war es kein schlechtes Spiel unserer Rasenballer, die gerade nach dem Gegentor noch dranblieben und in der zweiten Halbzeit eigentlich das bessere Team waren. Phasen mit Leerlauf gab es zwar auch, aber das beschränkte sich größtenteils auf die zweite Hälfte der ersten Halbzeit, als lange Zeit kein Torschuss auf beiden Seiten fiel. Aber für die guten Ansätze gegen ein geschwächtes Real kann man sich am Ende wenig kaufen. Gerade bei eigenen Flanken und Ecken war wieder viel Luft nach oben, die Anzahl der Dribblings war unterirdisch (6/20) und auch die Verwertungsquote der Schüsse aufs Tor mehr als ausbaufähig (0/9). Insofern war es auch hier etwas hausgemacht, dass RBL selbst ein ersatzgeschwächtes Real nicht zu Fall bringen konnte.

 

Auch andere Szenen waren gelinde gesagt merkwürdig.

 

3)      Erneut sehr späte Wechsel von Rose, das passt auch zu den von Werner geäußerten Misstönen. Grundsätzlich kommt auf diese Weise die Breite des Kaders nicht zum Tragen. Natürlich liefern die Eingewechselten auch kaum Argumente, aber in 15 Minuten ist es eben auch schwer mal so eben den Unterschied zu machen. Es bleibt dabei – aus dem Kader muss eigentlich mehr herauszuholen sein, aber Rose hat hier momentan kein glückliches Händchen. Die Jokertore der Hinrunde (auch eher aus wenigen sehr erfolgreichen Spielen als ein echter Standard) sind Geschichte.

4)      Was am Ende bleibt, ist, dass es zum sechsten Mal in den letzten sieben Spielen keinen Leipziger Sieg gab. Eine längere Serie (ein Sieg aus acht Spielen) gab es einst nur unter Beierlorzer in Liga 2. Definitiv zu wenig für die eigenen Ansprüche und auch für die nicht zu knappen Kaderkosten. Da darf einem ein halbwegs solider Auftritt gegen Real auch nicht den Blick auf die Zustände und die Lage in der Liga verstellen.

 

Die mögliche Aufstellung gegen die Borussia.

 

Ausblick auf die Fohlen

Womit wir beim kommenden Gegner sind, die Borussia aus Mönchengladbach ist derzeit auch nicht gerade vom Erfolg verwöhnt und hat ihrerseits auch nur eines der letzten acht Spiele gewonnen. Das aber immerhin gegen Stuttgart. Daneben gab es auch ein 0:0 Unentschieden gegen Leverkusen. Ergebnisse, von denen Leipzig nur träumen kann. Gegen den 13. der Auswärtstabelle (nur zwei Punkte mehr als Union) muss daheim aber auf Sieg gespielt werden, will man den BVB und Stuttgart nicht vollends enteilen lassen.

 

Misstöne aus England.

 

Von den ehemaligen Spielkulturmeistern der goldenen Fohlenelf-Jahre ist die Borussia weit entfernt. In Sachen Ballbesitz steht man in dieser Saison gar hinter Mannschaften wie Darmstadt und Köln. Immerhin ist die Passquote relativ hoch (81%), was sich aber auch teilweise daraus speist, dass Gladbach das Team ist, das prozentual am häufigsten in der eigenen und am seltensten in der gegnerischen Hälfte agiert. Wie Leipzig ist die Borussia nicht gut im Verteidigen von Standards, hat aber anders als Leipzig schon mehr als doppelt so viele Gegentore aus dem Spiel heraus kassiert. Ursache dafür ist eine meist sehr wacklige Abwehr, die die mit Abstand meisten Abschlüsse der Liga zulässt (17,2 pro Spiel). In Acht nehmen muss sich Leipzig am ehesten vor Kontersituationen, in diesen ist Gladbach gehobenes Mittelmaß.

 

Das Hinspiel in Mönchengladbach war relativ ausgeglichen und wurde seinerzeit von einem eingewechselten Timo Werner entscheiden. Der die einzige Großchance des Spiels versenkte. Bleibt zu hoffen, dass morgen Abend etwas mehr Schauwerte geboten werden. Letztlich braucht Leipzig Selbstvertrauen, um endlich den Rückrundenturbo zu zünden!

 

Nicht nur Rose ärgerte sich über den Schiedsrichter.

 

Fazit

Gegen Real eine knappe Niederlage einzustecken, zumal eine, bei der man vom Schiedsrichter etwas um seinen Lohn betrogen wird, kann passieren. An der königlichen Abgezocktheit sind schon ganz andere gescheitert. Im Prinzip war dieses Spiel auch ein Bonusspiel, vielleicht auch ein Grund, warum Leipzig relativ befreit aufspielte und nicht so gehemmt wirkte wie teilweise gegen Augsburg oder Stuttgart. Durch die Ausfälle bei Real und den Spielverlauf bleibt es dennoch schade, nicht mehr mitgenommen zu haben.

Der Blick muss jetzt nach vorne gehen. Wichtig ist, endlich spielerisch wieder zu überzeugen, aus dem Team mehr als die Summe seiner Einzelteile zu machen und alle Kicker mit ins Boot zu holen. Denn wenn die Champions League verspielt wird, dann wird es harte Konsequenzen geben, werden Spieler nicht zu halten sein und auch ein sympathischer Rose kann nicht ohne die nötigen Ergebnisse bestehen. Gladbach ist in Anbetracht der Situation in der Liga im Prinzip die letzte Möglichkeit. Ein Sieg muss her und im besten Fall sollte der auch überzeugend sein … nur keinen Druck!

 

Solche Szenen brauchen wir jetzt wieder!

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLFotMobUEFAfbref

 

Statistik
RB Leipzig: Gulácsi – Henrichs (75. Haidara), Klostermann, Orbán (C), Simakan, Raum – Olmo (75. Elmas), Schlager (90. Kampl), Xavi – Openda (75. Poulsen), Šeško
Bank: Blaswich, Zingerle – Bitshiabu, Castello Jr., Lenz, Seiwald, Jatta, Baumgartner
Real Madrid: Lunin – Carvajal, Tchouaméni, Nacho (C), Mendy – Camavinga, Kroos, Valverde, Díaz (84. Vazquez) – Rodrygo (84. Joselu), Vinicius Jr.
Bank: Kepa, Fran – Modrić, Ceballos, Fran Garcia, Güler, Martin, Paz, Carillo, Ramon
Schiedsrichter: Irfan Peljto (Bosnien-Herzegowina)
Tore: 0:1 Diaz (49.)
Torschüsse: 14 / 15
Schüsse aufs Tor: 9 / 3
expected Goals: 1,37 / 1,43
Passquote: 87% / 88%
Zweikampfquote: 44% / 56%
Ballbesitz: 50% / 50%
Laufleistung: 118,4 km / 114,6 km
Fouls: 10 / 12
Ecken: 7 / 3
Abseits: 2 / 0
Gelbe Karten: Simakan (3), Poulsen (2), Šeško (1) / Carvajal (1), Vinicius Jr. (1)
Zuschauer: 45.028

Rumpelstilzchen